Spotify, Deezer, Apple Music und Amazon Prime Music im großen Vergleich

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Spotify, Deezer, Apple Music und Amazon Prime Music im Vergleich
Spotify, Deezer, Apple Music und Amazon Prime Music im Vergleich(© 2015 CURVED)

Die Android-App für Apple Music ist endlich da, Amazon Prime Music ist gestartet. Ein guter Moment, um die beiden Neulinge mit den deutschen Platzhirschen Spotify und Deezer zu vergleichen.

Kein Name steht dieser Tage so für Musikstreaming wie Spotify. Mit Deezer gibt es einen oft zu Unrecht nicht beachteten Dienst, der sich in den vergangenen Jahren viele treue und zufriedene Nutzer erarbeitet hat. Apple hat Apple Music im Sommer 2015 gestartetAmazon Prime Music im Herbst vorgestellt. Beide wollen nicht nur neue Nutzer für sich gewinnen, sondern Spotify- und Deezer-Hörer abwerben. Ob sich ein Wechsel lohnt und welcher Dienst für wen am besten passt, erfahrt Ihr in diesem Vergleich.

Der Preis und andere harte Fakten

Mit Blick auf die Gesamtzahl der Songs und den Preis gibt es kaum Unterschiede. Bei Apple Music, Spotify und Deezer warten jeweils rund 30 Millionen Songs darauf, abgespielt zu werden, wobei es im Detail kleine Unterschiede bei den Katalogen gibt und die Wahl des besten Anbieters vom Musikgeschmack abhängt. Spotify und Deezer bieten jeweils eine Gratis-Version an. Bei Apple müsst Ihr 9,99 Euro pro Monat zahlen, genau so viel wie für die Premium-Angebote von Spotify und Deezer. Bei den kostenlosen Angeboten bekommt Ihr Werbung eingeblendet, könnt keine Songs zur Offline-Wiedergabe speichern, müsst mitunter auf einen Teil des Katalogs verzichten und bekommt die Musik in einer schlechteren Qualität ausgeliefert.

Amazon Prime Music ist ein Sonderfall: Zum einen verfügt der Dienst momentan nach Eigenangaben nur über mehr als eine Million Songs und ist zudem Teil des Prime-Pakets, zu dem auch der kostenlose Versand von Bestellungen und der Zugriff auf die Filme und Serien von Prime Instant Video gehört. Das Musikstreaming-Angebot des Online-Kaufhauses könnt Ihr nicht alleine buchen. Deswegen lässt sich sein Preis von jährlich 49 Euro für ein Prime-Abo auch nur bedingt mit den monatlichen 9,99 Euro der anderen Dienste vergleichen.

Für Familien haben Apple und Spotify besondere Angebote. Während bei Spotify jedes weitere Familienmitglied nur den halben Preis pro Monat zahlt, bekommen für 14,99 Euro im Monat bis zu sechs Familienmitglieder zugriff auf Apple Music. Alle vier Musikstreamingdienste könnt Ihr direkt über Euren Computer hören - und natürlich gibt es auch Apps für iOS und Android, auf denen hier unser Schwerpunkt liegt. Die Wiedergabemöglichkeiten über Smart TVs, Apple TV, Hifi-Systeme, Autoradios, die Playstation und TV Sticks bleiben an dieser Stelle außen vor.

Spotify: der Streaming-Gigant

Spotify war der erste gut zu nutzende Musikstreaming-Dienst und hat sich so ein große Nutzerzahl aufgebaut, von der andere Anbieter noch träumen. Seine zahlenden und auch nichtzahlenden Kunden erfreut das schwedische Unternehmen mit Playlisten, die nach Genres und Stimmungen sortiert sind und in der App auch passend zur Tageszeit vorgeschlagen werden: Musik zum Aufstehen am Morgen, konzentriertem Arbeiten am Nachmittag und zum Feiern am Freitagabend.

Chartlisten und Neuerscheinungen gibt es auch. Ebenso wenig wie ein "Entdecken"-Bereich, in dem Spotify Euch weitere Musik anhand der gehörten Alben, gefolgten Künstler oder für gut befundenen Songs vorschlägt. Mit Spannung erwarte ich jeden Montag "Dein Mix der Woche", in dem Spotify mir anhand der in der vergangen Woche gehörten Musik eine Playlist zusammenstellt. Da habe ich bisher die eine oder andere Perle entdeckt, vergessene Bands wiedergefunden, aber auch viel schreckliche Musik gehört. Wer beim Joggen Musik hört, wird sich über die Running-Funktion von Spotify freuen. Sie wählt aus verschiedenen Musikrichtungen Songs aus, die zur gewünschten BPM-Zahl passen. Praktisch finde ich darüber hinaus, dass ich in der App eine nahtlose Übergabe aktivieren und auswählen kann, wie lang der Zeitraum für den Crossfade zwischen zwei Songs ist.

