Philips Hue: Es werde (buntes) Licht!

Mit den Hue-Lampen von Philips taucht man seine Wohnung in jede erdenkliche Lichtfarbe. Per App steuert man Helligkeit und Farbwert jeder einzelnen LED-Leuchte. Dabei können die Leuchten auch auf Ereignisse reagieren.

Ich schwelge in Urlaubserinnerungen. Farben vermitteln Emotionen, und ich sitze gerade am Meer, dabei habe ich mein Wohnzimmer gar nicht verlassen. Eine Lampe erstrahlt im Hellblau des wolkenlosen Himmels, eine im tiefen Blau des Meeres und die dritte im Türkis der bewachsenen Felsen in Ufernähe, an denen ich gern entlang schnorchle.

Möglich macht diese Stimmung das Lampenset Hue von Philips. Die drei LED-Leuchten in meinen Stehlampen steuere ich per Smartphone-App. Natürlich könnte ich die Farbauswahl (16 Millionen möglichen Farben) per Farbskala erledigen, doch ein Foto ist deutlich emotionaler.

Mit dem iPhone schießt der Nutzer ein Bild oder wählt eins aus dem Album. Ich wähle den Blick aus meinem Urlaubsdomizil auf das Mittelmeer und ziehe mit dem Finger die Lampen-Nummern auf den gewünschten Bildbereich. Wie von Zauberhand nehmen die Hues (engl. Farbton) die gewünschte Farbe an.

Aufwachen mit Licht

Für die Spots im Badezimmer wähle ich ein vorgegebenes Lichtrezept. Dafür nutze ich zusätzlich die Timer-Funktion, so dass mein Badezimmer morgens bereits in warmes Licht getaucht ist, wenn ich in Richtung Dusche schleiche. In meinem Testaufbau habe ich neben den Starter-Sets mit drei Glühbirnen für das Wohnzimmer (E27 Schraubfassung) und drei Spots (GU 10) im Badezimmer noch die „Friends of Hue“ installiert. So nennt der niederländische Hersteller unter anderem das LED-Leuchtband.

Die so genannten LightStrips bestehen aus einem Stromkabel sowie einem zwei Meter langen, selbstklebenden Band mit kleinen LEDs. Das klebt man hinter Bilderrahmen, Regale oder unter die Theke in der Küche. Bei mir landet das Leuchtband im Kinderzimmer, rund um den Schrank meiner Tochter. Bleibt noch die LivingColors Bloom-Lampe. Die erinnert ein wenig an eine flache Müslischüssel mit schrägem Fuß. Sie platziere ich im Schlafzimmer, ich möchte morgens mit Licht geweckt werden.

Hürden bei der Installation

Das Eindrehen der Birnen und Spots ist simple, wobei die Hue-Varianten etwas länger sind als ihre klassischen Gegenstücke. Schließlich müssen Elektronik und Funkmodul neben der Leuchtdiode (LED – Light Emitting Diode) Platz finden. Bei knapp bemessenen Lampenschirmen ragen die Leuchtmittel also etwas heraus. Die Befehle erhalten die Hues per Funk von der so genannten Bridge. Diesen runden Steuerungskasten schließe ich mit einem Ethernet-Kabel an meinen Router an. Eine Bridge kann bis zu 50 Hue-Lampen steuern. Bei der Einrichtung des Systems über die iPhone-App werden die drei Lampen im Wohnzimmer und die LightStrips sofort erkannt. Die Bloom muss ich über die Lampen-Suche in der App hinzufügen und bei den Spots gibt es die harte Tour. Manuell muss ich die sechsstellige Seriennummer eines jedes Spots in die App eintippen. Das bedeutet, die Spots wieder aus den Fassungen fummeln, Nummer abschreiben und wieder reindrehen.

Blinken beim Tor der Lieblingsmannschaft

Doch danach hören alle Lichter auf mein Kommando. Dazu lässt sich noch einiges automatisieren. So sollen das Lichtband und die Bloom die gesamte Familie an jedem Wochentag um 6:30 Uhr wecken. Aber bitte sanft, zur Auswahl stehen ein drei- und neun-minütiges Aufblenden. In die andere Richtung zum abendlichen Einschlafen funktioniert das natürlich auch. Die Schaltmöglichkeiten sind beeindruckend: Ich lege einen Radius um die Wohnung und wenn ich den verlasse, gehen alle Hues automatisch aus. Oder eben anders herum: Sobald ich Abends nach Hause kommen, die Hände voll mit Einkaufstaschen, geht das Licht an.

