Taxi-Aufstand gegen Wundercar, Uber, Lyft und Co

Start-Ups wie Uber, Wundercar und Lyft mischen das Taxi-Gewerbe auf und ziehen den Unmut der Fahrer auf sich.
Start-Ups wie Uber, Wundercar und Lyft mischen das Taxi-Gewerbe auf und ziehen den Unmut der Fahrer auf sich.(© 2014 CC: Flickr/Doerky)

Start-Ups wie Wundercar, Uber oder Lyft wollen Fahrgäste und Fahrer jenseits des Taxi-Gewerbes zusammenbringen und erfreuen sich bei Nutzern und Investoren großer Beliebtheit. Taxi-Fahrer und Behörden sind von den Apps weniger erfreut – so kommt es immer wieder zu Verboten und Protesten. Wie heute. 

Taxi-Fahrer in ganz Europa gehen oder besser fahren aus Protest gegen die Online-Vermittlungsdienste auf den Straßen großer Städte. Allein in Berlin beteiligten sich am heutigen 11. Juni 2014 bis zu 1000 Taxis an einer Protest-Fahrt , in Hamburg waren es 200 Autos. Europaweit beteiligten sich in Paris, Madrid, Mailand oder London über 10.000 Chauffeure an den Demonstrationen.

In der britischen Hauptstadt rückten die Fahrer unter dem Hashtag #Ubergeddon den Diensten auch zeitgemäß in sozialen Netzwerken auf die Pelle. Ihre Wut richtet sich dagegen, dass die Apps - anders als zum Beispiel MyTaxi - Fahrten außerhalb der bestehenden Taxi-Regeln vermitteln. Als Nutzer freut man sich über eine größere Auswahl an fahrbaren Untersätzen und kommt durchaus, aber nicht zwangsläufig, günstiger davon als mit dem festgeschriebenen Taxi-Tarif.

Neue Dienste lassen viele Fragen offen

Allerdings sind auch noch viele Fragen für die Vermittlungs-Apps offen. Zwar können Fahrgäste ihre Fahrer bewerten, aber eine Ausbildung oder Prüfung wie für Taxifahrer ist nicht vorgesehen. Zudem fehlt eine unabhängige Aufsichtsbehörde – die Start-Ups fungieren als nicht wirklich neutrale Schiedsstelle. Darüber hinaus dürfte bei fehlenden Personenbeförderungsscheinen keine Versicherung freiwillig die Haftung im Schadensfall übernehmen. Und dann wacht auch noch das Finanzamt darüber, dass die Fahrer alle Einnahmen korrekt versteuern.

Wundercar sieht sich eher als Vermittler von Mitfahrgelegenheiten denn als Taxi-Unternehmen.

Wundercar sieht sich zwar selber eher als Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten, was die Hamburger Wirtschaftsbehörde aber nicht daran hinderte, den Dienst in der Hansestadt zu verbieten, da die App eine kommerzielle Personenbeförderung anbiete, die genehmigungspflichtig sei. Und genau diese Erlaubnis könne keiner der 120 in der Stadt registrierten Fahrer vorweisen.

In Berlin klagte bereits im Frühjahr ein Taxi-Fahrer erfolgreich gegen Uber, dessen Fahrer nicht auf der Straße auf neue Fahrgäste warten dürften, sondern nach jeder Tour zu ihrer Basis zurückkehren müssen. Dem Limousinendienst wurde darüber hinaus in Brüssel der Dienst untersagt, und in Paris zerstörten aufgebrachte Taxifahrer bei Protesten vor einigen Monaten das Auto eines Uber-Chauffeurs.

1,2 Milliarden frisches Kapital für Uber

Zumindest Investoren glauben an eine große Zukunft für die Ridesharing-Apps. Uber sammelte erst Anfang Juni bei einer Finanzierungsrunde 1,2 Milliarden US-Dollar neues Wagniskapital ein und ist damit schon rund 17 Milliarden Dollar wert. Uber vermittelt Fahrgäste an Chauffeure, die deutlich professioneller auftreten als bei Wundercar. In London hat der US-Anbieter pünktlich zu den Protesten mit UberTAXI einen neuen Dienst gestartet, der genau auf die strengen Vorschriften für die Fahrer der Black Cabs zugeschnitten ist.

Uber setzt auf Profifahrer, die außerhalb der örtlichen Taxi-Regeln fahren

Aber auch in ihrer Heimat werden die Bedingungen für Uber und Lyft schwerer. Die California Public Utilities Commission will durchsetzen, dass die Fahrer bei den Ridesharing-Diensten die Versicherungssumme für Unfälle von 50.000 Dollar auf eine Million Dollar erhöhen müssen. Bereits im letzten Jahr führte Kalifornien als erster US-Staat Regeln für die Start-Ups oder genauer die Fahrer ein, die durchaus mit den hiesigen Taxi-Vorschriften vergleichbar sind. Hierzu gehören die Überprüfung des Führungszeugnisses, ein Trainingsprogramm und eine Null-Toleranz-Politik im Bezug auf Drogen und Alkohol hinter dem Steuer.


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