Studien zeigen, wie ungesund Fitness-Influencer auf Instagram sein können

Sixpack und Muskelberge das neue Schönheitsideal. Aber genauso wenig, wie in den 90ern jeder Model werden musste, muss hier jeder mithalten...
Sixpack und Muskelberge das neue Schönheitsideal. Aber genauso wenig, wie in den 90ern jeder Model werden musste, muss hier jeder mithalten...(© 2018 Shutterstock / Merla)

Wer sich regelmäßig durch die Fitness-Feeds auf Instagram und Co. scrollt, tut sich nicht unbedingt etwas Gutes, sondern kann unter Umständen seiner Gesundheit schaden – wie aktuelle Studien zeigen. Das gilt vor allem für junge Frauen, die aufgrund vermeintlicher "Fitspiration" ein negatives Selbstwertgefühl entwickeln.

Muskeln statt Knochen: Wohin man auch schaut, – ob im TV, in der Werbung, in Magazinen oder Social Media – hat sich der starke Frauenkörper als das neue Schönheitsideal durchgesetzt. Frauen eifern keinen klapprigen Modelmaßen mehr nach, sondern stemmen Gewichte, damit der Bauch nicht nur flach ist, sondern auch ein Sixpack freilegt. Keine will mehr einfach nur dünn sein, sondern schlank und durchtrainiert – von starken Armen und Schultern über einen entzückenden Rücken bis hin zu einem straffen Apfel-Po und definierten Beinen. Vorbilder und Anleitungen liefern vor allem die selbsternannten Fitnessblogger auf Instagram und Co.

Schmaler Grat zwischen Nutzen und Schaden der sogenannten "Fitspiration"

Tatsächlich ist der Grat zwischen Nutzen und Schaden der sogenannten "Fitspiration" in sozialen Medien aber schmal. Dies hat nun die Griffith University mit einer aktuellen Studie belegt: Demzufolge können schon wenige Posts solcher vermeintlichen Körperidole negativ auf das Selbstwertgefühl und die Gesundheit junger Frauen auswirken. Material gibt es reichlich: 49 Millionen "Fitspiration"-Bilder hat die Studie allein auf Instagram gezählt. Gemeint sind Fotos oder Selfies von schlanken aber durchtrainierten Fitness-Bloggerinnen und -Bloggern, die ihren perfekt trainierten Körper in Kombination mit motivierenden Sprüchen zur Schau stellen.

Im Rahmen der Studie der Griffith University wurden die Reaktionen auf derartige Instagram-Posts von rund 350 Konsumentinnen  zwischen 17 und 30 Jahren untersucht. Die Leiterin der wissenschaftlichen Untersuchung, Laura Uhlmann, fasst zusammen:

"Diesen Fitnessidealen zu folgen, kann die Gesundheit von Frauen gefährden."

Schon 30 Minuten Scrollen auf Instagram begünstigen Minderwertigkeitskomplexe

Demnach seien vor allem junge Frauen nach dem Konsum solcher Beiträge weniger zufrieden mit dem eigenen Körper und viele setzten sich ebenfalls eine radikale Körpertransformation durch exzessiven Sport und Diäten als Ziel. Zwar wünschen sich auch viele jungen Männer eine aufgepumpte Brust und einen dicken Bizeps, aber ihr Selbstwertgefühl gerät durch solche vermeintliche Fitness-Vorbilder nicht so stark ins Wanken. Zu diesen Erkenntnissen kommen auch Untersuchungen der Macquarie University sowie der University of New South Wales: Bereits 30 Minuten Scrollen durch die Fitness-Feeds auf Instagram reiche aus, damit Nutzerinnen zwischen 18 und 25 Jahren eine negative Körperwahrnehmung verinnerlichen. Für diese Untersuchung wurden ebenfalls 350 junge Frauen befragt.

Blogger haben eine gewisse Verantwortung – Konsumenten aber auch

So gut der Fitness-Hype in den sozialen Medien auch zu einem gesünderen Lebensstil inspirieren kann, genauso leicht können sich vor allem junge, unsichere Frauen  darin verlieren und eine gefährliche Obsession um den neuen Körperkult entwickeln, resümiert die Wissenschaft. Fitness-Influencern mit Millionen Followern auf Instagram – wie Sophia Thiel, Kayla Itsiness und Emily Skye, um nur einige zu nennen – haben eine gewisse Verantwortung, ähnlich wie die Model-Casting-Shows seinerzeit.

Für Konsumenten ist es gesünder, ab und an mal eine Insta-Pause einzulegen oder sich öfter mal mit Body Positifity oder Bloggern zu befassen, die selbstkritisch und authentisch genug sind und nicht nur um ihren durchtrainierten Körper kreisen: Wie wäre es zum Beispiel mit Yoga oder Meditation, Ernährung mit Genuss, Spaß auch außerhalb von Sport, Reisen, Inneneinrichtung oder Do-It-Yourself-Ideen – um mal auf ein paar weitere Trends einzugehen, die weniger "Nebenwirkungen" haben.

Und ganz ehrlich: So viel Anerkennung einige Männer extrem durchtrainierten Frauen auch zukommen lassen: Am Ende wollen wohl die wenigstens eine Bodybuilderin zur Freundin haben, die stärker aussieht als sie selbst. Ist doch auch anstrengend, oder?


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