Training ausfallen lassen? Das schlechte Gewissen nagt mehr als gedacht

Kein Spaß am Training, aber ein schlechtes Gewissen, es ausfallen zu lassen? Mentaltraining ist ebenso wichtig wie das Workout selbst.
Kein Spaß am Training, aber ein schlechtes Gewissen, es ausfallen zu lassen? Mentaltraining ist ebenso wichtig wie das Workout selbst.(© 2018 CURVED)

Ihr habt es schon wieder nicht zum Sport geschafft oder hinkt eurem Trainingsplan deutlich hinterher? Kein Grund für ein schlechtes Gewissen, denn auch die innere Einstellung hat einen großen Einfluss auf die Trainingseffekte.

Wer sich selbst nicht für sportlich genug hält und deswegen ein schlechtes Gewissen hat, lebt kürzer, weiß eine neue Studie. Tatsächlich steckt dahinter ein Placebo-Effekt, vermuten Psychologen, die dazu eine Studie an der Universität Stanford durchgeführt haben: Positives Denken ist der Schlüssel für ein langes Leben – und ein effektives Training.

Klingt wie eine Strafe des Universums: Schwänzt man das Training und verschwendet dafür auch noch negative Gedanken, statt die gewonnene freie Zeit zu genießen, wird am Ende noch was von der Lebenszeit abgezogen.

Mit der richtigen Geisteshaltung wird das Fitnessprogramm deutlich wirkungsvoller. Wer sich hingegen für einen Sportmuffel hält, erreicht mit dem Workout nicht nur weniger, sondern hat zudem ein deutlich höheres Sterberisiko als jemand, der zufrieden mit seiner sportlichen Leistung ist – auch wenn er genauso viel oder wenig trainiert wie der vermeintliche Sportmuffel.

Für wie sportlich haltet ihr euch?

Für ihre Studie hatten die Forscher rund 60.000 US-Amerikaner bis zu zwanzig Jahre lang begleitet und deren Fitness- und Gesundheitsdaten ausgewertet. Im Zentrum stand die Frage, ob die Teilnehmer sich selbst im Vergleich mit Gleichaltrigen als sportlich oder wenig aktiv einschätzten. Darüber hinaus wurden auch Faktoren wie das Einkommen, der Wohnort sowie der Zugang zu medizinischer Versorgung berücksichtigt. Trotzdem blieb am Ende ein 70 Prozent höheres Sterberisiko übrig, das allein auf die sportliche Selbsteinschätzung der Probanden zurückzuführen war.

Die Psyche löst Placebo-Effekte aus

Zu ähnlichen Ergebnissen kam bereits eine andere Bewegungs-Studie mit Reinigungskräften aus dem Jahr 2007: Obwohl die sich den lieben langen Arbeitstag recht viel bewegen beim Putzen, Staubsaugen, Treppenlaufen, Betten beziehen oder Müll raus tragen, schätzten die meisten sich eher als unsportlich ein. Als man ihnen dann aber im Rahmen der Studie ausreichende tägliche Bewegung bescheinigte, veränderte sich auch die Selbsteinschätzung der Hotelangestellten. Das Bemerkenswerte daran: In der Folge verbesserten sich auch ihre Körperwerte wie von selbst: Die Probanden verbrannten während ihrer Arbeit noch mehr Fett, und der Blutdruck sank. Die Forscher gehen davon aus, dass die Psyche hinter diesen positiven Effekten steckt, da die Probanden außer ihrer inneren Einstellung nichts verändert hatten.

Ob es ein gutes Training wird, hängt auch von der inneren Einstellung ab.(© 2018 picture alliance / Westend61)

Die Bedeutung von Mentaltraining im Leistungssport

Wir lernen also: Wenn man neben der Sporttasche eine ordentliche Portion Selbstvertrauen mit zum Training bringt, sich auf die Schulter klopft und an sich und seine unsere Fitnessziele glaubt, dann hat man nicht nur mehr Spaß beim Sport, sondern auch körperlich mehr vom Training. Das Stichwort lautet: Mentaltraining. Leistungssportler schwören schon lange darauf und ist für sie ebenso wichtig, wie ihr übliches Kraft-, Ausdauer- oder Taktiktraining. Sie profitieren im Wettkampf nachweislich von einer Leistungssteigerung.

Aber auch diese Körperprozesse können durch mentale Stärke verbessert werden: etwa die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung, die Aufnahme von Nährstoffen oder der Hormonstoffwechsel. Im Gegensatz dazu machen sich Menschen, die sich für träge halten, psychischen Stress. Und wer häufig gestresst oder depressiv ist, hat laut Statistik nicht nur ein weniger schönes, sondern auch ein kürzeres Leben. Das klingt irgendwie einleuchtend, oder?

Apps für Mentaltraining und Selbst-Coaching

Wer in Bezug auf Sport nicht nur seine innere Einstellung zu sich selbst ändern, sondern die sportwissenschaftlichen Erkenntnisse zum Anlass nehmen möchte, sich näher mit dem Thema Mentaltraining zu befassen, dem stellen wir hier noch ein paar weiterführende Infos vor:

  • Wer mehr über das Mentaltraining erfahren möchte, findet eine gute Einführung als Podcast von Fitness Coach und "Marathon Fitness"-Blogger Mark Maslow. In Folge 88 seiner Podcast-Reihe (kostenlos bei iTunes) geht er näher auf dieses Thema ein.
  • Falls ihr direkt mit Praxis-Übungen einsteigen wollt, ist die kostenlose Android-App "Positive Affirmationen" ein guter Anfang. Positive Aussagen über sich selbst sieht man oft erstmal skeptisch und selbstkritisch. Indem man die positiven Gedanken aber täglich wiederholt, gehen sie irgendwann ins Unterbewusstsein über und können dort zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Das klappt natürlich auch bestens in Bezug auf sportliche Leistungen.
  • Für Sportler mit hohen Ambitionen gibt es das App-Programm "Lucid": Mittels Meditation, Visualisierung der Leistungsziele und positiver Affirmation will diese App euch dabei helfen, die Komfortzone zu verlassen und euch besser auf sportliche Höchstleistungen zu fokussieren. Die Anwendung ist auf Englisch und für iOS und Android gratis verfügbar. Fünf Mentaltrainings sind kostenlos, danach gibt es das Coaching-Programm für zehn Euro im Monat oder 100 Euro im Jahr – also eher ein Angebot für Leistungssportler.

Fazit: Wenn man sich schon aufrafft, dann kann man auch stolz sein – oder die Freizeit genießen

Zum Schluss wollen wir nochmal daran erinnern, dass man neue Vorsätze immer heute angeht und nicht morgen. Morgen heißt nämlich meistens nie. Also: Wenn ihr euch schon zum Workout aufrafft, dann seid gefälligst stolz auf euch – ganz gleich ob ihr die letzten beiden Fitnesseinheiten geschwänzt habt oder nicht. Und falls es auch heute wieder nichts wird mit dem Training, dann ist das eben so: Es muss nicht immer gleich Sport sein, as zählt, ist die regelmäßige Aktivität im Alltag, damit der Stoffwechsel nicht irgendwann eine Vollbremsung hinlegt. Ansonsten genießt es wenigstens so richtig, auf der faulen Haut zu liegen.


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