„The Terror“: Amazons Horror-Serie nimmt uns mit auf eine eisige Expedition

Kalt und erbarmungslos wie das ewige Eis: Ab dem 26. März 2018 zeigt Amazon Prime jede Woche eine Folge von "The Terror". Die vom US-Kabelsender AMC produzierte Show basiert nicht nur auf einem preisgekrönten Horror-Roman, sondern auch auf wahren Begebenheiten.

Ja klar, werden einige jetzt sagen. Wahre Begebenheiten, das steht im Vorspann jedes zweiten Horrorfilms und ist meist völliger Quatsch. Euch sei versichert, in diesem Fall ist das anders. Denn "The Terror" beschäftigt sich mit dem Schicksal der verschollenen britischen Antarktis-Expedition von Sir John Franklin, die im Jahr 1845 mit den beiden Schiffen "Erebus" und "Terror" aus England lossegelte, um die Nordwestpassage zu kartografieren und so einen schnelleren Seeweg in den Pazifik zu finden. Welch grausamen Tod die gesamte Besatzung im ewigen Eis fand, wurde niemals geklärt. Im gleichnamigen Roman "The Terror" gibt es allerdings eine Vielzahl an Szenarien, eine schrecklicher als die andere...

Die beiden Schiffe Erebus und Terror geraten immer tiefer ins Packeis Nordkanadas.

"The Terror": Die historischen Fakten

Wer sich die Serie gern ansehen möchte und historisch so gar nichts drüber wissen möchte, sollte hier aufhören zu lesen und stattdessen nahtlos den Trailer anklicken. Denn wir verraten euch jetzt, warum die Story so unheimlich ist. Tatsächlich gab es diese Expedition, die den Ruhm des britischen Empire mehren und einen schnelleren Weg nach Westen finden sollte, wirklich. Was mit den 129 Männern der Expedition geschah, die unter Sir John Franklin ins Nordmeer segelten, weiß bis heute niemand, denn kein einziger wurde lebend gefunden. Erst 2014 und 2016 wurden die gesunkenen Wracks der Erebus und der Terror entdeckt. Bis heute gibt es zahlreiche Theorien zu den damaligen Ereignissen, von denen ein Zusammenspiel zahlreicher Probleme wohl die wahrscheinlichste ist. So waren die Konservendosen, damals ein gewaltiger Fortschritt für haltbare Lebensmittel, mit giftigem Blei verschlossen worden. Zudem fehlte Ausrüstung für die Kälte, wie Schutzbrillen gegen Schneeblindheit oder auch nur Schlitten für Jagdausflüge aufs Eis. Bis heute halten sich Gerüchte, dass möglicherweise auch Kannibalismus in den letzten Wochen der überlebenden Männer eine Rolle gespielt haben könnte. Genau wird wohl nie geklärt werden, was den 129 Männern im ewigen Eis tatsächlich zugestoßen ist.

129 tapfere (oder leichtsinnige) Männer suchten einen neuen Seeweg nach China – und fanden den Tod. (© 2018 Aidan Monaghan/AMC)

"The Terror": Die Buchvorlage

Auch der Horror- und Science-Fiction-Autor Dan Simmons interessierte sich für die Geschichte der Expedition und begann mit „The Terror“ eine ganze Reihe von Romanen, die historische Ereignisse in einem neuen Licht zeichnen. So schrieb Simmons nach „The Terror“ einen Roman namens "Drood", in dem es um den letzten unvollendeten Roman von Charles Dickens geht. Und in "Black Mountains" erzählt er von der Entstehung des Denkmals am Mount Rushmore.

Aber zurück zur Expedition: In dem dicken Wälzer zieht Simmons die Geschichte aus mehreren Perspektiven auf, allesamt verbürgte Teilnehmer der Expedition. Auf mehr als 800 Seiten beschreibt der Autor den Untergang der Männer, deren Arroganz angesichts der gewaltigen Natur letztlich ihr Ende zur Folge hat. So halten sich die britischen Offiziere für die Krone der Schöpfung und die technischen Errungenschaften ihrer Zeit  jeder anderen Ausrüstung überlegen. Lediglich Francis Crozier, Captain der Terror, der bereits Erfahrung mit dem hohen Norden sammelte, steht der eisigen Wucht des Winters mit mehr Demut gegenüber und weiß auch, dass die Inuit mit diesen Bedingungen weitaus besser zurechtkommen als die Engländer.

Doch die Beratungsresistenz von Expeditionsleiter John Franklin führt schließlich dazu, dass die Männer in der klirrenden Kälte Nordkanadas eine Macht entfesseln, der sie in keinster Weise gewachsen sind. Das blutige Sterben beginnt...

Captain Fitzjames führt eine kleine Gruppe Soldaten aufs Eis. Doch dort lauert ein tödlicher Gegner.

"The Terror": Die Serie

Schon kurz nach Erscheinen des Romans 2007 zeigten sich erste Produzenten an dem Stoff interessiert, doch es sollte bis 2016 dauern, ehe das Projekt tatsächlich konkret wurde. Der Kabelsender AMC sicherte sich schließlich die Rechte und begann mit den Dreharbeiten. Dazu konnten sie einige bekannte Gesichter als Hauptrollen verpflichten. So ist Jared Harris ("Sherlock Holmes: Spiel im Schatten") als Francis Crozier zu sehen. Ciaran Hinds, "Game of Thrones"-Fans bestens als Mance Ryder bekannt, spielt den arroganten John Franklin. Und Tobias Menzies ("Underworld: Blood Wars") agiert als der junge Captain Fitzjames.

Die zehn Folgen der Serie – eine zweite Staffel ist aus naheliegenden Gründen eher unwahrscheinlich – erzählen die Story so wie der Roman. Immer wieder erfahren wir in Rückblenden auch von den Umständen, die einzelne Männer auf die Schiffe ins Eis brachten. Und auch in Sachen Gewalt schont die Serie ihre Zuschauer nicht. Wenn die geheimnisvolle Macht die Männer der Expedition attackiert, dann fließt auch Blut. Allerdings legen die Macher weitaus mehr Wert auf die gruselige Atmosphäre und das Gefühl der ständigen Bedrohung, als auf allzu blutige Effekte.

Im Buch von Dan Simmons gelingt es dem Autor, schon beim Lesen ein Frösteln zu erzeugen, so brutal und eindringlich schildert Simmons die erbarmungslose Kälte. Das macht auch die Serie ausgezeichnet, die in beeindruckenden Bildern das ewige Eis und dessen gewaltige Kräfte zeigt – obwohl in Prag und Budapest im Studio gedreht wurde. Dazu ist die Serie auch bei der Ausstattung gut gelungen. Schiff und Mannschaft sehen so aus, wie wir das aus Geschichtsbüchern kennen, und lassen die Zeit um 1850 wieder aufleben.

Wer historische Serien schätzt und auch Horror und Grusel nicht abgeneigt ist, sollte ab 26. März unbedingt mal bei Amazon Prime vorbeischauen und sich die erste Folge ansehen. Sie könnte süchtig machen!

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