Xperia S von Sony - Langzeittest mit dem Multimedia-Riesen

Nach meinem ersten Eindruck zum Xperia S von Sony habe ich das Handy wochenlang im täglichen Einsatz getestet und dabei immer wieder versucht, es an seine Grenzen zu bringen. Ob das erste Handy von Sony nach der Trennung von Ericsson den Erwartungen entspricht?

Verarbeitung

128 x 64 x 10,6 Millimeter misst das Sony Xperia S bei einem Gewicht von 144g – sicherlich ein größeres Han
dy, jedoch ohne Probleme mit einer Hand bedienbar. Es liegt durch die abgerundete Rückseite sehr gut in der Hand und überzeugt auch sonst durch eine gute Mischung aus Bedienfreundlichkeit und Design. So besteht das Gehäuse zum Beispiel zwar „nur“ aus Kunststoff, wirkt dabei jedoch keinesfalls billig, sondern durch die verwendete Metalloptik, die auch bei den hervorstehenden Bedienelementen verwendet wird, überraschenderweise sehr hochwertig. Das 4,3-Zoll-Display passt sich diesem Eindruck nahtlos an. Vorderseite und Rückseite wirken jeweils wie aus einem Guß und in den Spaltmaßen sammelt sich erstaunlich wenig Schmutz, der – falls einmal vorhanden – auch gut entfernt werden kann. Als Negativpunkt vermutet man zunächsteinmal die Abdeckungen für den HDMI-Anschluss und den Micro-USB-Anschluss an der Seite, zugegebenermaßen erfordert es etwas Übung diese zu öffnen, allerdings besteht hier durch ein wirklich ausgeklügeltes System keinerlei Gefahr, dass die Abdeckungen verloren gehen oder abreissen, dieses hat der Härtetest eindeutig erwiesen: Reissen und Ziehen sind hier kein Problem.

Akku

Der Akku des Handys ist fest verbaut, weshalb im Problemfall immer ein Gang zum Service vonnöten ist. Mit einer Leistung von 1750 mAh liegt das Sony im Spitzenbereich der Akkukapazitäten, denn sowohl Iphone 4S (1420 mAh) als auch Samsung Galaxy S2 (1650 mAh) können hier nicht mithalten. Trotz teilweise intensivem Gebrauch mit einigen Fotos, Gesprächen, etlichen Minuten Surfen sowie Spielen hält das Xperia S etwas länger durch als vergleichbare Smartphones. In 4 Wochen Härtetest kam es nur einmal vor, dass es vor dem Abend einen Anschluss ans Ladegerät forderte und das auch nur aufgrund sehr langer Gespräche. Noch höhere Akkulaufzeiten sind durch die vorinstallierte „Stromsparer“-App möglich, die sich entweder bei Bedarf manuell einschalten lässt oder aber bei einer gewissen Akkuladung bzw in einem bestimmten Zeitraum automatisch einschaltet. Es lässt sich vorher genau festlegen, welche Funktionen (Wi-Fi, GPS, Bluetooth, Synchronisation, Hintergrunddaten) im Stromsparmodus ausgeschaltet werden sollen und wie hell das Display leuchten soll, was im Extremfall dazu führte, dass das Xperia S ungefähr 2 Tage ohne Ladevorgang durchhielt, was bei anderen aktuellen Smartphones fast nur möglich ist, wenn man das jeweilige Handy einfach nur liegen lässt.

Telefonie

Die Sprachqualität des Sony-Flaggschiffes ist durchweg gut mit einigen kleinen Schwächen. In normaler Umgebung überzeugen sowohl Sprachqualität als auch Klang durch Klarheit, angemessene Lautstärke und absolute Realitätsnähe, was von vielen verschiedenen Gesprächspartnern bestätigt wurde. Im Freisprechmodus setzt sich dieses positive Telefonieerlebnis fort, hier wäre jedoch ein klein wenig mehr Lautstärke bei der Stimmausgabe des Gesprächspartners wünschenswert. Im Härtetest zeigt das Xperia S in lauten Umgebungen, dass Hintergrundgeräusche gut ausgeblendet werden, also immer noch ein angenehmes Gespräch möglich war, in windiger Umgebung stößt es an seine Grenzen, wie alle Smartphones.

Messaging

Die Messaging-Funktion beim Sony Xperia S ist recht simpel gehalten und entspricht genau dem, was man von anderen Android-Geräten kennt: Übersichtlich, funktionell und schnell bedienbar. Nachrichten werden, wie mittlerweile üblich, in einer Chat-Übersicht dargestellt. Bei der Eingabetastatur lässt sich wählen zwischen einer QWERTZ-Tastatur und einem Tastenfeld, dass sich an älteren Handys ohne Touch orientiert. Beide sind sowohl im Hoch- als auch im Querformat verwendbar und die integrierte Autokorrekturfunktion sorgt dafür, dass Texte schnell und fehlerfrei geschrieben werden können. Ausserdem integriert ist die Swype-Technologie: Einfaches Wischen über die Tastatur kreiert bei dieser Technologie das jeweils wahrscheinlichste Wort, was in der Praxis wirklich sehr sehr gut funktionierte und ein Antworten auf Nachrichten in Sekundenschnelle ermöglicht.

