Sony Xperia T vs. iPhone 4S

Vor drei Wochen ist es bei mir angekommen: Das neue Sony Xperia T. Es ist mein erstes Smartphone mit Android-Betriebssystem. Denn die letzten vier Jahre habe ich nur diverse iPhone-Versionen besessen. Mein neuestes Modell ist das iPhone 4S, das ich auf das neue iOS-Betriebssystem iOS 6 aktualisiert habe. Die Frage, die sich für mich stellte, war: Wie komme ich mit einem Smartphone klar, welches auf dem Android-Betriebssystem basiert? Welches sind die Unterschiede? Welches Smartphone bewährt sich besser im Alltag? Und genau diese Erfahrungen möchte ich mit euch teilen.

Auf die technischen Details möchte ich dabei nicht eingehen. Der Prozessortakt und ähnliche Faktoren spielen im Praxiseinsatz in der Regel eine weitaus untergeordnetere Rolle als gemeinhin angenommen. Wer sie nachlesen möchte, findet einen kurzen Vergleich ausgewählter technischer Daten am Ende dieses Artikels.

Erster Eindruck

Schon beim Auspacken zeigt sich der erste Unterschied zwischen dem Sony Xperia T und dem iPhone 4S: Während das Sony Xperia T nur etwa die Hälfte der Verpackung ausfüllt, dominiert das iPhone 4s ganz klar die Verpackung. Dabei wirkt die Verpackung und Präsentation des iPhone 4s auf mich irgendwie edler. Aber das ist Geschmacksache.

Auch in der Verarbeitung zeigen sich deutliche Unterschiede, besonders beim Einschub für die SIM-Karte. Das SIM-Karten-Fach kann aufgeklappt werden und nimmt neben der SIM-Karte auch die Speicherkarte mit auf. Damit die Klappe nicht verloren geht, ist sie mit zwei Plastik-“Scharnieren“ am Gehäuse befestigt. Genau diese Befestigungsart sowie ein leicht schräg eingebauter SIM-Karteneinschub sorgen dafür, dass ich einige Zeit und Mühe benötige, um das Fach wieder zu schließen. Leider springt das Fach immer wieder bei der normalen Benutzung auf, wenn ich mit dem Finger dagegen komme. Das quittiert das Sony Xperia T dann mit dem Hinweis „SIM-Karte wurde entfernt“ und dem Abschalten und Neustart des Smartphones. Das ist sehr unschön, falls man gerade ein Telefonat führt.

Besonders problematisch ist dieses Verhalten, wenn es unbemerkt passiert, wenn man z.B. das Handy in die Tasche steckt. Denn nach dem Neustart steht das SiM-Karten-Fach auf und trotz eingesetzter SIM-Karte meldet das Sony Xperia T „Keine SIM-Karte“. Rufen einen jetzt Freunde an, so werden sie sofort auf die Mailbox umgeleitet. Nette Kommentare wie „Sag mal, warum schaltest du denn dein Handy aus“ sind einem in so einer Situation gewiss.

Ob das Problem ein generelles Problem beim Sony Xperia T ist oder ob nur mein Modell diese Problematik aufweist, kann ich nicht sagen. Fest steht nur: es stört. Und es kostet mich einige weitere Versuche und einiges an Zeit, bis ich die Klappe so verriegelt habe, dass sie nicht mehr aufspringt.

Ganz anders sieht es beim iPhone 4S aus. Zwar benötige ich ein Spezialwerkzeug, um das SIM-Karten-Fach zu öffnen. Doch Apple liefert dies mit, und eine aufgebogene Büroklammer täte es auch. Und wenn man die SIM-Karte eingesetzt und den SIM-Karten-Halter wieder ins Gerät geschoben hat, sitzt dieser bombenfest. Da kann nichts aufspringen.

Eine Sieg nach Punkten erreicht das Sony Xperia T hingegen beim Einschalten. Benötigt das iPhone 4S satte 44 Sekunden, ehe es einsatzbereit ist, so sind es beim Sony Xperia T schmale 21 Sekunden. Wenn man also sein Smartphone mal ausschalten muss, ist das Sony Xperia T sehr viel schneller wieder einsatzbereit.

