Tinder Festival Mode: Ein Feature, das niemand braucht

Mit dem Tinder Festival Modus könnt ihr auf Festivals daten.
Mit dem Tinder Festival Modus könnt ihr auf Festivals daten.(© 2019 Getty Images/Westend61)

Tinder hat den Festival Mode ausgerollt. Die Dating-App führt pünktlich zum Start der Festival-Saison ein neues Feature ein, mit dem ihr euch schon vor Beginn der Events Dates organisieren könnt. Jetzt müsst ihr endlich nicht mehr zufällig beim Tanzen mit jemanden anbandeln; ihr könnt schon vorher ausmachen, mit wem ihr euch in der Pause zwischen zwei Live-Acts treffen wollt. Doch ich als absoluter Festival-Fan finde: Das ist total unnötig.

Das Prinzip ist so einfach wie wir es von der Dating-App kennen: Mit dem Tinder Festival Mode gebt ihr einfach an, zu welchem Festival ihr geht. Dann könnt ihr sehen, wer denn da noch so unterwegs sein wird – und mit dem bekannten Modus Operandi (Wisch nach rechts, Wisch nach links) entscheiden, ob ihr Interesse habt. Wenn diese Person euch ebenfalls ansprechend findet, habt ihr nach einem weiteren Swipe nach rechts ein Match. Alles weitere klärt ihr per Direktnachricht.

Tinder ist als Dating-App bekannt geworden, mit der sich vergleichsweise einfach One-Night-Stands organisieren lassen. Das muss ja per se nichts Schlechtes sein. Es schreiben sich zwei Personen auf der Suche nach ein bisschen Spaß – und läuft alles glatt, haben sie den auch. Und wenn aus der Bettgeschichte nichts wird, weil der Gegenüber live nicht ganz so anziehend ist wie es das Profil vermuten ließ, so ist eine neue Bekanntschaft – vielleicht sogar Freundschaft – ja auch noch möglich, oder? Eben.

Das neue Tinder Feature kippt Sand in die Wüste

Aber braucht es das neue Tinder-Feature wirklich? Festivals sind ja nun wirklich nicht dafür bekannt, dass die Besucher schweigend nebeneinanderstehen. Wer schon einmal auf einem Festival war, kennt das vielleicht: Schwupps – und schon findet man sich mit einer Bierdose in der Hand im Campingstuhl des Zeltnachbarn wieder. Oder man trifft an der Bar den ein oder anderen interessanten, kuriosen oder sogar attraktiven Charakter, mit dem man ins Gespräch kommt, weil man vor zwei Minuten noch zusammen getanzt hat. Viel simpler kann es doch nicht sein, jemanden kennenzulernen, oder?

Doch Tinder stellt klar: Es geht natürlich nicht um das harmlose Kennenlernen. Auf Twitter heißt es zur Veröffentlichung des Tinder Festival Mode: „Lass die anderen wissen, auf welches Festival du gehst und finde jemanden, dem es egal ist, dass du ein paar Tage lang nicht geduscht hast.“ Sorry! Mein Fehler. Es geht also um Körper und das körperliche Miteinander – und nicht um den tiefgehenden Talk über Musik, die letzten Konzerte und wie schlecht der Sound bei der ersten Band war, sondern eben doch um Sex. Und hey! Endlich spielt Hygiene bei der Suche nach einem Date mit Absicht zur Kopulation keine Rolle mehr.

Bisher nur in Großbritannien und den USA

Das ist mir zu viel des Klischees. Ja, Festivals sind laut, manchmal dreckig und der ein oder andere trinkt auch Mal zu viel. Genau deswegen entstehen ja die kuriosesten Geschichten. Würde ich mir meinen Festival-Plan – der sowieso schon eng genug ist, weil es bei Festivals eben doch darum geht, möglichst viele gute Bands zu sehen –  jetzt noch mit Dates vollstopfen, verliert mir das Event zu viel von dem, was es neben der Musik ausmacht: wilde Spontanität, situativer Genuss und echte Ekstase.

Aber vielleicht müsst ihr ja bei euren nächsten Festivals in Deutschland gar keine Tinder-Dates beobachten, wie sie schon in so manch gemütlicher Bar des Öfteren zu erkennen sind. Zum Start des Features gibt es den Tinder Festival Modus nur für ein paar Festivals in den USA und Großbritannien, unter anderem für den Governors Ball (Manchester), das Firefly (Dover) und das Lovebox Festival (London). Vielleicht floppt das Feature ja auch einfach – und wird hierzulande erst gar nicht eingeführt.

Wobei: Laut dem britischem Express würde es gerade zur Festivalsaison einen enormen Anstieg an neuen Tinder-Nutzern geben. Vielleicht habe ich Festivals auch einfach falsch verstanden. Oder Tinder. Dann freue ich mich schon auf neue Features – wie den „Agentur für Arbeit“-Modus.


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