"True Detective" im CURVED-Check: Komplex, düster, gut

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Kann die neue Staffel von True Detective qualitativ mithalten?
Kann die neue Staffel von True Detective qualitativ mithalten?(© 2015 HBO)

Kritiker und Fans überschlugen sich bei der ersten Staffel der Dramaserie „True Detective“ ob der qualitativ hochwertigen Inszenierung, der anspruchsvollen und doch spannenden Erzählweise und besonders der brillanten schauspielerischen Leistungen von Matthew McConaughey und Woody Harrelson. Seit gestern steht nun die erste Folge der neuen Staffel dieses modernen Klassikers in Deutschland via Sky zur Verfügung. Wir haben reingeschaut.

True Detective wurde als Anthologieserie konzipiert, was bedeutet, dass in jeder Staffel neue Figuren, Schauplätze und Geschichten gezeigt werden, die nicht in Verbindung zur vorangegangenen Staffel stehen. Und so gibt es in den neuen True-Detective-Folgen kein Wiedersehen mit Martin Hart (Harrelson), dem zynischen Pessimisten Rustin Cohle (McConaughey) und der mystischen Atmosphäre von Louisiana. Stattdessen erwarten den Zuschauer eine Vielzahl neuer hochkarätiger Darsteller, eine neue Geschichte und als Schauplatz das (nicht immer) sonnendurchflutete Kalifornien, das bereits in der ersten Folge der neuen Staffel für den Zuschauer eine ganz eigene bedrohliche Aura entwickelt.

Schweres Erbe

Drehbuchautor und Mitproduzent Nic Pizzolatto lässt sich mit den neuen Folgen von True Detective ganz bewusst auf neues Terrain ein, wollte er doch keinesfalls die Formel der ersten Staffel wiederholen. Ein schweres Erbe tritt er damit aber in jedem Fall an: Besonders die komplexe Beziehung der beiden Hauptcharaktere in der ersten Staffel und die pointiert-philosophischen Dialoge zwischen dem bodenständigen und doch verlorenen Martin Hart und dem (zu) intelligenten, misanthrophischen Trinker Rust Cohle machten True Detective zu einer Serie fernab fast aller Krimi-und-Drama-Serien-Klischees.

Die verschachtelte, meist nicht-chronologische Erzählweise, die literarischen Anspielungen und die visuell beeindruckende Inszenierung einer Welt tief im Süden Amerikas, in der Mythen und Legenden noch immer von Bedeutung sind, trugen ein Übriges dazu bei, True Detective zum Kritiker- und Zuschauer-Hit gleichermaßen zu machen. Besonders der von McConaughey gespielte Rust Cohle dürfte in seiner komplexen Charakterzeichnung als Figur zudem nur schwer zu toppen sein.

Neue Stars, neue Story

Die Opening-Folge der neuen True-Detective-Staffel weiß zunächst mit einer ähnlich kunstvoll wie in der ersten Staffel gestalteten Intro-Sequenz zu überzeugen. Als Titelsong wurde diesmal der Track „Nevermind“ vom Leonard-Cohen-Album „Popular Problems“ gewählt, allerdings in einer speziellen, kondensierten Version, in der zum Beispiel einige orientalische Background-Vocals fehlen. Die Textzeilen des Songs deuten die Suche nach einem geheimnisvollen Killer an und kreieren gemeinsam mit den surrealen Bildersequenzen eine gelungene Auftaktstimmung, die Lust auf mehr macht.

Im Laufe der ersten Folge werden dann relativ zügig verschiedene Handlungsstränge und Figuren eingeführt, die am Ende der Folge eine erste Zusammenführung erfahren. Zum einen gibt es hier den abgehalfterten Cop Raymond Velcoro (Colin Farrell) mit Hang zu aggressiven Ausbrüchen, der sich versucht um seinen Sohn zu kümmern. Dieser wurde möglicherweise allerdings gezeugt, als seine Frau einer Vergewaltigung zum Opfer viel, und der Täter wurde bislang nie gefasst. Velcoro scheint zudem durch Korruption mit dem Gangster Frank Semyon (Vince Vaughn) verstrickt zu sein.

Ein weiterer Hauptcharakter ist der von Taylor Kitsch gespielte Highway-Cop Paul Woodrugh, der seinerseits mit einigen persönlichen Problemen zu kämpfen hat, die im Laufe der Serie mit Sicherheit noch weiter ausgelotet werden. Rachel McAdams schließlich spielt den weiblichen Detective Antigone „Ani“ Bezzerides, die als Kind in einer von ihrem Vater (David Morse) geführten Sekte lebte.

Die Polizisten Velcoro, Woodrugh und Bezzerides treffen schließlich am Ende der ersten Folge aufeinander, als der Leichnam des Managers Ben Caspar gefunden wurde, der augenscheinlich außergewöhnliche sexuelle Vorlieben hatte.

Komplexer Start auf gutem Niveau

Zugegeben, diesen speziellen Funken, der bei der ersten Staffel von True Detective sofort auf den Zuschauer übersprang, bietet die neue Season nach der ersten Folge noch nicht. Es ist jedoch bereits zu erahnen, dass sich in der zweiten Staffel eine deutlich komplexere und vielschichtigere Story als in Season 1 entfalten wird – nicht zuletzt, da die Anzahl der zentralen Charaktere zugenommen hat. Drehbuchschreiber Pizzolatto scheint erneut ein qualitativ hochwertiges Skript geschaffen zu haben, das manche Überraschung parat halten dürfte. Dabei wird die eigentliche Geschichte um den zu lösenden Mordfall vermutlich erneut ein ums andere Mal in den Hintergrund der Inszenierung geraten, um die Charaktere der Darsteller auszuloten und dabei Betrachtungen über die Beschaffenheit der menschlichen Psyche anzustellen. Dass dabei die Spannung keinesfalls ins Hintertreffen geraten muss, hat uns die erste Staffel von True Detective eindrucksvoll gezeigt.

Zudem gibt es in der ersten Folge der neuen True-Detective-Staffel einige Hinweise darauf, dass der Zuschauer hier erneut mit einigen sehr abseitigen und dunklen menschlichen  Verhaltensweisen sowie einer mysteriösen Verschwörung konfrontiert werden könnte: eine augenlose Leiche, die Überreste einer mutmaßlich okkulten Sex-Party sowie merkwürdige Artefakte lassen jedenfalls nichts Gutes vermuten.

Als Darsteller überzeugen in der zweiten Staffel von True Detective – das hatten nicht wenige Fans sich erhofft – bislang besonders die zunächst fehlbesetzt wirkenden Vince Vaughn und Taylor Kitsch: Während Vaughn den meisten Zuschauern in erster Linie durch Comedy-Movies wie „Voll auf die Nüsse“ und „Die Hochzeit-Crasher“ bekannt ist, gibt er hier den zwischen Verunsicherung und Härte schwankenden Unterwelt-Boss bislang sehr überzeugend. Taylor Kitsch („John Carter“, „Battleship“) hat ebenfalls eine erstaunliche Präsenz als Viagra-einwerfender Highway-Polizist mit vernarbtem Körper und augenscheinlichem Kriegstrauma. Colin Farrel ist als gebrochener Cop mit Hang zum Alkohol eine darstellerische Bank, bislang allerdings auch der am ehesten klischeehaft wirkende Charakter.

Die neue Staffel von True Detective läuft in der Originalversion auf Sky Go und Sky Anytime sowie Sky Online. Wöchentlich gibt es zeitgleich zur Weltpremiere in den USA eine neue Folge. Die synchronisierten Fassungen sollen ab September folgen.


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