Tablet-Ausblick 2015: Groß, günstig oder für die Nische

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Was erwartet uns 2015 in Sachen Tablets?
Was erwartet uns 2015 in Sachen Tablets?(© 2014 CURVED)

Für Smartphones und Phablets wird das kommende Jahr ein aufregendes werden, so viel ist sicher. Was aber ist mit den Tablets? Der einst so gefeierten Gerätesparte scheint der Untergang oder zumindest eine Existenz in der Nische zu drohen. Was wird 2015 uns in Sachen Tablets bringen: einen stillen Abschied oder möglicherweise neue Einsatzbereiche?

Nun ist es keineswegs so, dass in den kommenden Monaten keine nennenswerten Tablet-Neuerscheinungen ins Haus stehen, die Hersteller haben den Markt längst noch nicht aufgegeben. Spannend wird viel mehr zu beobachten sein, was für Geräte das sind, welchen Mehrwert sie gegenüber immer größeren Smartphones und Phablets bieten und welche Alleinstellungsmerkmale sie besitzen. Beginnen wir unseren Ausblick also mit den zu erwartenden Modell-Highlights.

iPad Pro, Samsung Note Pro und ein neues Shield Tablet?

Eines der wenigen für 2015 ziemlich sicher gesetzten Top-Tablets ist Apples iPad Pro oder iPad Air Plus — und die letzten Gerüchte dazu spiegeln die Tablet-Trendwende akkurat wider: So wird es sich beim Pro um ein 12 oder gar 13 Zoll großes Gerät handeln, das mit Stereo-Lautsprechern ausgerüstet ist und das iPad mini aus dem Portfolio werfen soll. Letzteres machte zuletzt vor allem aufgrund des nicht viel kleineren iPhone 6 Plus wenig Sinn. Wir erwarten das große iPad im frühestens zum Ende des Frühjahrs 2015.

So könnte ein iPad Pro aussehen(© 2014 CURVED)

Böse Zungen könnten nun behaupten, dass wo Apple ein Produkt vorstellt, Samsung mit einem ähnlichen Gerät nicht lange auf sich warten lässt — tatsächlich werden wohl auch die Koreaner, die sich in diesem Jahr mit dem Galaxy Tab S in nur zwei Display-Varianten auf dem Tablet-Sektor erstaunlich zurückgehalten haben, mit dem Note Pro 12.2 ein ebenfalls sehr großes Tablet schon früh im Jahr vorstellen.

Auch von HTC hören wir, dass nach langen Jahren wieder ein Tablet geplant sei, zuletzt zeichneten die Taiwaner für Googles Nexus 9 verantwortlich — gut möglich ist 2015 also ein ähnliches, zwischen 8 und 10 Zoll großes Modell unter dem HTC-Label.

Große Tablets, die viel Arbeitsfläche und Raum für Medienkonsum auf Kosten der Mobilität bieten, scheinen für die Hersteller also ein Weg zu sein, der bedrohten Geräte-Sparte neues Leben einzuhauchen. Einen anderen Weg hat Nvidia 2014 mit dem Shield Tablet bestritten. Es ist davon auszugehen, dass die Grafikspezialisten diesen auch im kommenden Jahr weiter beschreiten werden — münden könnte und sollte das in einem Shield Tablet 2. Zu diesem gibt es derzeit allerdings noch keinerlei Informationen.

Und dann war da ja noch das Jolla-Tablet: Nach äußerst erfolgreicher Finanzierung über die Crowdfunding-Plattform Indiegogo soll die selbsterklärte iPad-Alternative mit Open-Source-Betriebssystem Sailfish OS 2.0 (die dabei aber kompatibel mit Android-Apps ist) und 8 Zoll-Display ab Mai 2015 für etwas über 200 Euro ausgeliefert werden.

Groß, günstig oder für die Nische

Drei Dinge werden aus diesen exemplarisch genannten 2015er-Tablet deutlich: Durch große Smartphones und Phablets zusehend unter Druck geraten, scheinen kompakte 7 Zoll-Geräte à la iPad mini oder Nexus 7 nur noch bedingt wettbewerbsfähig zu sein — wenn sie nicht wenigstens einen exklusiven Mehrwert bieten.

8 Zoll oder deutlich mehr müssen es im kommenden Jahr schon sein. Und da der erweiterte Mobilitätsgedanke beim Tablet für den Nutzer inzwischen offenbar keinen allzu große Stellung mehr einnimmt oder dieses Bedürfnis von den Phablets gedeckt wird, könnten "Wohnzimmer-Geräte", die viel Screen bieten und dabei aber dennoch bequem und vielseitig auf der Couch, im Bett oder auch beim Kochen verwendet werden, ein sinnvoller Weg für die Sparte sein. Oder eben wie Lenovo es zuletzt mit dem Yoga Tablet 2 Pro vorgemacht hat: ein multifunktionales Gerät mit sinnvoll implementiertem Zusatzfeature.

