Warten auf den Apple-Fernseher: Warum es noch was wird

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Die Sehnsucht ist groß: Apple-Fans wünschen sich endlich einen Fernseher
Die Sehnsucht ist groß: Apple-Fans wünschen sich endlich einen Fernseher (© Apple Inc.)

Der Wunsch bei Apple-Fans ist immens: Endlich her mit dem Fernseher! Allein: er will und will einfach nicht kommen. Und das, obwohl Steve Jobs bereits kurz vor seinem Tod große Hoffnungen weckte. Was ist schiefgelaufen in Cupertino?

Es war das letzte große Versprechen der Steve Jobs-Ära: "Ich will einen integrierten Fernseher herstellen, der extrem einfach zu bedienen ist“, hat der legendäre Apple-Gründer Biograf Walter Isaacson am Sterbebett diktiert. "Er wird nahtlos mit allen anderen Apple-Geräten und mit iCloud synchronisiert. Er wird die einfachste Benutzerführung haben, die man sich denken kann. Ich habe es endlich geknackt." 

Das war im Oktober 2011. Staranalyst Gene Munster legt sich Jahr für Jahr fest: Der Apple-Fernseher würde definitiv in den nächsten 12 Monaten kommen. "Ein Apple TV ist Wirklichkeit“, stellte Gene Munster 2012 fest. "Es wird die größte Sache auf dem Markt für Verbraucherelektronik seit dem Smartphone sein".

Tim Cooks ewiges Versprechen: „Haben ein großes Interesse am TV-Markt“ 

Das war zwei Jahre her.  2013 erneuerte Munster seine Prognose und stand wieder mit leeren Händen da. Der Piper Jaffrey-Analyst wurde nicht zuletzt durch Tim Cooks Teaser-Taktik aufs Glatteis geführt, mit der der Apple-CEO scheibchenweise alle paar Monate den Eindruck erweckte, der Apple-Fernseher würde schon bald in den Verkaufsregalen stehen.

"Die meisten Leute sind mit dem Angebot an TV-Geräten nicht zufrieden – wir schauen uns das weiter an", lockte Cook 2012. Wenn Steve Jobs solche Andeutungen machte, schien klar: Das Produkt stand in den Startblöcken. Nicht unter der Ägide seines langjährigen Stellvertreters, der Ende 2012 noch einmal seine Versprechungen bekräftigte: „"Wir haben ein großes Interesse am TV-Markt" – doch wieder passierte  ein Jahr lang nichts.

Apple TV scheint auch in der vierten Generation „ein Hobby“ zu bleiben

Worin sich Apples Interesse am TV-Markt bezieht, dokumentieren die Entwicklungen der vergangenen Tage: Eine neue Version – die vierte Generation der Set-Top-Box – von Apple TV dürfte im Frühjahr vorgestellt werden. 

Das Update dürfte mit einem schnelleren Prozessor und einem neuen und einfacher zu bedienenden Interface daherkommen – und damit das bleiben, als was es Steve Jobs 2006 ankündigte: ein Hobby. Zumal Bloomberg auch noch berichtete, das neue Apple TV werde zwar im April vorgestellt, aber erst im Weihnachtsgeschäft verkauft.

Der Apple-Fernseher wird 2014 nicht kommen  – aber danach

Klar ist damit auch: 2014 wird erneut ein schmerzvolles Jahr für Gene Munster – mit dem Apple-Fernseher ist auch dieses Jahr nicht zu rechnen.  Wenn die Set-Top-Box, die softwareseitig das Herzstück des Fernsehers sein dürfte, neu auf den Markt kommt, wird kaum zeitgleich ein TV-Gerät gelauncht werden.

