Social Video mit Instagram und Vine

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Doch was sagt dann ein kurzes Video? Auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram lassen sich Informationen und vor allem Bilder teilen. Videos waren bisher nie besonders schnell selbst produziert und sahen dann auch nicht besonders gut aus. Youtube und Vimeo waren da die einzig brauchbaren Möglichkeiten. In den letzten Wochen und Monaten kam der Trend der Kurzvideodienste auf - Social Video. Twitter brachte dazu Anfang des Jahres die App Vine für iOS  heraus und mittlerweile ist diese auch für Android und Windows Phone verfügbar. Die App kann 6 Sekunden-Clips erstellen, verteilen und im eigenen Netzwerk entdecken. Instagram bietet diesen Dienst jetzt auch an und erweiterte so sein Netzwerk mit einer völlig neuen Funktion. Neu ist das ganze Thema nicht, aber die Möglichkeiten dahinter sind faszinierend.

Faszination Bewegtbilder

Einen ersten Versuch mit animierten Bildern Geschichten zu erzählen, gab es 1987 mit dem Datei Format GIF (Graphics Interchange Format). Bilder werden hintereinander dargestellt und sehen ein wenig wie ein Daumenkino aus. Fortan wurde dieses Format genutzt, um auf statischen Seiten des Web 1.0 Bilder zu animieren und Bannerwerbung einzublenden. Heute gibt sogar sogenannte GIF-Künstler, die das Format als Kunstform des Films entdeckt haben und auf diversen Tumblr-Blogs der Welt präsentieren. Das über 20 Jahre alte Format erlebt einen regelrechten Boom. Die App Loopcam lässt jeden Nutzer in Sekunden zum GIF-Künstler werden. Die Kurzvideodienste sind so etwas wie die Weiterentwicklung hin zu echten Videoclips, die sehr schnell aufgenommen und in sozialen Netzwerken verbreitet werden können. Bilder, Bewegungen und Ton sind der perfekte Spielplatz für Künstler.

Vine, die App von Twitter - der Pionier des Social Videos

Mit Vine können Nutzer kurze Videoclips mit einer Länge von 6-Sekunden erstellen, die dann in eigene Netzwerk von Vine gepostet werden. Zusätzlich können Videoclips auf Twitter und Facebook geteilt und sogar in Webseiten eingebettet werden. Die Videoclips können dann, wie es ein soziales Netzwerk will, kommentiert, geliked und innerhalb des Netzwerkes geteilt werden. Vine bietet dafür sogenannte Kanäle an, in denen der Videoclip geteilt werden kann, was somit auch das Suchen nach Themengebieten erleichtert. Mit der perfekten Integration zum eigenen Netzwerk hat sich Twitter selbst eine Möglichkeit geschaffen, die begrenzte Zeichenfülle von Maximal 140 Wörter pro Tweet aufzuheben und die Reichweite durch ein zweites Netzwerkes massiv zu erhöhen. Besonders bei Agenturen, Künstlern und Journalisten dürfte das neue 6-Sekunden-Format große Freude ausgelöst haben.

  • Betriebssystem: iOS 5.0 oder neuer | Android 4.0 oder neuer | Windows Phone 8
  • Preis: kostenlos
  • Link: Windows Phone
  • Persönliches Rating: ?????

Instagram erweitert sein Netzwerk um Social Videos

Den Schritt ebenfalls Kurzvideos in Instagram zu integrieren und dem Nutzer eine völlig neue Art und Weise anzubieten, um sich auszudrücken, war sehr clever. Mit potentiellen 130 Millionen Nutzern hat Instagram eine hervorragende Grundbasis an willigen Künstlern. Videos bei Instagram sind bis zu 15 Sekunden lang und können nach der Aufnahme mit einem Filter angepasst und für die Vorschau ein Titelbild ausgesucht werden. Wie von Instagram gewohnt, könne die Kurzvideos dann zu Facebook, Twitter, tumblr oder foursquare geteilt werden. Eine Einbettung auf Webseiten ist ebenfalls möglich, wie ihr unten sehen könnt. Grundsätzlich unterscheidet sich die Videofunktion nicht von Vine, hat aber scheinbar mehr den Fokus auf die Künstler-Community gelegt. Wie auch der Mutterkonzern Facebook, hat Instagram die Ankündigung emotional mit wunderschönen Videos aufgeladen (siehe Video). Nun ist auch hier zu hoffen, dass der Nutzer genauso schöne Fotos erstellen kann. Denn eines scheint sicher zu sein: schöne Fotos mit Instagram zu machen, ist leicht, aber ansprechende Videos zu produzieren, ist um einiges komplizierter.

  • Betriebssystem: iOS 5.0 oder neuer | Android 2.2 oder neuer
  • Preis: kostenlos
  • Link: iTunes | Google Play
  • Persönliches Rating: ?????

Fazit

GIFs und kurze Videos haben das unglaubliche Potential Informationen aufbereitet mit lokalen Eindrücken und Emotionen in die ganze Welt zu verteilen - Youtube hat das eindrucksvoll gezeigt. Wir können plötzlich in Sekunden in das Leben von anderen eintauchen und sehen, was andere sehen und machen. Das war mit YouTube auch schon möglich, aber nicht in der Effizienz, Einfachheit und Geschwindigkeit, wie es mit Instagram und Vine zu funktionieren scheint. Twitter und Facebook half den Menschen im arabischen Raum zu einer Revolution, die durch eine unabhängigen Kommunikation Informationsfreiheit teilweise verfügbar machte. Auf Instagram verkaufen Shops in Kuwait ihre Produkte und Künstler schaffen sich eine Plattform außerhalb der Gallerie. Der Erfolg von Instagram liegt auch in seiner Einfachheit und seinem künstlerischen Anspruch. Mit der Erweiterung des Social Videos bekommt das Social Web einen ganz neuen Charakter und Marketing-Verantwortliche reiben sich schon die Hände. Mercedes-Benz macht es vor und auch Journalisten haben in Krisengebieten ein erstklassiges Dokumentationstool erhalten.

Einen klaren Favoriten gibt es nicht. Beide Apps funktionieren wunderbar und haben ein großes Netzwerk. Wer längere Filme machen will und Filter bevorzugt, sollte zu Instagram gehen. Wer eher bei Twitter zu Hause ist und kurze, aber prägnante Nachrichten bevorzugt, dem empfehle ich Vine. Da Deutschland eher eine Twitter abgeneigte Nation ist, wird sich wohl Instagram langfristig durchsetzen. Einen klaren Gewinner gibt es aber trotzdem nicht, weil beide Netzwerke unterschiedliche Zielgruppen ansprechen dürften.

Update | 08.08.2013: Instagram hat heute Nacht mit der Version 4.1 ein Paar kleine Änderungen herausgebracht, die ich kurz ergänzen will:

1. Es ist nun möglich eigene Videos vom Smartphone direkt zu importieren und in der App zu bearbeiten. Bisher mussten Videos aus der in-App-Kamera aufgenommen werden.

2. In iOS können Bilder nach der Aufnahme gerichtet und gedreht werden. Falls ein Bild schief ist, einfach auf den Straighten Icon klicken und das Bild wird automatisch gerade gerückt. Wahlweise kann das Bild auch manuell gedreht und nach Belieben ausgerichtet werden.

3. Für Nutzer von Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) ist die Video-Funktion nun auch endlich verfügbar.