Trampen mit WunderCar: Airbnb-­Prinzip für Mobilität

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Wundercar-CEO Gunnar Froh in den Hamburger Büros
Wundercar-CEO Gunnar Froh in den Hamburger Büros(© 2014 CURVED)

So geht Mobilität heute: Ein junger Hamburger will mit einer cleveren App dafür sorgen, dass hippe Großstädter künftig nicht nur schneller und günstiger von A nach B kommen, sondern dabei auch noch mehr erleben.

Das Leben in einer echten Metropole macht Spaß, ist schnell und inspirierend, aber auch teuer und zeitauf­wendig. Immer ist man ständig unterwegs: von der WG ins Büro und zum Lunchtermin, später zum Sport und auf die Piste. Kaum ein junger Großstädter nutzt für solch ein straffes Tagesprogramm noch ein eigenes Auto. Es ist teuer, und die ständige Parkplatzsuche nervt gewaltig.

Genau diesen Menschen will nun WunderCar helfen. Die neue App überträgt das Airbnb­Prinzip auf die Mobilität. Ähnlich wie beim Übernachtungsdienst, bei dem Privat­personen ihre – viel charmanteren – Zimmer günstiger als ein Hotel an Städtereisende vermieten, will Wunder­Car Autofahrer und potenzielle Mitfahrer miteinander vernetzen.

„Wir wollen, dass die Menschen nicht nur schneller und günstiger an ihr Ziel kommen, sondern dabei noch interessante neue Menschen kennenlernen“,

erklärt Gründer Gunnar Froh, der passenderweise gerade erst seinen Airbnb-­Job an den Nagel hängte, um die mobile Mitfahrzentrale zu gründen.

WunderCar gibt es in zwei Varianten – für Beifahrer und Fahrer. Diese müssen sich extra bewerben und in einem per­sönlichen Gespräch die Macher davon überzeugen, dass sie verlässliche Autofahrer und gute Typen sind. Denn: „Gute Gespräche während der Fahrt sind genauso wichtig wie ein seriöser Transport“, sagt der 31­-jährige Gründer.

Einen idealen Vorzeigefahrer hat der Hamburger bereits gefunden. Er ist Segelweltmeister und chauffiert seine Mitfahrer in einem umgebauten Bully durch die Han­sestadt. Den Namen will Froh allerdings noch nicht verraten.

Für die Idee hinter WunderCar ist es entscheidend, dass die Fahrer die Beschäftigung nicht als Job, sondern als nettes Hobby nebenbei ansehen. Sie sollen immer nur dann die Applikation aktivieren, wenn sie auch wirklich Zeit und Lust dazu haben. Für Froh ist klar:

„Nicht die App ist das Produkt, sondern das einzigartige Gefühl bei der Mitfahrt“

Wenn der Mitfahrer zufrieden ist, kann er den Hob­by-­Chauffeur mit einem „Trinkgeld“ belohnen. In der Praxis wird wohl keiner freiwillig einen Unbekannten mitnehmen, wenn nicht wenigstens ein paar Euro für ihn rausspringen. Froh rechnet damit, dass sich das Trinkgeld im Schnitt etwa auf die Hälfte des eigentlichen Taxipreises einpendeln wird. Sein Anteil an den bargeldlosen App­-Überweisungen beträgt 20 Prozent. Die restlichen 80 Prozent fließen in die Geldbörse des Fahrers.

Tatsächlich ist es nicht ganz so einfach, als Hobby-Chauffeur bei dem Start-up anzufangen. Die potenziellen Fahrer und Fahrerinnen müssen einen Workshop in der Firmenzentrale in der Hamburger Speicherstadt absolvieren. Dabei lernen sie, worauf es ankommt, aber auch einige nützliche Tipps, wie man es seinen Mitfahrern bzw. Kunden möglichst angenehm im Auto macht. Auch die Bedienung des Nutzerinterfaces der App ist für die Fahrer ungleich schwerer als für die Kunden. Diese müssen im Grunde nur die Software herunterladen. Das Programm lässt sich intuitiv bedienen.

Die Hamburger kämpfen allerdings auf einen schwierigen Markt. Ob es will oder nicht, wird das Startup mit Limousinen-Services wie Blacklane oder Apps wie Mytaxi in einem Topf geworfen. Dabei sieht Froh sein Angebot eher als Ergänzung zu solche Dienst und weiteren Services wie Car2go.

Viel Bewegung im Mitfahr-Segment

Tatsächlich läuft es bei den vermeintlichen Konkurrenten nicht ganz so rund. So berichtete das Wallstreet Journal gerade erst, dass Mytaxi durch eine Umstellung des Gebührenmodells über 1.000 Fahrer verloren hätte. Trotz des Sturms der Entrüstung, für die das neue System bei den Taxi-Profis sorgte, werden heute mehr Fahrten als zuvor vermittelt.

Auch Blacklane kämpft derzeit gegen Widerstände. Der junge Berliner Limousinenservice hat Ärger mit Taxiverband Berlin-Brandenburg. Die Interessensvertreter wollen gegen den Einsatz von Smarts vorgehen. Gegenüber der WirtschaftsWoche erklärte der Verbandsvorstand Boto Töpfer darauf, dass nach geltender Rechtslage Taxis und Mietwagen auf der rechten Seite mindestens zwei Türen haben müssen. Der Smart hat auf jeder Seite aber nur eine Türe.

Bislang ist Wundercar von solchen Nicklichkeiten verschont geblieben, aber dafür sind die Hamburger auch noch nicht lang genug online. Zum Start fährt WunderCar in Hamburg und Berlin und erst einmal nur auf Apple-­Geräten. Möglichst schnell sollen allerdings weitere Städte und eine Android­-Version dazukommen.

Damit wäre WunderCar eine passende Ergänzung im Smartphone-­Mix zwischen MyTaxi und Sharing­-Diensten wie Car2go. Immerhin profitieren ja Fahrer und Mitfahrer von dem Dienst. Der Hobby-­Chauffeur reduziert seine Kos­ten, und der Mitfahrer kommt fix und günstig ans Ziel. Vor allem ist WunderCar aber praktisch und hip. Also genau das, was junge Großstädter unter Trampen 2.0 verstehen.


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