Lytro Illum im Hands-on: Die neue Art zu fotografieren

Mit der Illum will Kamerahersteller Lytro das Fotografieren revolutionieren. Ob das klappt? Wir haben die neue Lichtfeldkamera schon ausprobiert.

In den vergangenen Jahren hat sich die digitale Fototechnik nicht wesentlich verändert: mehr Megapixel, bessere Optik, aber das war es dann auch schon. Bis jetzt, denn mit der Lytro Illum kann man getrost von einer Revolution sprechen. Ab Juli ist die Illum für 1599 Euro erhältlich, wir konnten uns die Kamera aber schon jetzt einmal anschauen.

Der Fotoapparat sieht auf dem ersten Blick wie eine herkömmliche Spiegelreflex- oder Bridgekamera aus. Der Body mit dem fest verbauten Objektiv setzt allerdings auf die sogenannte Lichtfeldtechnik. Damit lässt sich der Fokus bei einer Aufnahme nachträglich verschieben. Das funktioniert dadurch, dass die Digitalkamera nicht nur die Farben aufnimmt, sondern auch die Richtung des einfallenden Lichts. Dadurch lässt sich nicht nur der Fokus verändern, auch 3D-Effekte sind so möglich. Viele Smartphone-Hersteller versuchen diesen Effekt inzwischen durch eine Software-Lösung nachzubauen – im Vergleich allerdings mit eher bescheidenen Ergebnissen.

Für den Export der Illum-Fotos gibt es noch keine offizielle Software. Sobald der Hersteller die Aufnahme zuliefert, reichen wir sie an dieser Stelle nach. Allerdings wollten wir Euch das Hands-on nicht vorenthalten.

Es ist bereits die zweite Lytro-Kamera mit dieser Technik. Die kleine Schwester erschien vor einem Jahr, sah noch aus wie ein längliches Kästchen und war eher eine Machbarkeitsstudie als eine sinnvolle Kamera: zu unhandlich, zu kleines Display und wenig praxistauglich. Zwar steckt in der Illum die gleiche Technik, doch diesmal hat Lytro allein schon durch die Bauform und den Preis eher ambitionierte Fotografen im Visier. Während das Vorgängermodell noch elf Millionen Lichtstrahlen einfing, sind es bei der Illum jetzt 40 Millionen, was für deutlich mehr Bildinformationen sorgt. Und die Fotos haben nun statt einem quadratischen Format das gängige Seitenverhältnis 3:2.

Noch träge, aber flexibel

Als Betriebssystem dient eine Android-Variante, in der Kamera ist ein Snapdragon-Prozessor verbaut. Den Akku könnt Ihr austauschen, und der vier Zoll große Touchscreen dient als Steuerpult. Bei der Illum, die wir ausprobieren konnten, handelte es sich um ein Vorserienmodell – daher ist es zu verzeihen, dass die Kamera teilweise ein wenig träge reagierte. Auch werden sich Fotografen bei der Bedienung ein wenig umgewöhnen müssen: Viele Einstellungsmöglichkeiten, die man bei der Bildbearbeitung bisher am Computer vornehmen musste, lassen sich direkt an der Kamera justieren. Dadurch ist nicht jede Funktion selbsterklärend. Und um die Tiefenschärfe des Motivs zu scannen, muss vor dem Auslösen der Kamera ein weiterer Button gedrückt werden.

Ob die Kamera sich auch im professionellen Einsatz gut schlägt, werden wir in einem späteren Test prüfen. Aber schon jetzt waren mit der Illum optische Spielereien, wie 3D-Bilder und Animationen, möglich. Auch das Fotografieren funktionierte einwandfrei: Motiv auswählen, Fokus-Taste drücken und dann auslösen. Um sich das Foto anzuschauen, wischt man einfach über den Bildschirm. Das System berechnet automatisch alle Tiefeninformationen und integriert sie in die Aufnahme. Jetzt lässt sich direkt auf dem Display ein beliebiger Punkt des Bildes auswählen und der Fokus dadurch verschieben.

Galerie als interaktive Diashow

Eine ebenfalls zum Start der Kamera erhältliche App stellt die Fotos dann in einer hübschen Galerie dar, auch hier lässt sich die Tiefenschärfe durch eine Wischbewegung verändern. Ein netter Effekt, der Dia-Shows viel interaktiver macht.

Wir sind überzeugt, dass diese Technologie unsere Sehgewohnheiten bei digitalen Fotos massiv verändern wird - aber vor allem die Art, wie wir fotografieren. Vergleichbar ist dieser Effekt möglicherweise mit der Einführung von HD-Fernsehern: Hat man erst einmal einen hochauflösenden Film gesehen, will man keine schlechtere Qualität mehr. Noch ist die Illum eine Spielerei, und vielleicht wird es bei der Lichtfeld-Fotografie noch ein wenig dauern, bis sie sich durchsetzt. Aber das Unternehmen arbeitet bereits an einer Hardware-Lösung für Smartphones. Und dann will sicher niemand mehr darauf verzichten. Bis dahin ist die Illum von Lytro ein spannender Versuch, das Fotografieren zu revolutionieren.


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