Ebenfalls positiv beeindruckt bin ich davon, dass Sony unter dem Punkt „Hilfe“ gleich ein Handbuch mitliefert. Ein Klick auf den entsprechenden Eintrag lädt das Handbuch herunter, jedoch nicht ohne einen Warnhinweis, dass je nach Mobilfunktarif Kosten anfallen können. Auch das ist vorbildlich. Denn das vermeidet einen dreistelligen Betrag auf der nächsten Telefonrechnung. Beim iPhone muss man entweder auf der Homepage von Apple oder im iBook-Store nach dem Handbuch suchen. Einen Hinweis, dass dafür Gebühren anfallen könnten, gibt es nicht.

Vergleich der Grundausstattung (vorinstallierte Apps)

Auf dem Sony Xperia T sind deutlich mehr Apps vorinstalliert als beim iPhone 4S. 52 Apps sind beim Sony Xperia T auf drei Bildschirme verteilt. Beim iPhone 4s finden sich nur 22 Icons auf zwei Bildschirmen, was 25 Apps entspricht, da einige Apps zu einem Ordner zusammengefasst wurden. Für mich als langjährigem iPhone-Nutzer wirkt die Vielfalt an Apps beim Sony Xperia T erst einmal irritierend, zumal ein schneller Überblick nicht immer die Erleuchtung bringt, was sich hinter der jeweiligen App verbirgt.

Die hohe Anzahl an Apps beim Sony Xperia T beruht allerdings auch darauf, dass viele Google-Apps vorinstalliert und somit Funktionalitäten doppelt vorhanden sind. So gibt es eine App namens „Browser“ und eine App namens „Google Chrome“. Letztendlich verbirgt sich dabei natürlich hinter beiden Apps ein Browser, mit dem ich im Internet surfen kann. Das Gleiche gilt für die Apps „Mail“ und „Google Mail“, hinter denen sich jedes Mal ein E-Mail-Programm verbirgt. Und es finden sich noch weitere Funktionalitäten, die doppelt vorhanden sind. Dabei sind die Funktionalitäten der jeweiligen Apps nicht immer hundertprozentig identisch. Aber es ist immer so, dass eine der beiden Apps alle Funktionen umfasst und die zweite nur eine Untermenge davon. Damit hätte man die App mit der eingeschränkten Funktionalität jeweils weglassen können, ohne dass Funktionen verloren gegangen wären.

Sony Xperia T vs. iPhone 4S

Telefon

Beim Telefonieren zeigen sich klanglich nur geringe Unterschiede. Das iPhone 4s klingt dabei ein wenig kräftiger, das Sony Xperia T etwas flacher. Ansonsten ist die Sprache aber klar verständlich, wie man es heutzutage von einem Handy bzw. Smartphone erwartet.

Internet

Natürlich wollte ich wissen, welches Smartphone schneller beim Surfen im Internet ist. Dazu habe ich beide nebeneinander gelegt und in den jeweiligen Browsern dieselbe URL (Internetseite) eingetippt, z.B. www.ard.de und dann gleichzeitig den Ladevorgang gestartet. Das Ergebnis überraschte!
Je nach Internetseite war mal das Sony Xperia T, mal das iPhone 4S deutlich schneller, mal waren beide gleich schnell. Eine Erklärung dafür habe ich nicht.

Einen deutlichen Vorteil hat das Sony Xperia T allerdings beim Hineinzoomen in einen Text. Führt man einen Doppel-Tap auf den Text aus, so wird dieser nicht nur gezoomt, sondern das Sony Xperia T formatiert den Text neu, sodass er bestens an den Bildschirm angepasst wird. Das führt - zusammen mit dem größeren Display des Sony Xperia T zu einer deutlich besseren Lesbarkeit des Texts.

Kamera

Bei der Kamera ist natürlich der erste und auffallende Unterschied das Bildformat. Aufgrund des größeren Displays und des 16:9-Formats des Bildschirms beim Sony Xperia T bekommt man natürlich einen anderen Bildausschnitt zu sehen als beim iPhone 4S.