Niedrige Preise können zuweilen eine sinnvolle Maßnahme sein, um stagnierenden Verkäufen entgegenzuwirken — allerdings fahren viele Tablet-Hersteller und Zulieferer schon jetzt Verluste ein. So zum Beispiel Intel: Der Chiphersteller machte durch seine Subventionierungen in diesem Bereich 2014 ein ordentliches Minusgeschäft und hat bereits angekündigt, im kommenden Jahr ein anderes Programm zu fahren. Wenigstens aus dieser Richtung sind günstige Tablets mit Intel-Chips, wie wir sie jüngst beispielsweise in Form von ASUS' MeMO Pad ME572 gesehen haben, also nicht unbedingt zu erwarten.

Diese Lücke könnten natürlich die erstarkenden chinesischen Hersteller, allen voran Xiaomi schließen: Mit dem MiPad hatten wir 2014 bereits einen gelungenen Debütanten aus dem Reich der Mitte für umgerechnet sehr attraktive 175 Euro zu Besuch in der Redaktion; für 2015 rechnen wir mit mindestens einem nicht minder beeindruckenden Tablet von Xiaomi zum kleinen Preis. Oder eben von Jolla und anderen Underdogs.

Einen ganz anderes Tor in eine mögliche Tablet-Zukunft hat Nvidia in diesem Jahr aufgestoßen: Ausgehend davon, dass mobile Prozessoren und vor allem die verbauten Grafikeinheiten immer potenter und mobile Spiele immer aufwändiger und anspruchsvoller werden, könnten Tablets zu einer Alternative, später gar Ablöse für stationäre und mehr noch für mobile Konsolen vom Schlage der PS Vita oder des Nintendo DS avancieren. Da aber auch Smartphones mit diesen Chipsätzen ausgestattet sind, auf ihnen die gleichen Apps und Spiele installiert werden können und sie somit theoretisch ebenso als derartige Plattform taugen würden, sind Extras gefragt: Der große Screen, auf dem sich trefflich spielen lässt, ist gegeben — will aber auch effektiv genutzt werden. Neben immer zahlreicheren Mobile-Titeln, die viel Display-Raum fordern, sind hier Angebote wie Nvidias GRID-Service durchaus sinnvoll und schaffen Anreize, zum dedizierten Gaming-Tablet zu greifen, HDMI-Ausgang, Stereo-Lautsprecher, integrierte Aufzeichnungssoftware und optionale, angepasste Gaming-Controller sollten das Angebot an Spielen komplettieren.

Und dann gibt es ja noch die Microsoft-Lösung: Das Tablet selbst als Zusatzfeature, als quasi abnehmbares Display eines Ultrabooks. Mit seiner Surface-Reihe und zusammen mit einem hoffentlich endlich stimmigen Windows 10 könnte Redmond durch den Wegfall der Entscheidung zwischen Laptop und Tablet der vom Aussterben bedrohten Art einen neuen Platz an der Technik-Sonne bescheren. Ganz ehrlich: Dieses Konzept scheint für uns derzeit am meisten Sinn zu ergeben.

Mehr — aber nicht nur Display

Es mag verwundern, aber die größere Bildschirmfläche, die Tablets bei sonst oft gleicher Hardware bieten, scheint nicht ausgereicht zu haben, um die Geräteklasse erfolgreich als dritte Größe zwischen Smartphone und PC beziehungsweise Laptop zu etablieren.

Es bleibt die schwere Aufgabe mit exklusiven Mehrwerten, diejenigen Interessenten zu begeistern, die ihre Bedürfnisse weder im Smartphone noch im Laptop befriedigt finden. Das bedeutet gleichzeitig aber auch, dass das Tablet als Mainstream-Produkt abgeschrieben werden muss: Es mag irgendwie cool sein und uns einst an die Zukunft erinnert haben — aber es ist offensichtlich kein Gerät für jedermann. Vor allem keines, das jedermann dringend braucht.

Tot ist das Tablet damit noch lange nicht. Wir und vor allem die Hersteller müssen sich nur damit abfinden und darauf einstellen, dass es ein Stück High-Tech für die Nische ist und sich auf dem Massenmarkt maximal als Bonus wird platzieren können.

Wie seht Ihr das — haben Tablets als Allerweltsprodukt versagt? Und falls ja, woran liegt das? Oder sollte jeder ein Tablet besitzen und ist es bislang lediglich nicht gelungen, die Geräte attraktiv genug zu machen? Wir freuen uns auf Eure Analysen in den Kommentaren.


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