Video-Umfrage zu Tinder, Lovoo & Co: Ändern Dating-Apps das Flirtverhalten?

Die meisten Paare verlieben sich nach wie vor an der Uni, auf der Arbeit, beim Sport oder über den erweiterten Bekanntenkreis. Dennoch beklagen immer mehr junge Großstädter, dass es schwieriger wird, jemanden im Alltag, etwa in der Bahn, auf der Straße oder beim Feiern anzusprechen. Vielleicht, weil alle nur noch aufs Handy starren? Sind Dating-Apps wie Tinder und Co. inzwischen ernstzunehmende Plattformen für einsame Herzen oder ein Fluch? Wir wollen es herausfinden, auf dem Weihnachtsmarkt!

Laut einer Statista-Umfrage aus dem Jahr 2016 flirten nur 26 Prozent der Deutschen oft im Alltag – und 57 Prozent nie. Alle scheinen nur noch mit ihrem Handy beschäftigt zu sein und während man(n) sich beim Chatten so einiges traut – man denke nur an die sagenumwobenen "Dickpics" – ist die Angst vor einem Gesichtsverlust in der direkten Kommunikation offenbar groß. Nicht umsonst machen Begriffe "Ghosting", "Benching", "Binge-Dating" oder "Breadcrumbing" die Runde: Es sind alles moderne Phänomene aus der Welt des Online-Datings. Klar, gab es auch früher ohne das Internet schon Arschlöcher. Leute, die sich aus einer Affäre oder Beziehung stehlen, ohne richtig Schluss zu machen – Ghosting. Oder das klärende Gespräch auf die lange Bank schieben – Benching. Wer sich nicht bereit für eine neue Beziehung fühlt, aber auch nicht allein sein kann, holt sich beim Binge Dating gern mal Bestätigung und macht Dating damit zu einer Art Sport. Damit das nicht auffliegt, wirft man den Dates kleine Brotkrumen hin – Breadcrumbing: "Ich bin gerade total beschäftigt im Job, aber nächste Woche oder nächsten Monat können wir uns auf jeden Fall wiedersehen." Oder: "Ich fühle mich gerade nicht bereit für eine Beziehung und brauche etwas Zeit." Allerdings scheinen sich diese Unarten des Kennenlernens mittlerweile so zu häufen, dass die Netzgemeinde ihnen Namen gibt. Das spricht nicht gerade für die moderne digitale Art des Kennenlernens, oder?

Nie war Flirten so einfach

Nie war es so einfach, Menschen für ein Date zu begeistern: einfach im Tinder-Katalog nach rechts wischen, auf Matches warten, anschreiben, verabreden, flirten – oder was auch immer beiden Spaß macht. Den Charmeur geben, die Dame zuhause abholen, ihr Türen öffnen, aus dem Mantel helfen, sie schick zum Essen ausführen und später selbstverständlich heimfahren – alles Schnee von vorgestern. Während Dating-Portale mit ellenlangen Psychotests Gemeinsamkeiten ermitteln, zählt bei den meisten Dating-Apps erstmal nur die Optik – im Grunde nicht anders als damals in der Disco. Allerdings geben 36 Prozent der Männer und Frauen unverblümt zu, dass sie nur an einem Abenteuer oder einer Affäre oder einer "Freundschaft Plus" interessiert sind – Hauptsache ohne Aufwand und Verantwortung. Kein Wunder, dass Tinder daher nicht überall den besten Ruf hat. Neben der Suche nach Spaß gibt es aber auch eine zweite, deutlich größere Nutzergruppe von Dating-Apps wie Tinder, Lovoo, Bumble und Co.: Offenbar wollen 49 Prozent der User wirklich etwas an ihrem Single-Status ändern.

Wo flirtet es sich besser? Draußen, zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt, oder doch lieber über Apps wie Tinder?(© 2018 CURVED)

Wie weit liegen Frustration und Liebesglück bei Dating-Apps auseinander?

Laut Statista ist jeder fünfte Deutsche Single, also 17,3 Millionen Menschen, in Großstädten sogar jeder Dritte. 43 Prozent der Deutschen haben schon mindestens einen Dating-Dienst ausprobiert, 18 Prozent könnten es sich vorstellen. Gleichzeitig sind immer mehr Nutzer bereit, für bessere Flirt-Chancen bei Tinder und Co. zu bezahlen: Im dritten Quartal 2018 vermeldete Tinder weltweit immerhin 4,1 Millionen zahlende Kunden mit einem Premium-Abo, Prognose steigend. Hört man sich mal unter Freunden um, scheinen aber auch immer mehr Leute frustriert zu sein vom Online-Dating.

Aber kennt nicht inzwischen fast jeder von uns ein Pärchen, das sich über eine solche Flirt-App kennengelernt hat – und auch kein Geheimnis daraus macht? 42 Prozent der von Statista Befragten haben sich schonmal in eine Tinder-Bekanntschaft verliebt. So schlecht können Flirt-Apps also nicht sein, oder? Immerhin öffnen sie gerade schüchternen Menschen Türen, sind im Gegensatz zu Online-Plattformen wie Parship oder Elite Partner kostenlos und können mobil jederzeit, schnell und überall ganz nebenbei genutzt werden. Wir fragen uns wie weit liegen Frustration und Liebesglück bei Dating-Apps auseinander: Genug Statistiken, wir wollen echte Geschichte. Dafür haben wir uns auf dem Weihnachtsmarkt umgehört – denn wenn Flirt-Stimmung aufkommt, dann doch wohl am ehesten über einem heißen Glühwein, oder?

Fazit: (Online-)Dating ist das, was ihr daraus macht!

Vielleicht sind Beziehungen wie die Gesellschaft selbst schnelllebiger und oberflächlicher geworden und die Protagonisten konfliktscheuer, weil sie sich immer mehr hinter Bildschirmen verstecken können. Dennoch muss man nicht jeden Trend mitmachen, und kann von Ghosting, Benching und Co. getrost Abstand nehmen – ebenso wie vom Instagram-Account des Ex-Partners. Jemanden kennenzulernen war niemals leichter – jemanden auch digital gehen zu lassen, selten schwerer. Kurzum: Ein Päckchen schleppt wohl jeder über 30 mit sich herum. Wer sich das bewusst macht und nicht zu sehr von den Vorurteilen von Dating-Apps beeinflussen lässt, kann die Liebe auch auf Tinder finden. Vorausgesetzt, man weiß, wie man solche Apps für sich nutzen möchte.

Dating ist das, was ihr daraus macht – egal ob online oder offline.(© 2018 Shutterstock / Undrey)

Kleiner Tipp: Legt direkt offen, was ihr sucht und lasst euch nicht zu sehr von der Optik blenden. Ungeschönte Schnappschüsse und ehrliche Profiltexte sind einen zweiten Blick wert. Und bei einem Match kann man vielleicht auch mal wieder zum Hörer greifen, wie früher, und einfach telefonieren oder sich zeitnah verabreden – das spart viel Zeit und Frustration. Wem diese Herangehensweise zu oberflächlich ist, der probiert es eventuell mal mit alternativen Dating-Apps wie Once: Hier gibt es kein unendliches Swipen, sondern nur einen Match-Vorschlag pro Tag – Slow-Dating sozusagen.

Wie unsere Umfrage gezeigt hat, wollen die meisten Menschen aber am allerliebsten jemanden auf dem direkten Weg kennenlernen, also ohne das Smartphone. Na dann,  tut etwas dafür! Traut euch, und viel Spaß beim Flirten... ;)


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