Twitter, Medium, Jelly und die Kunst zu experimentieren

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Gute Aussichten und bequeme Sitzgelegenheiten: das Interieur ist cool industriell und minimalistisch.
Gute Aussichten und bequeme Sitzgelegenheiten: das Interieur ist cool industriell und minimalistisch.(© 2014 Elisabeth Oberndorfer)

Wer einmal ein erfolgreiches Startup gegründet (und bestenfalls verkauft) hat, dem liegen alle Silicon Valley-Jünger zu Füßen. Ein Beispiel dafür ist Twitter-Mitgründer Evan Williams, der seit einem Jahr an Medium herumbastelt. Wenn wir ehrlich sind, ist die Plattform nur ein besseres Wordpress – also ein ausgeklügeltes Redaktionssystem, das Jedem, der mitteilungsbedürftig ist, seine Texte auf Medium.com veröffentlichen lässt.

Niemand weiß, was Evan Williams mit seiner neuen Spielwiese „Medium“ vorhat. Aber alle vertrauen auf ihn.

Unter anerkannten Gründern und Medienunternehmern ist Medium jedoch das nächste heiße Ding in der Content-Industrie. Auf die Frage, welche Venture im Medienbereich derzeit Potenzial haben, verweisen viele auf das Portal. Warum, das kann niemand so genau beantworten. Auch weiß niemand wirklich, was Evan Williams mit seiner neuen Spielwiese vorhat. Aber alle vertrauen auf ihn.

Im ersten Jahr holte sich der Unternehmer Geld aus eigenen Kreisen. Kürzlich schloss Medium seine erste große Finanzierungsrunde in Höhe von 20 Millionen US-Dollar ab. Eine Woche zuvor lud das Startup eine Gruppe von Journalisten in sein Office in San Francisco, um einen Blick hinter die Kulissen zu geben.

Noch genug Platz für Expansion

Medium belegt in einem Flatiron-Gebäude im Stadtzentrum ein ganzes Stockwerk. Das Interieur ist cool industriell und minimalistisch. Noch ist genug Platz für Expansion. Und das haben die Medium-Leute auch vor. „Wir haben gottseidank genug Ressourcen, um vieles auszuprobieren“, sagt ein Projektmanager. In den ersten Monaten nach dem Launch konnte nur ein ausgewählter Kreis von Bloggern – großteils aus der Tech-Community – ihre Texte veröffentlichen. Mittlerweile ist die Plattform für alle nutzbar. Die Entwickler rühmen sich mit den Analyse-Tools, die das Redaktionssystem den Autoren bietet. So kann zum Beispiel nachverfolgt werden, wie lang die durchschnittliche Lesedauer pro Artikel ist – sieben Minuten. Alles schön und gut, aber die Berufsschreiber im Raum versuchen von den Medium-Mitarbeitern, ein Geschäftsmodell erklärt zu bekommen. Das scheint es jedoch noch nicht zu geben. „Wir stellen uns ein Modell wie bei öffentlichen Medien vor. Unterstützer bezahlen regelmäßig Spenden für den Erhalt des Mediums“, erklärt einer.

In den vergangenen Monaten schon hat Medium begonnen, sich professionellen Content zu holen – und dafür auch zu zahlen. Auserwählte Journalisten dienen als Kuratoren und stellen ihre Channel-Seiten zusammen. So macht es zum Beispiel Glenn Fleishman, Herausgeber des iPad-Magazins „The Magazine“. Teile der aktuellen Ausgabe stellt der Chefredakteur auf Medium und holt sich dadurch nicht nur Zugriffe, sondern auch zahlende Abonnenten.

Jelly: Bilder, Fragen und die Community

Experimentieren ist in Silicon Valley das oberste Gebot. Das Business-Model ist nebensächlich. Noch mehr, wenn ein Startup einen klingenden Namen als CEO hat. So stellte etwa auch Williams Ex-Kollege und Twitter-Mitgründer Biz Stone vor einigen Wochen seine neue App „Jelly“ vor. Das Konzept: User können ein Foto schießen und dazu eine Frage posten, die Community gibt darauf Antworten. Derzeit wird die Applikation weitaus weniger intellektuell genutzt, als Stone sich das wohl vorgestellt hatte. Macht nichts, auch er hat Zeit, zu experimentieren. Eine Woche nach dem Launch von Jelly kommunizierte das Startup seine bereits zweite Investmentrunde. Die Summe ist nicht bekannt – doch in dieser Liga spielt sich kaum etwas unter einem zweistelligen Millionen-Betrag ab.


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