MWC 2014, Tag 1: Nokia und Samsung dominieren Barcelona

Man kann die Bedeutung des Mobile World Congress nicht überschätzen. Schon die schiere Größe der Veranstaltung, die Vielzahl der Aussteller aus aller Welt, die mit noch viel mehr Geräten nach Barcelona gereist sind, wissen zu beeindrucken.

Auch die Resonanz ist gewaltig, Besucher aus allen Kontinenten drängeln sich durch die gewaltigen Hallen der Fira Gran Via. Alle wollen hier die neuesten Smartphones sehen und anfassen. Schließlich handelt es sich um neue Technologien, die sie täglich nutzen und der sie ihre persönlichen Daten anvertrauen – Geräte, ohne die die meisten der Besucher nicht mehr leben möchten. Denn bei der Frage "Wofür würde man umkehren, wenn man etwas Zuhause vergessen hat?" ist inzwischen die häufigste Antwort: das Smartphone.

Die Mobil-Welt zu Gast in Barcelona

Barcelona ist auf diesen Andrang exzellent vorbereitet. Überall in der Stadt gibt es Hinweise auf die Messe. Schon am Flughafen können sich die bereits registrierten Besucher ihre Eintrittskarten abholen, inklusive eines Tickets, mit dem sie während der Veranstaltung kostenlos die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen können.
Sonderzüge bringen die Besucher direkt zum Messegelände, Shuttlebusse fahren von Hotels zu den Haupteingängen und an zentralen Bahnhöfen geben unzählige Helfer freundliche Auskunft und weisen den Weg zur Messe. Die Welt ist zu Gast in Barcelona – und wird auch wie ein willkommener Gast behandelt.

Ein X, die Welt zu erobern

Bei Nokia war man ebenfalls vorbereitet, denn Zuschauer mussten nicht lange auf die Vorstellung der neuen Geräte warten. Und das Interesse daran war gewaltig – was ein wenig den Nokia-Verkaufscharts in Deutschland widerspricht. Aber es ist nicht allein der deutsche Markt, der für Nokia wichtig ist. Der Konzern hat viel größere Pläne. Es sind andere Länder, vor allem in Südamerika, Afrika und Asien, deren Einwohner noch nie mit einem Handy ins Internet gegangen sind.

MWC 2014: Nokia will mit seiner gut ausgestatteten X-Serie die Entwicklungsländer erobern.

Diese sogenannten Emerging Markets sind für die meisten großen Elektronikhersteller einer der wichtigsten potenziellen Umsatzbringer. Hier wird künftig das große Geld verdient, wer frühzeitig mit den richtigen Produkten vor Ort vertreten ist, hat die Chance dort Marktführer zu werden. Und wenn man in Deutschland von Millionen verkauften Smartphones spricht, sollen es in Ländern wie China, Indien oder Brasilien Milliarden Geräte werden.

So jedenfalls die Hoffnung von Nokia, das mit den auf dem Mobile World Congress vorgestellten Geräten, vor allem der neuen X-Serie, diese aufstrebenden Märkte bedienen will. Ob Nokia mit den Smart- und Featurephones, die in Bezug auf Leistung und Ausstattung unterhalb der erfolgreichen Lumia-Reihe liegen, chancenreich ist, ist dem Unternehmen offenbar nicht so wichtig. Für einige der Geräte gibt es nicht einmal einen konkreten Starttermin für Deutschland.

Nokias Android-Smartphones geben Rätsel auf

Dabei könnte gerade der niedrige Einstiegspreis auch hiesige Kunden begeistern: Ein ordentlich ausgestattetes Gerät gibt es bereits ab 89 Euro. Und enthalten ist darin eigentlich alles, was man auch von deutlich teureren Geräten kennt.

MWC 2014: Nokia preiswerte X-Phones setzen auf Android im Windows-Kachel-Look.

Allerdings bedeuten die neuen Geräte auch eine Kehrtwende: Statt Windows Phone ist eine Android-Version installiert, geschickt versteckt hinter der typischen Kacheloptik der Windows-Phones. Es wirkt wie eine mutige Entscheidung – oder wie das Eingeständnis einer Niederlage. Offenbar glaubt selbst Microsoft nicht daran, dass sich Smartphone-Einsteiger für ein Gerät entscheiden, auf dem Windows Phone 8 installiert ist.

Öffnung für andere Systeme ein Industrie-Trend?

