Die Geschichte des iPhones: iPhone 5 – 4 Zoll sind nicht genug (2012)

Die iPhone 6-Keynote ist nur noch wenige Tage entfernt – was für ein unendlich langer Weg seit dem ersten iPhone 2007! Wir haben für Euch noch einmal zurückgeblickt und eine Zeitreise angetreten – vom ersten iPhone bis zum iPhone 5s und 5c aus dem vergangenen Jahr. Heute: Das iPhone, das auf 4 Zoll wuchs und doch zu klein war...

Die Verwaltung des Erfolges ließ sich nicht ewig fortsetzen. Mit dem iPhone 4s hatte Apple 2011 ein Smartphone auf den Market gebracht, dass zwar erneut zum sofortigen Kassenschlager avancierte, doch – mit Ausnahme von Siri – wenige Neuerungen mit sich brachte. Entsprechend groß waren die Erwartungen vor dem iPhone 5-Launch, bei dem Apple nach zweieinviertel Jahren endlich ein neues Modell auf den Markt bringen würde.

Die Apple-Fanboys wurden zunächst nicht enttäuscht: Mehr als ein halbes Jahrzehnt nach dem Debüt erhielt das Kultsmartphone seine bislang größte Überholung. Das iPhone wuchs und schrumpfte zugleich: Es wurde um einige Millimeter länger, was Nutzern eine weitere App-Reihe auf dem Display bescherte, kam jedoch mit einem superflachen 4-Zoll-Display daher. Tatsächlich war das iPhone 5 bemerkenswerte 26 Gramm leichter als sein Vorgänger und brachte so nur noch 114 Gramm auf die Waage, das waren schon 29 Gramm weniger als das plastikartige Galaxy SIII von Samsung.

So wohlwollend die Kritiken zum leichten, vergrößerten iPhone 5 als Antwort auf Samsungs immer größere Smartphones waren – ein kleiner Fleck schien Apples weiße Weste zu beschmutzen. Maps, Apples eigene Antwort auf Googles Kartendienst gleichen Namens, den Apple mit der Verwendung auf dem ersten iPhone seit 2007 erst groß gemacht hatte, war nicht das, was sich Nutzer versprochen und vom Kultkonzern erwartet hatten.


Maps zeigte Bilder wie nach einer Zombie-Apokalypse: Autobahnen brachen plötzlich buchstäblich erdrutschartig ab, Landebahnen von Flughäfen schmolzen wie Eis in der Sonne, die Manhattan Bridge glich einer Achterbahn, und der Kölner Dom verschwand ganz. Apples Karten-App geriet tatsächlich zum größtmöglichen Spott, der sich im Social Web trefflich verbreitete. Apples Kritiker fühlten sich bestätigt: Apple hatte den Mund zu voll genommen und sich mit seinem Schnellschuss-Kartendienst trefflich blamiert.

Als Tim Cook in einem offenen Brief an Kunden Abbitte leistete („Wir entschuldigen uns vielmals dafür, unsere Kunden enttäuscht zu haben“), brach an der Börse die Hölle los und die Apple-Aktie ging in den freien Fall über. Es kam in den Folgemonaten alles zusammen: Hoffnungsträger IOS-Chef Scott Forstall wurde als Sündenbock entlassen, die Verkaufszahlen drohten die hohen Erwartungen zu enttäuschen - vor allem schien das iPhone 5 doch zu klein gegenüber dem aufkommenden Phablet.

Das iPhone 5 sah alt aus, als es vor zwei Jahren debütierte. Weil Apple seinen iPhone-Zyklus jedoch nur alle zwei Jahre mit einem gänzlich neuen Modell erneuerte, warfen Aktionäre entnervt das Handtuch und schickten die Apple-Aktie in den Folgemonaten auf eine dramatische Talfahrt. Das iPhone 5 wurde damit zum ersten Fehltritt der Tim Cook-Ära, die in seinem zweiten Amtsjahr plötzlich in den Krisenmodus überging, den ich in meinem Buch „Das Apple-Imperium“ nachgezeichnet habe.

 


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