Webbrowser

Generell steht es auf Android-Geräten jedem Benutzer frei, welchen Browser er benutzt, schließlich kann durch einfachen Download im PlayStore der Wunschbrowser runtergeladen werden. Beim Sony Xperia S ist dieses jedoch wohl nur für Benutzer mit absoluten Sonderwünschen nötig. Die Geschwindigkeit des Seitenaufbaus ist fix und der Bildschirminhalt beschränkt sich wirklich sehr auf das Wichtige: Die Adresszeile und die Website. Erst bei Aufrufen der Einstellungen lässt sich erkennen, welche vielfältigen Möglichkeiten der Browser noch bietet: Wechseln zwischen verschiedenen Tabs, Festlegen von Favoriten, Textgröße oder auch ein Pop-Up-Blocker sind nur einige von ihnen. Nach mehrwöchigem Test lässt sich ganz klar sagen, dass der integrierte Browser ein absolut vollwertiger Ersatz für einen „normalen“ Browser auf einem PC oder Laptop ist, es gibt keinerlei wichtige Funktion die hier vergessen wurde.

Kamera

Die rückwärtige HD-Kamera ist mit 12 Megapixeln, einer Auflösung von 4000 X 3000 Pixeln und 16-fach Digitalzoom derzeit das Nonplusultra bei den aktuellen Smartphones. Die Frontkamera bietet eine Auflösung von 1280 X 960 Pixel. Wer aufgrund dieser Hardware-Daten nun eine wirklich gute Kamera erwartet wird keinesfalls enttäuscht. Die Bilder sind gestochen scharf, absolut realitätsnah und überzeugen durch angemessenen Kontrast und sehr gute Helligkeit. Vielfältige Einstellungen lassen nur wenig Wünsche offen. So gibt es neben vorgefertigten Szeneneinstellungen (z.B. „Nahaufnahme“ oder „Sport“) eine Unterstützung von Geotagging, einen Selbstauslöser und eine automatische Gesichtserkennung, die dafür sorgen, dass sich das Xperia S auch vor Kompaktkameras nicht zu verstecken braucht. Leichte Schwächen offenbart die Kamera lediglich im Dunkeln, wo aufgenommene Bilder aufgrund des verwendeten Exmor-Sensors immer noch ausreichend hell sind, aber ein leichtes Bildrauschen sichtbar wird.

Videos nimmt das Sony Xperia S in Full HD (1920 x 1080 Pixel) auf. Im Härtetest machten ihm auch schnelle Schwenkbewegungen kaum etwas aus, es entstanden kaum „Ruckler“ in der Bildabfolge. Die Qualität der Videos lässt sich zwar noch nicht mit der eines Camcorders vergleichen, bietet jedoch für den normalen Anwender mit einer Frequenz von bis zu 30 Bildern pro Sekunde eine mehr als ordentliche Perfomance für spontane Videos, die dann auch gleich über die rechtsseitig angebrachte HDMI-Schnittstelle auf dem Fernseher wiedergeben lassen.
Ein weiteres Highlight ist die 3D-Kamera, bei der Bilder im Schwenk von links nach rechts aufgenommen werden und dann zu einem 3D-Bild zusammengesetzt werden. Nach kurzer Eingewöhnungsphase funktioniert dieses auch erstaunlich gut, ist jedoch auf dem Handy selber nicht als 3D-Bild erkennbar. Nach Anschluss des Mobiltelefons per HDMI an einen 3D-Fernseher sieht man dann das 3D-Bild auch als echtes 3D-Bild, die Qualität hierbei ist für Schnappschüsse durchaus akzeptabel.

Performance und Display

Bei dem Prozessor des Xperia S setzt Sony auf den 1,5-Gigahertz-Dual-Core-Prozessor MSM8260 von Qualcomm, der bereits im HTC Sensation zum Einsatz kam und zusammen mit 1GB Arbeitsspeicher für eine wirklich flotte und ruckelfreie Arbeitsgeschwindigkeit sorgt. Selbst im Härtetest, in dem mehr als 40 verschiedene Apps im Hintergrund liefen, machte das Handy nicht schlapp. Bestätigt wird dieser Eindruck aus der Praxis auch von Ergebnissen verschiedener Benchmark-Tests.
Kommen wir zum Prunkstück des Handys: dem Display. Mit 4,3 Zoll zählt es zu den größeren Smartphones, bei denen meist die Auflösung unter der Größe leidet. Nicht so beim Xperia S. Mit 720 x 1280 Pixeln und 182 Pixeln pro Quadratmillimeter setzt es neue Maßstäbe, welche auch in der Praxis ganz klar erkennbar sind. Egal ob Videos, Bilder oder Webseiten, alles wird in hervorragender Schärfe dargestellt.

Speicher und OS

Der interne Speicher des Sony Xperia S ist mit 32GB, von denen 25,4GB frei verfügbar sind sehr hoch und er bietet genügend Platz für eigene Bilder, Musik und Videos, lässt sich jedoch leider nicht durch externen Speicher erweitern. Das Verschieben von verschiedenen Medien auf den PC und vom PC auf das Handy funktioniert erstaunlich schnell und ist durch Plug & Play-Funktion sehr einfach: Das Handy wird angeschlossen und ist nach wenigen Sekunden als Laufwerk im Arbeitsplatz sichtbar, Zusatzsoftware ist nicht erforderlich.
Das verwendete Betriebssystem ist entgegen vieler Erwartungen „nur“ Android 2.3.7 (Gingerbread), das Gerät wird jedoch laut Herstellerangaben im Sommer das Update auf Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) erhalten.

Fazit

Das Sony Xperia S ist ein Smartphone mit vielen Stärken und nur wenigen Schwächen. Neue Maßstäbe setzt es durch die leistungsstarke Kamera und das hochauflösende Display vor allem im Bereich Multimedia. Standardfunktionen werden alle sicher beherrscht und es bleiben lediglich die Wünsche nach externem Speicher und des neuesten Betriebssystems offen, was jedoch nur kleine Kritikpunkte in einem guten, gelungenem Handy sind.