Deezer: der Underdog

Das Angebot von Deezer ist ähnlich groß wie von Spotify. Direkt nach dem Start fragt die App meinen Musikgeschmack ab, hat dabei aber, wie eigentlich alle Dienste, für meine Vorlieben ein viel zu grobes Raster. Auf der Startseite schlägt sie mir Künstler vor, die mir gefallen könnten und wartet mit Playlisten auf, die zwar durchsuchbar, aber nicht so thematisch sortiert wie bei Spotify und Apple Music sind. Hinter Flow verbirgt sich ein Mix, der auf Künstlern, Genres und Songs, die ich als Favoriten markiert habe, basiert. Hier kann ich die laufenden Songs mit einem Herz zu meinen Favoriten hinzufügen oder aus der Wiedergabeliste kicken.

Falls es mal Unstimmigkeiten über den Inhalt eines Songtextes gibt, hilft Deezer weiter. Die App zeigt auf Wunsch die Texte an. Wie bei Spotify und Apple Music könnt Ihr einen Künstler-Mix starten, also eine Playlist oder Radiostation, die sich musikalisch am gewünschten Künstler orientiert. Darüber hinaus wartet Deezer noch mit sogenannten Mixen auf. Das sind keine schnöden Playlisten, sondern sorgfältig zusammengestellte Musik-Mixe, die musikalische oder andere thematische Gemeinsamkeiten haben.

Gut finde Ich, dass Ihr in der App festlegen könnt, wie viel Speicherplatz von Eurem Smartphone Deezer für die Offline-Wiedergabe von Songs benutzen darf. Weniger gut gefiel mir, dass die App mir nur einen Testzeitraum von 15 Tagen anbot, ich aber bei der Registrierung über den Browser "Deezer Premium+" 30 Tage lang kostenlos ausprobieren kann.

Apple Music: der Versuch, anders zu sein

Schon oft war Apple mit der Taktik erfolgreich, erst die Konkurrenz ihre Fehler machen zu lassen, um dann ein viel besseres Produkt auf den Markt zu bringen. Bei Apple Music ist das anders. Das Angebot des Musikstreamingdienstes ist groß, doch signifikante Unterschiede zur Konkurrenz konnte ich nicht entdecken. Ihr könnt Songs, Alben und Künstler mit einem Herz markieren und Eurer Musiksammlung hinzufügen. Darüber hinaus gibt es von nicht näher genannten Experten erstellte Playlisten sowie Vorschläge anhand der von Euch markierten und gehörten Songs.

Mit zwei Funktionen versucht Apple sich von der Konkurrenz abzuheben: Beats Radio und Connect. Bei Beats Radio handelt es sich um eine klassische Radio-Station, die der DJ und ehemalige BBC-Moderator Zane Lowe betreut. Ich selbst nutze Musikstreaming aber eigentlich gerne, um mich nicht von einem linearen Senderprogramm berieseln zu lassen. Connect ist dagegen ein soziales Netzwerk, über das Ihr Künstlern folgen könnt.

Amazon Prime Music: die Gratis-Zugabe

Für Amazon Prime Music braucht Ihr einen Amazon-Account. Der Dienst hat zwar das kleinste Angebot, ist aber vor allem bei aktueller Chart-Musik gut aufgestellt. Wenn Euch das reicht und Ihr schon Prime-Kunden seid, braucht Ihr keinen anderen Musikstreaming-Dienst. Wollt Ihr eine größere Auswahl, bleibt nur der Gang zur Konkurrenz.

Amazon fällt auch nicht gerade durch neue innovative Formate oder Funktionen auf. Es gibt nach Genres sortierte Radio-Stationen, nach Anlässen sortierte Playlisten sowie eine Übersicht der neuen und der beliebten Songs, Alben und Playlisten. Wer schon viel Musik bei Amazon gekauft hat, findet die Songs in der Musikbibliothek der App.

Fazit: große Konkurrenz, kleine Unterschiede

Möglichst objektiv zusammengefasst: Amazon Prime Music ist eine Zugabe für Prime-Kunden, aber keine Konkurrenz für die etablierten Musikstreamingdienste. Apple Music, Spotify und Deezer sind gleich teuer, haben ein großes Angebot und bieten die gleichen Basis-Funktionen inklusive der Erstellung eigener Playlisten. Hier geben Eure Vorlieben für die Optik der Dienste und Angebote, wie Spotify Running, Deezer Flow oder Beats Radio, den Ausschlag. Für Familien sind Spotify und vor allem Apple Music günstiger als Deezer.

Ich nutze Spotify privat und war im Sommer sehr von Apple Music begeistert. Diese Begeisterung ist in den Monaten bis zum Erscheinen der Android-App von Apple verloren gegangen. Für mich persönlich ist iTunes als Abspielprogramm von Apple Music auf dem Computer einer der Hauptgründe, bei Spotify zu bleiben. Ich muss allerdings gestehen, dass ich nach dem Vergleich auch von Deezer sehr angetan bin, wenn auch der Mehrwert für einen Wechsel fehlt.


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