So trackt Tommy Hilfiger, wie lange und oft Kunden die Kleidung tragen

Smarte Kleidung ohne smarte Features für den Kunden? Was sich Tommy Hilfiger dabei gedacht hat.
Smarte Kleidung ohne smarte Features für den Kunden? Was sich Tommy Hilfiger dabei gedacht hat.(© 2018 Shutterstock / Rawpixel.com)

Ganz schön gewieft: Für ihre neueste Kollektion nutzt die Modemarke Tommy Hilfiger Tracking-Wearables, um herauszufinden, wann, wo und wie lange Kunden die Klamotten tragen. Im Austausch für die wertvollen Daten bekommen Kunden Belohnungen.

Stellt euch vor, euer Klamottenhersteller weiß künftig, zu welchem Anlass ihr die Kleidung tragt und vor allem wie lange bis zum nächsten Waschgang. Was für den Endverbraucher gruselig klingt, bietet für die Modemarke einen echten Mehrwert, weil sie ihre Werbestrategie so noch passgenauer auf die Zielgruppe ausrichten kann und erfährt, was die Kleidung im Alltag aushalten muss. Genau diese Vision macht das Label des US-amerikanischer Modedesigners Tommy Hilfiger mit einer ganzen Kollektion jetzt wahr, modernster Tracking-Technik sei Dank.

"Nie zuvor war eine Marke dazu in der Lage, wirklich zu erfahren, wie die Konsumenten ihr Produkt nach Verlassen des Ladens nutzen", sagt Liron Slonimsky, CEO Tommy Hilfiger.

Der Kunde muss zustimmen – und erhält eine Belohnung

Die Chips für die Modestücke, "Smart Tags" genannt, wurden von dem israelischen Spezialisten Awear Solutions eigens für Tommy Hilfiger entwickelt. Damit die Modemarke sie sich zunutze machen kann, muss der Kunde allerdings selbst proaktiv die passende Handy-App herunterladen. Über Bluetooth werden die Informationen, wann, wie lange und wie oft ein Kleidungsstück der Kollektion "Tommy Jeans Xplore" zum Einsatz kommen, synchronisiert. Diese umfasst neben Jeanshosen, Jacken und Pullis auch Hüte und Taschen. Als Belohnung für die Informationsbereitschaft  zu so persönlichen Daten winken dem Kunden Punkte, die er sammeln und gegen Gutscheine für neue Kleidung, Give-aways oder auch Konzerttickets einlösen kann. Smarte Funktionen für den Kunden bringen die Trackern versehenen Kleidungsstücke keine.

Auf diese Weise möchte Tommy Hilfiger neue Markenbotschafter finden, die die Kleidung wirklich leben – etwa bei großen öffentlichen  Veranstaltungen. So wird der Kunde doppelt mit Punkten beschenkt, wenn er die Sachen möglichst lange trägt oder sich mit der neuen Kollektion an bestimmte Orten zeigt – angefangen bei Filialen von Tommy Hilfiger bis hin zu angesagten Clubs oder Events. So könnte die Modemarke bald neben Größen wie dem Formel-1-Weltmeiter Lewis Hamilton oder dem Supermodel Gigi Hadid lebensechte Testimonials gewinnen, die noch näher an der Zielgruppe sind und fast nichts kosten.

Das sagen Kritiker

Auch wenn das Modeunternehmen garantiert, die Daten verschlüsselt zu erfassen, und dass Kunden ihre Zustimmung zum Tracking jederzeit widerrufen könnten, sehen viele Kritiker darin eine Verletzung der Datenschutz-Bestimmungen. Beispielsweise titelt der Standard aus Österreich: "Gruselige Kleidung von Tommy Hilfiger trackt, wie oft sie getragen wird". TechCrunch findet das ganze Vorhaben einfach nur "lächerlich", während Deutschlandfunk Nova der Meinung ist, dass "dass am Ende nur Hardcore-Fans Lust auf die smarte Kollektion haben".

Warum wir uns hierzulande keine Gedanken um die Wearable-Kollektion machen müssen

Als Europäer brauchen wir uns aber ohnehin keine Gedanken machen, da die neue EU-Datenschutzgrundverordnung die Einführung der Wearable-Kollektion untersagt. Dementsprechend wird es den smarten Zwirn auch vorerst nur in den USA zu kaufen geben.


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