Teslas Model 3 und Apples iPhone haben viel mehr gemeinsam, als man denkt

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Reduziert aufs Wesentliche: das Cockpit im Tesla 3
Reduziert aufs Wesentliche: das Cockpit im Tesla 3(© 2017 Tesla)

Bevor Ihr jetzt denkt "Der Felix ist komplett verrückt geworden": Werft einmal einen genauen Blick auf das Cockpit des Tesla 3. Nun stellt Euch daneben das Cockpit Eures Autos vor, überladen mit Reglern und Knöpfen. Und nun erinnert Euch an die Präsentation des ersten iPhones – in einer Zeit, in der Handys ähnlich überladen waren wie es Autos heutzutage sind. Vielleicht versteht Ihr langsam, worauf ich hinaus will...

Der Tesla 3 ist das Hype-Produkt dieser Tage. Wer sich für Autos interessiert, der will ihn. Wer sich für Technologie interessiert, will ihn. Tesla selbst ist schon längst Kult. Fans weltweit feiern die Marke. Mit dem neuesten Wurf scheint der Hype um Tesla aber neue Dimensionen anzunehmen. Der Grund ist schnell gefunden: CEO Elon Musk reduziert die Komplexität moderner Autotechnologie – abgesehen vom Aspekt des autonomen Fahrens.

Warum hat das bisher keiner gemacht?

Während die etablierten Automobilhersteller bestehende Bedienelemente in ihren Modellen mit immer mehr Funktionen überfrachten, verzichtet man beim Tesla 3 auf all das und konzentriert die Bedienung auf ein Display in der Mitte. Einen randlosen, 15 Zoll großen Bildschirm. Das schaut nicht nur unfassbar clean und cool aus, sondern lässt auch die Frage aufkommen: Warum hat das bisher keiner gemacht?

Genau diese Frage hatte ich mir auch 2007 gestellt, nachdem Apple-Gründer Steve Jobs das allererste iPhone präsentiert hatte. Statt einer physischen Tastatur verbaute man nur noch einen Button. Nicht nur reduzierte der Konzern aus Cupertino durch drastisches Um- und Neudenken die Komplexität bestehender Systeme.  Man spürte auch damals schon: Das ist so disruptiv, dass es die Macht hat, zu revolutionieren.

Apple war Jobs, und Tesla ist Musk

Möglich macht das auch ein CEO, dessen Vision die Menschen offenbar für glaubwürdig erachten. Jobs war Apple, Apple war Jobs. Und auch Elon Musk ist mit der Marke Tesla verwachsen, wie man es von kaum einem anderen Firmenlenker dieser Tage behaupten kann. Gemessen an den Verkaufszahlen von Volkswagen, General Motors oder Fiat ist Tesla ein kleines Licht. Doch es wirkt so, als treibe Musk die Branche mühelos vor sich her. Während sich die deutschen Autobauer gerade mit dem Dieselgate abmühen, steht mit dem Tesla 3 das Elektroauto für Jedermann in den Startlöchern. Und plötzlich wirkt das Altbekannte wie aus der Zeit gefallen. So ging es mir, als ich die ersten Werbespots zum iPhone sah und dabei auf mein Nokia N95 sah.

Hochtechnologie wird bezahlbar(er)

Apple und die Elektroautomarke verbindet aber nicht nur die Abneigung gegen Buttons und eine Vorliebe für puristisches Design. Es ist auch die Idee, Hochtechnologie bezahlbar zu machen für die Massen. Bevor jetzt die ersten Leser auf die Barrikaden gehen: Ja, das iPhone ist nicht billig. Aber gemessen daran, dass Apple zu seiner Zeit quasi einen Apple-Computer für die Hosentasche auf den Markt brachte und keine vierstellige Summe aufrief, war das Smartphone genau das: bezahlbar(er). Dass es so auch ein Produkt für die Massen wurde, das belegen seit Jahren die immensen Verkaufszahlen. Freilich ist es nicht das günstigste oder gar vielseitigste Smartphone. Aber das ist der Tesla 3 auch nicht. Es ist weder das günstigste, noch das praktischste Automobil. Dafür bekommt der Käufer aber bahnbrechende Technologien, die es in der Form bei keinem anderen Hersteller gibt, wie etwa einen Autopilot.

Opfer des frühen Erfolges

Und so ereilt Tesla auch das Schicksal, das einst Apple ereilte: Die Nachfrage ist so viel höher als das Angebot. Oder wie Musk es auf der Keynote zum Tesla 3 formulierte: "Willkommen in der Produktionshölle." Weil nicht nur der Technologieverbund neuartig ist, sondern dafür auch komplette neue Produktionsabläufe erdacht, aufgesetzt und massenfertigungstauglich gemacht werden müssen, kann der Hersteller zum Start nur geringe Stückzahlen ausliefern. Vielen Vorbestellern missfällt das. So war das über Jahre auch bei Apple. Dass der Konzern aus Cupertino schon mit vielen Monaten Vorlauf Abermillionen von Geräten produzieren lässt und damit anderen Herstellern mitunter die Hardware weggkauft, passiert so erst seit wenigen Jahren.

Over-the-Air-Updates

Worum ich Tesla-Fahrer außerdem beneide, ist die Software in ihren Autos. Genauer: die Art und Weise, wie der Hersteller mit der Software verfährt. Wenn beim 1er-BMW ein Update bekommt, dann über einen USB-Anschluss. Auch handelt es sich dann maximal um ein Kartenupdate für die Navigation. Tesla hingegen entwickelt das Betriebssystem seiner Autos konsequent weiter. Das Autopilot-Feature etwa war ein Software-Update. Und wie Apple konzentriert sich Tesla auf die Bedienung auf einem Display. Die Ingenieure stehen nicht vor der Herausforderung, Programme zu entwickeln und sie auf unterschiedlichste Interface anzupassen. Gleichzeitig ist die Herausforderung umso größer, all die bekannten Bedienelemente in einem Auto über die Software und nur ein Display bedienbar zu machen.

Interieur des Tesla Model 3(© 2017 Tesla)

Eine Branche wird revolutioniert

So macht Tesla in so vielen Bereichen so viel grundlegend anders. Genau wie Apple einst mit dem iPhone. Die Tatsache, dass uns das kaum noch auffällt, liegt schlicht und ergreifend daran, dass so viele einstige Innovationen nun längst Standard sind – wie Multitouch-Displays, mobile Browser oder Apps. Unvorstellbar, wie wir ohne sie heutzutage mobil kommunizieren können. Und auch wenn Apple nicht die Welt verändert hat, so hat das iPhone doch grundlegend die Art und Weise verändert, wie wir mobil kommunizieren, arbeiten oder Medien konsumieren.

Wird auch Tesla die Art und Weise revolutionieren, wie wir mit dem Auto unterwegs sein werden. Hält Musk seine Versprechen, gelingt die Serienproduktion des Tesla 3 und treibt der Autobauer die Innovation weiter voran, dann hat Tesla das Zeug dazu. Nicht als alleiniger Autobauer. Aber wenn das Unternehmen das Momentum nutzt, wird der Erfolg die gesamte Autobranche zum Umdenken bewegen. Radikaler, als es bislang der Fall war. Genauso lief es damals auch, als die Etablierten den Erfolg des iPhones anzweifelten und das schnell bereuten. Bleibt nur zu hoffen, dass in den Chefetagen der Autobauer kein Manager vom Schlage eines Steve Ballmers sitzt.

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