Daneben gibt es auch deutliche Unterschiede im Kontrast- und Helligkeitsverhalten der Kameras der beiden Smartphones. Welche Kontrast- und Helligkeitswerte dem Nutzer besser gefallen, ist definitiv Geschmacksache. Daher stelle ich hier einfach ein paar Beispielbilder beider Smartphones ein. Die Vergleichsfotos wurden immer am selben Tag, zu selben Zeit - und natürlich am selben Ort - aufgenommen. Entscheidet selbst, was euch besser gefällt.

Sony Xperia T

iPhone 4S

Maps

Zur Karten-App von Apple und zu Google-Maps braucht man fast nichts mehr zu sagen. Die Kritik an dem Kartenmaterial der Karten-App von Apple hallte ja mit einem riesigen Echo durch das Internet. Und so kann ich auch nur bestätigen, dass Apple hier gegenüber Google noch deutlichen Nachholbedarf bei der 3D-Darstellung hat. Aber während ich diesen Artikel schreibe, kann man auch schon lesen, dass Apple wirklich intensiv daran arbeitet, das Kartenmaterial zu verbessern und sich schon deutliche Fortschritte zeigen. Und der Fairness wegen muss man sagen, dass Google einfach ein paar Jahre Vorsprung hat.

Auf dem Sony Xperia T wirken die Satellitendaten insgesamt deutlich kräftiger, kontrastreicher und frischer. Auf dem iPhone 4S wirkt alles milchiger.

In der reinen Kartendarstellung (ohne Satellitenaufnahmen) blendet das iPhone 4S automatisch Restaurants und Sehenswürdigkeiten ein, sobald man nah genug heranzoomt. Beim Sony Xperia T passiert dies nicht automatisch.

Wichtig ist auch, dass beide Smartphones ihre Informationen aus verschiedenen Quellen beziehen. Das Sony Xperia T mit Google Maps benutzt die Google-Informationen, das iPhone 4S setzt auf Informationen von Yelp, ein in Deutschland nicht so weit verbreiteter Anbieter von Informationen zu Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Geschäften usw.

Sonstige Unterschiede/Besonderheiten

FunktionSony Xperia TiPhone 4s Datenroaming standardmäßig aus
(vermeidet hohe Roamingkosten) ja ja 3G (UMTS) und 2G (GSM) auswählbar
(hilfreich in Gebieten mit schlechtem 3G-Empfang) ja ja Ortsbezogenes WiFi ja nein Feste Rufnummernwahl
(nur eine Rufnummer wählbar; erfordert PIN 2 vom Betreiber) ja nein Near Field Communication (NFC) ja nein Einstellungen der Anrufumleitung per Menü abrufbar ja nein Anzeige des Akkuverbrauchs nach Funktion/App ja nein Echtes Multitasking ja nein Sync von Kontakten und Kalender Google-Mail-Adresse Apple ID (iCloud) Anzeige des verbrauchten Datenvolumens ja (nach App) ja (nur gesamt)

Etwas irritierend wirkt die Aufteilung in Startbildschirm und Bildschirme für alle Apps beim Sony Xperia T. Startet man das Sony Xperia T, so wird einem ein Bildschirm angezeigt, auf dem sich am unteren Rand die Symbole für Medien, Play Store, Apps, SMS/MMS und Telefon befinden; oben befinden sich mehrere Statuszeilen sowie Datum und Uhrzeit. Der Bereich dazwischen ist leer. Ich persönlich habe einige Zeit benötigt, um zu verstehen, dass dies der Startbildschirm ist, den ich durch Apps und Widgets selbst konfigurieren kann. Genau genommen ist es sogar nur der mittlere von fünf Teilen des Startbildschirms. Die verschiedenen Teile erreicht man durch Wischen mit dem Finger nach links oder rechts. Diese Philosophie unterscheidet sich deutlich von der von Apple. Beim iPhone 4s wird nicht zwischen einem sogenannten Startbildschirm und dem Bereich, in dem die Apps abgelegt sind, unterschieden. Es gibt nur verschiedene Bildschirme, auf die man seine Apps beliebig verteilen kann. Widgets fehlen komplett.

