Apple Watch, Tattoogate und warum der Skandal keiner ist

Peinlich !17
Bei dieser Dame könnten Wearables Probleme haben den Puls zu messen.
Bei dieser Dame könnten Wearables Probleme haben den Puls zu messen.(© 2015 istock.com/PeopleImages)

Die Apple Watch ist noch keine Woche im freien Verkauf, da gibt es mit dem Tattoogate den ersten vermeintlichen Skandal. Nach Scratchgate, Antennagate und der berüchtigten Mapokalypse scheint das fast schon zur Tradition zu werden bei neuen Geräten aus Cupertino. Doch der Skandal ist überzogen: Die Problematik betrifft nicht die Apple Watch alleine, sondern ist einer Technologie geschuldet, die bereits seit 80 Jahren existiert. 

Die Apple Watch ist nicht das erste Wearable, das den Puls seines Trägers mittels sogenannter Pulsoxymetrie misst. Das Verfahren wurde bereits 1935 entwickelt, aber erst Ende der 1970er Jahre zur praktischen Anwendung gebracht. Sie wird seitdem in der Medizin benutzt, um die Sauerstoffsättigung des Blutes zu messen und auch den Puls zu messen, etwa bei Patienten im Krankenhaus, die zur besseren Untersuchung an entsprechende Geräte angeschlossen sind. Im Fitnesssegment hat die Technologie einen großen Vorteil: Ihr spart Euch die nervigen Brustgurte zur Pulsmessung.

Ein Oximeter im klinischen Einsatz(© 2015 istock.com/Photomick)

Zwei grüne LEDs leuchten durch die Haut

Die Pulsoxymetrie-Sensoren von Weareables, wie der der Apple Watch, des Fitbit Surge, des Fitbit Charge HR, des Microsoft Band, der Mio Fuse oder des TomTom Runner Cardio arbeiten mit zwei grünen LEDs und Fotodioden. Rotes Blut absorbiert grünes Licht. Da zwischen den Herzschlägen weniger Blut fließt, stellen die Sensoren auf diese Weise fest, wie schnell Euer Herz schlägt. Die anderen Wearables befinden sich teilweise schon seit Monaten im Verkauf, scheinen aber nicht genug Verbreitung gefunden zu haben, um für einen "Skandal" zu sorgen, für den die Apple Watch nicht einmal eine Woche gebraucht hat.

Fitbit Charge HR (© 2015 CURVED)
Fitbit Charge HR (© 2015 CURVED)

Denn nicht nur das Pulsoxymeter der Apple Watch, sondern die Sensoren in jedem Wearable, das die Herzfrequenz mit dieser Technik misst, können von Tätowierungen oder einer zu dichten Körperbehaarung gestört werden. Die Hautfarbe an sich sorgt nicht für Probleme, da ihre Pigmente nicht so tief in der Haut sitzen wie die Tinte eines Tattoos. Wobei je nach Motiv und Farbe und der damit einhergehenden Pigmentierung die Störungen unterschiedlich stark ausfallen und nicht jede Körperkunst die Wearables gleich unbrauchbar macht. Als Grundregel lässt sich festhalten: Großflächige Tätowierungen mit dunkler Farbe stören mehr als dezente, bunte Motive.

Unterschiedliche Auswirkungen der fehlenden Pulsmessung

Während die Fehlfunktion beim Fitbit Surge und den anderen Wearables nur dafür sorgt, dass der Puls nicht korrekt oder gar nicht gemessen wird, die Geräte ansonsten aber einwandfrei zu benutzen sind, erweist sich der Fehler bei der Apple Watch als gravierender. Denn die Cupertino-Smartwatch geht bei fehlender Pulserkennung davon aus, an einen neuen Arm angelegt worden zu sein und fragt jedes Mal, wenn der Träger sie zu sich dreht, den vierstelligen Passcode ab, bevor sie auch nur die Uhrzeit auf Ihrem Display anzeigt. Das kann auf Dauer ganz schön nerven.

Für die Probleme einer alten, etablierten Technik, die auch andere Hersteller betreffen, kann man Apple allerdings nicht verantwortlich machen. Höchstens, dass sie in der Produktbeschreibung nicht deutlich genug drauf hingewiesen haben. Denn Tätowierungen sind heutzutage weit verbreitet und zieren nicht mehr nur die Arme von Seeleuten und Rockern. Auf der zuletzt am 29. April 2015 aktualisierten englischen Support-Seite, auf der Apple die Funktion des Herzfrequenzsensors beschreibt, findet sich der Hinweis, dass Tätowierungen seine Funktion behindern können. Auf der deutschen Version, die zuletzt am 24. April 2015 aktualisiert wurde, fehlt der Hinweis noch. Nach Angaben steht er außerdem in den Terms & Conditions der Apple Watch, die allerdings kaum ein Nutzer durchliest, sondern ungelesen mit einem Klick bestätigt.


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