War es das damit für das längst mythisch verklärte iTV? Nicht unbedingt, denn es gibt zu viele Gründe, die immer noch für einen späteren Marktstart sprechen:

•  Das Festhalten am Hobby

Die erste Set-Top-Box stammt aus einer Zeit, an die sich viele heutige Apple-Benutzer kaum mehr erinnern können: Aus der Vor-iPhone-Ära. Im Herbst 2006, als Apple 50 Prozent seiner Umsätze mit dem iPod bestritt, stellte Steve Jobs die Set-Top-Box mit großen Hoffnungen als vierte Konzernsäule vor.  

In anderen Worten: Apple TV ist eine Produktkategorie, die vor dem iPhone und vor dem iPad auf den Markt kam, sich binnen der halben Ewigkeit von siebeneinhalb Jahren aber immer noch nicht über das Dasein vom Nischenprodukt weiter entwickelt hat.

Apple TV ist damit eines der ganz großen Kuriosa der Techbranche: Das Produkt, obwohl der IT-Pionier inzwischen auch geschätzte 8 Millionen Set-Top-Boxen pro Jahr verkauft, fällt gegenüber den anderen Sparten weiter ab – selbst die implodierende iPod-Unit setzt immer noch die drei- bis vierfache Menge ab. Warum hält Apple an einem Hobby solange fest, dass nach jedem Parameter Cupertinos ein veritabler Flop wäre? Und warum bepreist es die Set-Top-Box unter Marktwert?

• Apple TV ist zu billig

Zu 299 bzw. 499 Dollar  wurde das erste Apple-TV, seinerzeit noch mit einer physischen Festplatte bestückt, auf den Markt losgelassen. Das war seinerzeit preiswert – heute wird die geschrumpfte TV-Box sogar für unglaubliche 99 Dollar angeboten. 

Apple verfolgt damit die Amazon-Strategie: Das Produkt wird zum bzw. unter dem Selbstkostenpreis abgegeben, weil Cupertino das Projekt Wohnzimmer weiterverfolgen will. So unbefriedigend der Launch der vierten Generation der Set-Top-Box ist, so ein klares Signal ist es auch, dass Apple noch Größeres vorhat.

• Der Content-Deal mit Time Warner

Na endlich: Etwas scheint sich etwas bei den zähen Inhalte-Verhandlungen zu tun. Tim Cook scheint offenbar vor einem Deal mit dem ersten namenhaften Inhalte-Produzenten zu stehen. Wie Bloomberg berichtet, befindet sich Apple im fortgeschrittenen Gesprächen mit Time Warner. Damit wäre der Damm, der Apple mutmaßlich vom Launch seines Fernseher abhält, gebrochen.

Am Ende des Tages fehlt dem IT-Pionier für den Launch des Fernsehers schließlich vor allem eines: exklusiver Content. Die Software: in Form von Apple TV vorhanden. Die Hardware: Wer sich den neuen iMac ansieht, der weiß – bis auf kleine Details auch. iTV dürfte wie ein gigantischer iMac aussehen – nur das Display wird ein anderes sein.

• Das Jahr der 4K-Displays

Es war der Megatrend der CES: Der Angriff der 4K-Displays. Keine Überraschung: Es ist das WM-Jahr – Zeit also, dass sich etwas in Ultra-Highdefinition (3840 x 2160 Bildpunkte) dreht. Und das sogar schon zu erschwinglichen Preisen von ab 1000 Dollar. Dass Apple bei seinem Fernseher auf die nächste Display-Generation gewartet hat, liegt entsprechend nahe. Jetzt ist die Technik soweit.

Ergo: Der Apple-Fernseher wird kommen. Allerdings erst nach der iWatch, vermutlich also nicht vor Weihnachten 2015. Irgendwann im Boomjahr 2012 muss Tim Cook die Entscheidung gefällt haben, dass die Zeit doch noch nicht für einen Fernseher reif war, den Steve Jobs im Jahr zuvor schon zum Greifen nahe sah. Das erklärt die große Produktlücke des vergangenen Jahres: Tim Cook schaltete um – und gab der iWatch, die größeres Absatzpotenzial verspricht, den Vorzug. Wir lernen nicht zum ersten Mal: Apple kann eben nur eines zur Zeit.


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