Bei den Touchscreens fällt auf, dass das iPhone 4S wesentlich besser und präziser auf die Eingaben mit dem Finger reagiert. Beim iPhone 4S löse ich trotz des kleineren Bildschirms zu nahezu 100 Prozent die gewünschte Funktion aus. Beim Sony Xperia T führt selbst ein genauer Treffer deutlich weniger zum Auslösen der gewünschten Funktion. Hier muss Sony noch nachbessern.

Generell ist die Benutzung des Touchscreens beim Sony Xperia T nicht so schlüssig wie beim iPhone 4S. Beim iPhone 4S führt jedes längere Drücken mit dem Finger auf eine App dazu, dass diese zu wackeln beginnt und dann gelöscht oder an jeden beliebigen Platz verschoben werden kann. Beim Sony Xperia T ist das Konzept völlig anders. Man muss unterscheiden, ob man auf dem sogenannten Startbildschirm ist oder im Programmordner, in dem alle Apps verwaltet werden. Befindet man sich auf dem Startbildschirm, so muss man länger auf die App drücken, wenn man eine Aktion auslösen will. Dann kann man sie auf dem Startbildschirm verschieben oder auf das Papierkorbsymbol zum Löschen ziehen. Ganz anders funktioniert es, wenn man sich im Programmordner befindet. Drückt man dort länger auf das Icon einer App, so wird der Startbildschirm eingeblendet und man kann die App dort platzieren. Will man eine App hingegen aus dem Programmordner löschen, d.h. deinstallieren, oder innerhalb des Programmordners verschieben, muss man auf das Symbol mit den 4 Quadraten am oberen Bildschirmrand drücken.

Fazit

Mein persönliches Fazit: Beide Smartphones liegen im alltäglichen Gebrauch ziemlich gleich auf. Telefonieren, im Internet surfen, mal schnell etwas in der Karten-App nachschlagen oder ein Foto schießen beherrschen sowohl das Sony Xperia T als auch das iPhone 4s.

Das Sony Xperia T hat ein paar Features, welche das iPhone 4s nicht aufweist und die ich gerne auch im iPhone 4s sähe. Aber keines dieser Features ist für mich so wichtig, dass es eindeutig für die Entscheidung zum Kauf des Sony Xperia T führen würde. Auch die NFC-Technologie ist für mich kein Kaufargument, da ich persönlich nicht mit meinem Handy bezahlen möchte. Außerdem ist mir das Sony Xperia T zu groß, um es mir an den Gürtel zu stecken. Da ist das iPhone 4S mit seinen kleineren Maßen einfach praktischer.

Wie sieht es bei einem Neueinsteiger aus, der sich zum ersten Mal ein Smartphone kauft? Wer gleich eine große Grundausstattung haben und ein absolut frei konfigurierbares Smartphone haben möchte, ist beim Sony Xperia T sehr gut aufgehoben. Wem es eher auf in sich konsistente und einfache Bedienbarkeit und Übersichtlichkeit ankommt, sollte sich besser ein iPhone zulegen.

Technische Daten

TechnikSony Xperia TiPhone 4s Prozessor 1,5 GHz-Qualcomm Krait MSM8260-A Dual-Core-Prozessor A5 (Eigenentwicklung Apple, 1 GHz, Dual-Core-Prozessor) Kapazität 16 GB interner Speicher, erweiterbar mit Micro-SD-Karte (max. Größe 32 GB) 16 GB (32 GB, 64 GB), nicht erweiterbar Gewicht 139 g 140 g WiFi 802.11 a/b/g/n?(2,4 und 5 GHz) 802.11 b/g/n?(nur 2,4 GHz) Bluetooth 3.1 4.0 Gesprächszeit (2G) bis zu 7 h bis zu 14 h Gesprächszeit (3G) bis zu 7 h bis zu 8 h Musik bis zu 16 h bis zu 40 h Video bis zu 5 h bis zu 10 h Internetnutzung k.A. bis zu 6 h (3G) / ?bis zu 9 h (WiFi) Kamera 13 Megapixel 8 Megapixel