Über 100 Dollar: Apple-Aktie schießt auf Rekordhoch

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Wieder dreistellig: Die Apple-Aktie durchbricht erstmals seit 2012 wieder die Marke von 100 Dollar
Wieder dreistellig: Die Apple-Aktie durchbricht erstmals seit 2012 wieder die Marke von 100 Dollar(© 2014 CC: Flickr/Wysz, Google Finance, CURVED Montage)

Es sind historische August-Tage für Apple: Ein Jahr nach dem Einstieg von Carl Icahn durchbricht die Apple-Aktie die psychologisch wichtige 100-Dollarmarke. Zu einem neuen Allzeithoch fehlen nur noch wenige Cent – auf Schlusskursbasis notierte die Aktie nie höher als heute. Apples Börsencomeback ist damit perfekt, aber wie weit geht es? Analysten und Investoren sind optimistisch, dass das Potenzial mit dem iPhone-Launch  – anders als 2012  – nicht ausgereizt ist…

100,53 Dollar ist die Apple-Aktie jetzt wert –  und damit auf Schlusskursbasis so wertvoll wie nie. Es ist eine Punktlandung, aufgestellt ein Jahr und eine Woche nach dem Einstieg von Carl Icahn, der die Börsenwende bei Apple einleitete. Das war bei Kursen von 66 Dollar.  Keine Frage: Carl Icahn hat gewonnen – aber ebenso Apple-Aktionäre und vor allem CEO Tim Cook, weil er sich offen für das an der Wall Street gern gesehene Financial Engineering in Form von Dividendenanhebungen, größeren Aktienrückkäufen und dem Aktiensplit im Verhältnis 7:1 zeigte.

Über 100 Dollar heute: Das entspricht exakt 700 Dollar – eine Marke, die Apple das letzte Mal vor ziemlich genau zwei Jahren besichtigte, als der Kultkonzern aus Cupertino bei genau 705,07 Dollar sein Allzeithoch markierte, das splitbereinigt bei 100,73 Dollar liegt und damit ebenfalls nur wenige Cent entfernt ist und jeden Handelstag fallen könnte.

Apple $100: Tim Cooks Stunde Null

Tim Cook hat es geschafft und es allen Kritikern gezeigt: Zumindest die Apple-Aktie ist so wertvoll wie nie. (Das Unternehmen Apple hatte im September 2012 mit in der Spitze 665 Milliarden Dollar einen um etwa 63 Milliarden Dollar höheren Börsenwert; die Differenz ergibt sich aus den massiven Aktienrückkäufen der vergangenen zwei Jahre.)

Man kann es in gewisser Weise die Stunde Null nennen – ein Ziel, das Tim Cook mit dem Aktiensplit im Verhältnis 7:1 erreichen wollte. Endlich liegen die lästigen Vergleiche mit der Vergangenheit hinter dem 54-Jährigen - kurz vor dem dritten Jahrestag als Apple-CEO hat Cook diese Geister abgeschüttelt. Nördlich von 100 Dollar beginnt der Neuanfang, pünktlich mit dem Launch  des iPhone 6 und der iWatch.

Wiederholt sich das Schicksal von 2012?

Aber haben Aktionäre die Verheißungen der vermeintlich glänzenden Zukunft nicht schon mal gesehen? Vieles erinnert an jene glorreichen Tage vor dem iPhone 5-Launch vor zwei Jahren, als bei einem Stand von 700 Dollar mit den Kursziel der magischen 1000 Dollar-Marke nur so gewedelt wurde.

Es sollte sich als beste Kontraindikation erweisen: Statt das erste Unternehmen zu werden, das oberhalb von 1000 Dollar die Bewertungsgrenze von einer Billion Dollar knackt, fand sich Apple nach epischen Kursverlusten von in der Spitze 46 Prozent, die einen Börsenwert von mehr als 300  Milliarden vernichteten, neun Monate später bei 385 Dollar wieder, die splitbereinigt 55 Dollar entsprechen. Warum sollte sich die Geschichte nicht wiederholen und Apple erneut mit dem neuen iPhone-Launch ein zyklisches Hoch markieren, vom dem es nur abstürzen kann?