Für die Käufer bietet dieser Systemwechsel allerdings viele Vorteile, denn nun haben sie Zugriff auf einen Großteil der Android-Apps, die sie mit einem Lumia-Gerät nicht nutzen können. Nur auf Google-Dienste müssen diese Kunden verzichten, stattdessen wurden die Pendants von Microsoft und Nokia vorinstalliert. Ein schlauer Schachzug, der auch durch in-App-Käufe Geld in die Kassen des Unternehmens spülen dürfte. 

Es wird sich aber zeigen, ob die Käufer tatsächlich so begeistert von den Geräten sind, dass sie danach unbedingt zu einem Windows Phone greifen werden – oder ob das Betriebssystem nicht irgendwann einfach egal wird. Es wäre nicht nur Nokia zu wünschen, wenn die teilweise Öffnung hin zu einem anderen System ein Industrie-Trend wird.

Sony Xperia: Nach 1 kommt 2

Ein Systemwechsel ist bei Sony dagegen nicht zu erwarten. Der japanische Konzern betreibt eher Modellpflege. Das Xperia Z1 bekommt ein Update: das Xperia Z2. Äußerlich ist auf den ersten Blick kaum ein Unterschied zum Vorgänger feststellbar. Doch das Smartphone hat es in sich: Videos können im neuen Highendformat 4K aufgezeichnet werden – auch wenn in kaum einem Haushalt ein Fernseher steht, der damit umgehen kann.

MWC 2014: Sony stellt seine gesamte Produktfamilie vor.

Außerdem gesellte sich zum neuen Smartphone-Boliden das neue Tablet gleichen Namens – nicht nur das ist ein Indiz, dass Sony inzwischen wie eine Familie denkt. Ob Kameras, Kopfhörer, Fernsehgeräte oder Spielekonsolen – auf dem Stand wurden alle Sparten des Konzern einträchtig miteinander präsentiert und konnten so ihre Stärken eindrucksvoll demonstrieren.

Und manchmal sind es dann eben die Details, die einen besonderen Eindruck hinterlassen. Wie beispielsweise der Playstation-Controller, der mit Xperia Z1 verbunden war, dessen Bild vom Spielverlauf wiederum in brillanter Qualität auf dem Fernseher gezeigt wurde. Was ist das Smartphone nun: Kamera? Telefon? Spielekonsole? Wohl irgendwie alles. Und das in perfekter Kombination.

Neues Samsung-Flaggschiff: Nr. 5 lebt

Kaum ein Messebesucher wollte die Präsentation von Samsung verpassen, die in einer Veranstaltungshalle eine halbe Autostunde vom Messegelände entfernt stattfand. Ein Orchester spielt theatralische Klänge, während Tausende Besucher ihre Plätze einnehmen. Fast wie ein Konzert – nur eher Night of the Proms statt Pharell Williams.

Es ist der Soundtrack für den Star dieser Veranstaltung: das Galaxy S5. Es ist die Fortsetzung eines Erfolgsmodells. Immerhin nutzen weltweit 200 Millionen Menschen ein Galaxy-Gerät. Nun könnt Ihr damit auch noch baden gehen, denn der Nachfolger ist wasserdicht. Die Kamera wurde deutlich verbessert und durch Features wie HDR erweitert. Und das Galaxy S5 bietet den Service Knox an, der die Daten besonders sicher verwahren soll. Das Gehäuse sieht zudem sehr schick aus, mit dem gemusterten Design in verschiedenen Farben. Ach ja, beim Sport soll das Gerät auch noch helfen.

Sowohl Samsung als auch Sony setzen ebenfalls auf tragbare Technik, die Wearables. Beide Hersteller stellen Sportbänder und Uhren vor, die mit dem Smartphone kommunizieren und mit herunterladbaren Funktionen aufgewertet werden können. Das ist sehr hilfreich beim Sport oder wenn man Nachrichten lesen möchte, ohne dafür immer aufs Handy schauen zu müssen.

Und sonst so: Blackphone verschenkt Chance, SanDisk mit 128 GB-Speicherkarte

Immer wieder verschätzen sich einige Aussteller bei der Anzahl der Gäste. So stellt das spanische Unternehmen Blackphone in einem viel zu kleinen Bereich ein abhörsicheres Smartphone vor. Gerade in Zeiten, in denen das Thema Datensicherheit auf jeder Agenda stehen sollte, ein spannendes Gerät. Man hätte sich vielleicht denken können, dass sich mehr als eine Handvoll Besucher dafür interessieren würde – eine verschenkte Chance.

Und für alle, die nie genug Speicher im Smartphone haben, um möglichst die komplette Musiksammlung mitzunehmen, bietet SanDisk jetzt eine Lösung an: Eine neue Micro-SD-Speicherkarte fasst 128 Gigabyte Daten und das bei der Größe eines Fingernagels. Rekord.


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