Wer dem Hersteller Philips vertraut, kann auf dessen Server ein Online-Konto zur Fernsteuerung der Lampen einrichten. So lassen sich auch von besagter Urlaubsresidenz die heimischen Lampen an und ausschalten – die Alternative zur Zeitschaltuhr. Inzwischen findet man für Android und Apples iOS auch Apps von Drittanbietern in den Stores wie beispielsweise Hue Go und Hue Party. Mit letzterer App werden die Lampen im Wohnzimmer zu flackernden Disco-Lichtern, sei es als Stroboskop, im farbigen Zufallsmodus oder über das iPhone-Mikrofon nach Musikrichtung. Zwei Lampen kann man kostenlos in der App steuern; wer mehr möchte, muss die Funktion als In-App-Kauf freischalten (3,59 Euro).

Besonders begeistert haben mich die Kombinationsmöglichkeiten mit dem Online-Dienst If this then that. Mit derzeit 71 Online-Diensten kann der Anwender sein Licht kombinieren. Da blinkt die Wohnzimmerlampe, wenn Regen aufzieht und man die Balkonmöbel hereinholen sollte. Wenn man auf einem Foto bei Facebook markiert wurde, wird die Bloom blau, hat man bei Gmail eine Nachricht von einer ganz bestimmten Person erhalten, wird sie grün. Oder für Fußball-Fans: Hat die Lieblingsmannschaft ein Tor geschossen, blinken die Hues in den Vereinsfarben. Die Daten hierfür kommen von ESPN, dessen Bundesliga-Rubrik sich über IFTT mit den Lampen koppeln lässt.

Vorteil LED

Neben der Farbenpracht haben LED-Lampen noch weitere Vorteile. Weil hier nicht die meiste Energie in Wärme umgewandelt wird, werden die Hues nicht heiß. Auch wenn eine Lampe länger eingeschaltet war, kann man sie herausdrehen, ohne sich die Finger zu verbrennen. Damit geht ein weiterer Vorteil einher: die Hues verbrauchen rund 80 Prozent weniger Energie als klassische Glühbirnen mit Leuchtdraht.

Die Lampen im Starterset haben eine Leistungsaufnahme von jeweils 8,5 Watt bei einem Lichtstrom von 600 Lumen, was ungefähr einer klassischen 48 Watt-Glühbirne entspricht. Bis zu 15.000 Stunden sollen die Leuchten der Energiesparklasse A ihren Dienst tun. Im Gegensatz zu den meisten Energiesparlampen enthalten LED-Lampen kein Quecksilber, brauchen keine Aufwärmphase und lassen sich dimmen.

Philips schlägt mit seines Hues auch die Brücke zu seinen Ambilight-Fernsehern. Diese Flachbildschirme bieten auf der Rückseite ein sanftes Umgebungslicht, das die Farbstimmung des TV-Bildes aufnimmt. Mit der Ambilight-App und Philips-Fernsehern ab dem Modell-Jahr 2011 übernehmen auch die Hue-Lampen im Raum das Umgebungslicht.

Fazit

Die Farbpracht ist großartig. Statt nur an/aus, hell/dunkel, schafft man sich eigene Lichtstimmungen für ein nettes Abendessen, die Lektüre eines Buches, den Heimkinoabend oder die wilde Party. Die Idee mit der Farbwahl über ein Foto ist grandios und sehr persönlich. Philips zeigt mit Hue, welche Rolle Licht bei der anstehenden Hausautomation spielen kann. Dabei lassen sich die Lampen auch von Familienmitgliedern ohne Smartphone oder Tablet weiterhin nutzen. Sie schalten sie über die Wand- oder Schnurschalter ein- und aus. Dann allerdings nur in warmweiß und voller Intensität.

Einziger Wermutstropfen ist der Preis für das bunte Licht. Ein Starterset mit Bridge und drei Glühbirnen oder drei Spots kostet jeweils 199,95 Euro im Apple Store. Einzelne Spots oder Connected Bulbs, wie Philips das nennt, gibt es für 59,95 Euro – ein stolzer Preis für eine Glühbirne. Die Living Colors Bloom und die Light Strips aus der Reihe „Friends of Hue“ kosten jeweils 89,95 Euro.


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