Spotify und die Rechtefrage: So schwer kommt der Streaming-Dienst an Musik

Ein klassisches Aufnahmestudio, in dem eure neuen Lieblingssongs produziert werden.
Ein klassisches Aufnahmestudio, in dem eure neuen Lieblingssongs produziert werden.(© 2018 CC: Unplash/John Hult)

Spotify geht an die Börse, um potentielle Investoren zu überzeugen, legen die Schweden ihre Erfolgszahlen offen. Was aus diesen ersichtlich ist: Es ist verdammt schwer und ungeahnt kompliziert, an Musikrechte zu kommen. Hier ein paar spannende Zahlen und Beispiele.

159 Millionen aktive Nutzer zählt der Musik-Streaming-Dienst Spotify, circa 71 Millionen davon sind zahlende Kunden. Damit ist der schwedische Dienst der Platzhirsch auf dem weltweiten Markt. Doch welche Rechte braucht der Streaming-Riese um seine Heerschar an Hörern beliefern zu können? Das gestaltet sich ziemlich kompliziert. Damit wir euer Interesse nicht direkt verlieren, fangen wir mal mit einem Fun Fact an, der für Spotify sicherlich weniger Fun, als Fact ist:

Seit dem Launch in 2006 hat Spotify 9,76 Milliarden US-Dollar Abgaben an Künstler, Musik Lables und Verleger gezahlt. Zieht euch das mal rein!

Das Dilemma – erklärt an einem Song

Jetzt denken sich viele sicherlich: "Klar, das Geld geht halt an die Künstler". Ganz so simpel ist es aber nicht. Nicht nur der Interpret des Songs will Geld sehen: Auch der Inhaber der Aufnahme, der Komponist sowie der Musikverlag möchte volle Taschen. Wie also läuft das ab?

Damit ihr das besser versteht (und wir auch) erklären wir das am Beispiel eines Songs, bei dem wohl schon jeder mit Liebeskummer irgendwo verheult in der Ecke lag: "I Will Always Love You" von Whitney Houston. Der melancholische Titelsong des Films "The Bodyguard" aus dem Jahre 1992 wird zwar von der verstorbenen Soul-Diva Whitney Houston gesungen, geschrieben und komponiert wurde er allerdings von Dolly Parton. Sie hat die Rechte an dem Text und der Melodie. Gehören wiederum tut der Song allerdings Sony Music Entertainment, beziehungsweise dessen Sparte "Arista Records".

Möchte Spotify diesen Song erwerben, muss die Aufnahmelizenz bei Sony erworben werden, welche wiederum einen Teil davon an Whitney Houstons Nachlass weitergeben muss. Bleibt noch die Auszahlung an den Schreiberling des Songs und die an den Komponisten – in diesem Fall ist Dolly Parton beides, in anderen Fällen sind es mehrere.

Aufatmen, Leute: Obwohl es so kompliziert ist, gibt es den Song trotzdem auf Spotify und er wartet nur darauf von euch wiederentdeckt zu werden, wenn euch das nächste Mal jemand das Herz aus den Angeln reißt. Dennoch hier noch mal zur Veranschaulichung:

Etliche Arten von Lizenzen warten nur darauf erworben zu werden

Bleiben wir mal bei "I Will Always Love You". Um den Song ins Sortiment aufnehmen zu können, muss Spotify zunächst einmal zweierlei Rechte erwerben: "Sound Recording License agreements" erwerben die Rechte für eine bestimmte Aufnahme und "Musical Composition License Agreements", die Lizenz bei den Menschen, die über die Rechte am Song verfügen.

Doch was wäre bürokratischer Heckmeck, wenn es zu Lizenzen, die man erwerben muss nicht noch untergeordnete Lizenzen gibt, die ebenfalls erworben werden wollen? Wir dröseln das mal im Rahmen unserer juristischen Möglichkeiten auf:

Zu den eben erwähnten "Composition licenses" gibt es noch zwei Unterkategorien an Lizenzen, die sich Spotify sichern muss: die "Performance rights" und die "mechanical royalties".

Die "Performance rights" werden generell an den Verleger des Songs gezahlt und von zwei US-Amerikanischen Firmen verwaltet: BMI und ASCAP. Diese Art der Lizenz wird benötigt, wenn ein Song in der Öffentlichkeit gespielt wird – das ist der Fall, wenn er im Radio oder Fernsehen läuft, aber auch wenn er gestreamt wird.

"Mechanical royalties" werden an den Schreiber des Songs ausgezahlt, wenn der Song vervielfältigt wird – das ist der Fall, wenn er zum Beispiel auf CD gebrannt wird, aber auch wenn er als Stream verfügbar wird. Der Begriff "Mechanical royalties" stammt derweil aus einer lang vergessenen Zeit, in der es noch kein Streaming gab und in der Menschen tatsächlich auf Schallplatten, Kassetten oder CDs angewiesen waren.

Damit das Ganze noch deutlich komplizierter wird als es ohnehin schon ist, ist die Gesetzeslage rund um den Globus natürlich nicht dieselbe. Was bei uns die GEMA erledigt, obliegt in anderen Ländern anderen Gruppen und Institutionen und den dortigen Gesetzen.

Schön, dass Spotify auch Lizenzen bei Indie-Lables hat.(© 2018 Pixabay/StockSnap)

Und weil es so kompliziert ist, klappt es nicht immer – das zeigt ein teurer Rechtsstreit

Für die Rechte an den Aufnahmen hat Spotify einen Deal mit den drei großen Musik Lables: Universal Music Group, Sony Musik Entertainment Group und Warner Music Group. Sony Music besitzt übrigens 5,7 Prozent von Spotify und könnte somit beim Börsengang ordentlich abräumen. Spotify hat zudem einen Deal mit dem Independent Network "Merlin" und sichert sich so Lizenzen für Independent Lables.

Doch wie toll das alles auch zu klappen scheint: Spotify schlägt sich auch mit einer Menge Problemen herum, zum Beispiel einem 1,6 Milliarden US-Dollar schweren Rechtstreit mit Wixen Music Publishing, welche dem Streaming-Dienst vorwerfen tausende (!) Songs illegal zum Streaming bereitgestellt zu haben. Darunter fallen Songs wie der Evergreen "Free Falling" von Tom Petty (ihr könnt sicher alle mitsingen), "Light my Fire" von The Doors (ja, auch hier) sowie einige Aufnahmen von Stevie Nicks. Bleibt abzuwarten, wie das ausgeht, wir stimmen auf jeden Fall schon mal mit "Free Falling" ein.

Noch mehr zu Spotify gefällig?

Wir hoffen, wir konnten euch ein klein wenig aufschlauen. Wenn ihr noch mehr zu Spotify lesen möchtet, haben wir noch den ein oder anderen Artikel für euch auf Lager. Wer gerne weiter über Rechte und Arbeitsweisen des Unternehmens erfahren möchte, liest hier wie Spotify an neue Interpreten und Songs kommt. Allen, denen der Kopf raucht, empfehlen wir unsere 10 liebsten Hörbücher auf Spotify.


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