Staatstrojaner: Chaos Computer Club findet staatliche Spionagesoftware

Für mächtig viel Aufsehen sorgte in den letzten Tagen ein Trojaner, den der Chaos Computer Club (CCC) entdeckt hatte und der allem Anschein nach schon von deutschen Behörend eingesetzt wurde. Innenministerium und Justizministerium weisen die Vorwürfe von sich und fordern, bei der Suche nach den Tätern auf Landesebene anzusetzen.

Drei Jahre ist das Spähprogramm neuesten Medienberichten zufolge schon alt. Der Chaos Computer Club hat nach eigenen Aussagen mehrere Anhaltspunkte dafür, dass das Programm auch eingesetzt wurde, und zwar von Landesbehörden. Ein Sprecher von Innenminister Hans-Peter Friedrich erklärte, dass die Software zu keinem Zeitpunkt von einer Bundesbehörde eingesetzt worden war.

Wolfgang Bosbach, der Vorsitzende des Innenausschusses im Bundestag gab an, dass eine vergleichbare Software einigen Ausschussmitgliedern vorgeführt worden war, man sich aber recht schnell einig gewesen sei, dass man dieses Programm nicht anschaffen werde. Er forderte nun den CCC auf, dass die Vorwürfe belegt werden müssen.

Der Trojaner ist eigentlich zum Abhören von Internet-Telefonaten beispielsweise über Skype gedacht. Doch er kann noch viel mehr: Das Schadprogramm hat Zugriff auf Mikrofon, Kamera und Tastatur des infizierten Computers. Und damit ist der zumindest am Rande der Legalität, wenn nicht sogar gänzlich illegal. Denn in einem Urteil aus dem Jahr 2008 hat das Bundesverfassungsgericht Online-Durchsuchungen sehr stark eingegrenzt.

Der Trojaner kann den Nutzer eines PCs nicht nur ausspionieren, sondern auch unbemerkt weitere Schadsoftware nachladen oder die bestehende aktualisieren. Wie nun ebenfalls bekannt wurde, schafft er auch eine Schwachstelle für andere Angreifer, die sich so Zugang zu einem infizierten PC verschaffen können.