The next episode: Warum Apple Beats und Dr. Dre braucht

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Beats-Gründer Dr. Dre: Wie passt der Gangster-Rapper zu Apple?
Beats-Gründer Dr. Dre: Wie passt der Gangster-Rapper zu Apple?(© 2014 CC: Flickr/Alex Krafcik)

Auch wenn die offizielle Bestätigung noch ausbleibt: Der Deal ist durch, die Messe gesungen, der Hip-Hop hat seinen ersten Milliardär. Dr. Dre, Mitgründer von Beats Music hat seine Ankündigung wahrgemacht. Noch vor einigen Jahren wollte er seine Kopfhörer-Firma zum “Apple der Kopfhörer” machen. Jetzt erleben wir geniale Realsatire: Apple kauft sehr, sehr, sehr wahrscheinlich die Kopfhörer-Schmiede.

Für spekulierte 3,1 Milliarden Dollar ein kurioses Geschäft. Zumal Apple dafür bekannt ist, viel Wert auf gutes Audiozubehör zu legen. Die beigelegten Kopfhörer für iPhone und iPad können sich sehen und hören lassen. Doch Apple - wenn der Deal denn steht - kauft nicht nur eine Kopfhörer für verdammt viel Geld. Der Konzern würde Know-how kaufen in einer Branche, in der sich Apple bisher zwar nicht die Hände verbrannt hat - aber sich bis dato auch nicht mit Ruhm bekleckert hat: Musikstreaming.

Denn längst hat Beats die reine Produktion von Audiozubehör erweitert um einen eigenen Streamingdienst: Hier liegen Big Player wie Spotify, Pandora oder rdio meilenweit vor dem Konzern aus Cupertino, der jahrelang mit iTunes zwar den Vertrieb von Songs und Alben dominierte - aber mit iTunes Radio nicht wirklich vom Fleck kommt.

Zumal Beats nicht nur mit Hip-Hop-Urgestein Dr. Dre aufwarten kann. Co-Gründer ist Jimmy Iovine, seines Zeichens renommierter Musikproduzent und Entdecker von Eminem sowie Mitgründer des Labels Aftermath Records. Die beiden gründeten Beats bereits 2006, doch erst 2008 sollte das Unternehmen den Durchbruch schaffen. Nun, 2014, macht das zum Kult gewordene Kopfhörer-Label das ganz große Geld. 1,2 Milliarden Dollar Umsatz sollen es bereits 2013 gewesen sein. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass Dr. Dre als extrem glaubwürdiger Musiker und Musikproduzent gilt. Und Iovine seit Ende der Achtziger im Musikbusiness unterwegs ist und über hervorragende Kontakte verfügt. Zusammen bilden sie ein kongeniales Vermarktungsduo.

Fraglos gibt es Modelle mit besserem Klang und besserem Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch genau wie Apple ist es Beats gelungen, mehr als Technik zu verkaufen: einen Lifestyle. Wer die bunten Kopfhörer um den Hals trägt, der stach lange Zeit aus der Masse an übergroßen, doch trist designten Lauschern heraus. Und genau wie Apple wussten auch Dre und Iovine, dass gute Technik nichts ohne Dienste ist, mit denen sich diese Technik nutzen lässt.

Doch im Gegensatz zu Apple war Beats schneller in der Branche am Start, die weitläufig als nächster Boommarkt der Unterhaltungsindustrie gilt: Streaming. Für Apple wäre der Milliarden-Deal ein guter - wenn auch sehr teuer bezahlter - Schritt in die richtige Richtung.

Dass das Geschäft erst jetzt zustande kommt, dürfte einen einfachen Grund haben: HTC hielt lange Zeit Anteile an Beats. 2011 hatten die Taiwanesen, damals einer der erfolgreichsten Hersteller von Premium-Android-Geräten, 50,1 Prozent von Beats Electronics für 309 Millionen Dollar gekauft. Jetzt, wo Apple sich die Audiotechnik-Firma einverleiben will, wäre dieser Mehrheitsanteil plötzlich volle 1,6 Milliarden Dollar wert. So hätte man noch die Konkurrenz unterstützt.

Ob sich das Investment auf lange Sicht lohnt, muss sich zeigen. Noch gilt der Beats-Streamingdienst den Branchengrößen Spotify und Pandora als qualitativ unterlegen. Dennoch: Kommt der Deal zustande, holt Apple sich eine gut funktionierende Marke mit Führungspersönlichkeiten, die über eine hohe Glaubwürdigkeit verfügen - bei den Käufern und in der Musikbranche. Läutet der Deal also auch für Apple die "Next Episode" ein? Es sieht ganz danach aus.


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