Morgan Stanley: Diesmal ist alles anders

Weil diesmal alles anders ist, meinen die Analysten von Morgan Stanley heute in einer Research-Note, die  maßgeblich den Kursanstieg auf 100 Dollar befeuerte. Normalerweise höchst gefährliche Worte (denn an der Börse wiederholt sich die Vergangenheit immer ab einem bestimmten Punkt), doch wenn sie von Staranalystin Katy Huberty, die mit ihren Apple-Einschätzungen zuletzt sehr gut gelegen hatte, verkündet werden, verdienen sie eine besondere Betrachtung.

Huberty hat gleich acht Argumente für weiter steigende Kurse geliefert – von den zahlreichen Neueinstellungen auf höchster Management-Ebene über steigende Investments im Bereich der Forschung und Entwicklung, über eine steigende Bereitschaft, in Übernahmen zu investieren bis hin zur wachsenden Bedeutung der Online-Unit, allen voran iTunes.

Als für die Börse wirklich relevante Kurstreiber dürften sich indes die stabilisierende Gewinnmarge und die steigende Bereitschaft erweisen, die Barmittel an Aktionäre auszuschütten. Ebenfalls ein Plus gegenüber 2012: Analysten sind mit ihren Hochstufungen noch zurückhaltender, während institutionelle Anleger noch verhaltener investiert sind als vor zwei Jahren.

iWatch findet bisher kaum eine Berücksichtigung in den Analystenschätzungen

Ergo: Es bestünde von Seiten der Wall Street noch einige Luft nach oben, sofern das Wachstum weiter anzieht, mutmaßt Huberty. Eine andere Variable nannte die Morgan Stanley-Analystin an anderer Stelle: die Watch, die bislang in den Schätzungen der Wall Street keine Rolle spielt. Verläuft der iPhone 6-Upgrade-Zyklus dynamischer als bislang prognostiziert und zeigt Apples Smartwatch auch nur erkennbares Absatzpotenzial, dürften sich Heerscharen von Analysten dabei überbieten, ihre Schätzungen nach oben anzupassen.

Damit begonnen haben bislang erst unabhängige Marktexperten, die Apple seit Jahren individuell verfolgen. So sah Finanzjournalist Rocco Pendola Apple bereits vor dem Jahreswechsel 12 Monate später auf 1000 Dollar sprinten, die splitbereinigt 142 Dollar entsprächen. Pendola bleibt weiter bei seiner Einschätzung.

Wall Streeter sehen Kurspotenzial bis über 200 Dollar

Howard Lindzon, Vorstand beim Social Media-Dienst StockTwits, der Tweets zu einer Aktie sammelt, geht bei Apple noch weiter. "Der jüngste Kursverlauf deutet eine große Bewegung an", erklärte Lindzon vergangene Woche  – und damit noch vor dem Durchbruch durch die 100-Dollar-Marke.  Lindzon glaubt, dass Apple als erstes Unternehmen die Billionen-Dollar-Grenze knacken wird – das wäre bei Kursen von 168 Dollar der Fall.

Der frühere Hedgefondsmanager Cody Willard sieht unterdessen noch mehr Potenzial und erneuerte seine drei Jahre alte Einschätzung, dass Apple in den kommenden Jahren auf ein Vor-Split-Niveau von 1500 bis 2000 Dollar steigen könnte, was Kursen von über 200 Dollar entspräche. Demnach wäre beim Passieren der 100-Dollarmarke diesmal tatsächlich alles anders. Bleibt am Ende nur noch eine Frage: Lädt Tim Cook jetzt Carl Icahn zum Dinner ein?


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