Warum mich das Samsung Galaxy S3 auch 2014 noch rockt

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Samsung Galaxy S3
Samsung Galaxy S3(© 2014 Samsung)

Im Mai 2012 präsentierte Samsung der Welt ein Smartphone, das heute, mehr als zwei Jahre später, das am weitesten verbreitete Android-Gerät ist: Das Galaxy S3, intern als i9300 bezeichnet, hatte sich bereits im ersten Jahr nach seinen Erscheinen 50 Millionen mal verkauft und ist rückblickend betrachtet das bislang beste Modell der Galaxy-Reihe. Weder mit dem folgenden Galaxy S4 noch mit dem aktuellen Galaxy S5 konnten die Koreaner noch einmal einen solchen Meilenstein im Android-Universum setzen. Was das S3 so gut macht und warum ich noch heute leidenschaftliche Gefühle für den 4,8-Zoller hege – eine Hommage.

Über zwei Jahre hatte ich das Samsung Galaxy S besessen, das seinerzeit mein i900 Omnia abgelöst, mich in die Android-Welt eingeführt und mir damit quasi den Weg zum Redakteur in diesem Themen-Feld gewiesen hatte. Das Galaxy S war mein iPhone: mein erstes Smartphone mit funktionierendem, kapazitiven Touchscreen, meine erste Basis für massenhafte App- und Mobile Games- Installationen.

Es waren zwei Jahre gewesen, die Spaß gemacht hatten, die zum Ende hin aber immer zäher und ruckeliger wurden. Und so saß ich im Mai 2012 in London bei der Präsentation des neuen Galaxy S3, von dem ich im Vorfeld ahnte, dass es mein nächstes Vehikel auf der Reise durch die mobile Welt werden könnte ...

Liebe mit Hindernissen

Wochen zuvor hatte HTC auf dem MWC mit dem One X eine interessante Alternative zum damals noch nicht offiziellen S3 vorgestellt — und ich war gespannt auf Samsungs Antwort. Als die Koreaner am Abend des 3. Mai 2012 im Londoner Earl's Court den Vorhang lüfteten, war ich zunächst ein wenig enttäuscht: Das pseudo-organische Design, das irgendwie an Kieselsteine oder so was erinnern sollte, verschleierte meines Erachtens lediglich, dass Samsung wieder Polycarbonat in der denkbar schnödesten Weise eingesetzt und im Ergebnis kein wirklich hübsches Smartphone gebaut hatte; HTCs One X sah definitiv besser aus.

Eine Schönheit war das Samsung Galaxy S3 nicht(© 2014 Samsung)

Dennoch entschied ich mich — vielleicht aus Marken-Loyalität, eher aber wegen des AMOLED-Displays und des microSD-Kartenslots für das Galaxy S3 und gegen das One X. Am 7. Juni desselben Jahres, hielt ich, gleichsam als Geburtstagsgeschenk, den 4,8-Zoller dann in Händen. Und war nach wenigen Tagen erneut enttäuscht: Vermutlich aufgrund eines Produktionsfehlers zeichneten sich bereits nach kurzer Benutzung deutlich Mikro-Kratzer auf dem Gorilla Glass 2-Screen ab — erst mit einem sehr viel späteren Austausch des Gerätes sollte sich dieses Manko erledigen.

Die inneren Werte überzeugten

Das S3 mutierte für mich in der Zeit, die ich mit ihm verbrachte, nie zu einer Schönheit, aber ich gewöhnte mich an die seltsame Form und seine billige Anmutung — trotz dem es mit 133 Gramm auch noch relativ schwer war. Und es waren dann schließlich seine inneren Werte, die mich verführten.

Denn technisch überzeugte das S3 mich in den folgenden Monaten auf ganzer Linie: Der 720p-AMOLED-Screen, der bei einer Displaygröße von 4,8 Zoll auch für heutige Verhältnisse völlig befriedigende 306 ppi darstelle, bot im Vergleich zu der Smartphone-Genration davor, ein völlig neues, fantastisches Erleben mobiler Inhalte.

Der verbaute vierkernige Exynos 4412-Chipsatz mit der Mali 400-GPU erlaubte das flüssige Spielen damaliger High-End-Titel, der Speicherplatz für 720p-Videos und -Filme war dank microSD-Steckplatz schier unbegrenzt. Der 2.100 mAh-Akku trug mich locker über den Tag; da er aber auswechselbar war, ergänzte ich ihn später noch um einen zusätzliches Aggregat eines Drittanbieters mit 2.400 mAh Kapazität — das S3 war das perfekte Smartphone für einen Geek wie mich.

Und diese Kamera: 8 MP waren auch damals schon nicht mehr absolute Oberklasse, aber die Fotos, die das S3 schoss, waren über jeden Zweifel erhaben — ich erinnere mich an einen Urlaub in Portugal, bei dem eine Freundin mit einer teuren Kompaktkamera ausgerüstet war. Regelmäßig streckte sie frustriert die Waffen vor den Ergebnissen, die mein Galaxy S3 — dank des da schon ausgerolltem HDR-Modus — bei Vergleichsfotos produzierte. Mein aktuelles Nexus 5 kommt da bis heute nicht ran.

Das Samsung Galaxy S3 überzeugte unter seiner vielfarbigen Hülle(© 2014 Samsung)

Das Galaxy S3 hat mich glücklich gemacht — es blieb für mich lange Zeit nach seinem Marktstart das beste Android-Smartphone am Markt. Deswegen interessierte mich privat auch das ein Jahr später vorgestellte Galaxy S4 nicht sonderlich, dessen Kauf ich nicht ein Sekunde erwogen habe.

Einzig HTCs One führte mich 2013 kurz in Versuchung, denn das versprach mit seinem betörenden Äußeren Bedürfnisse zu befriedigen, die das S3 stets unerfüllt ließ. Aber es konnte in Sachen Akkulaufzeit und vor allem wegen des fehlenden microSD-Slots nicht mit dem konkurrieren, was das i9300 mir täglich bot — Schönheit vergeht, Akkulaufzeit und Speicher bleiben.

Das bessere Galaxy mini

Abgelöst wurde das S3 dann bei mir folglich erst im Herbst 2013 vom Nexus 5 — und zwar eigentlich auch nur, weil der Preis des Google-Smartphones für die gebotene Technik so wahnsinnig gut war. Ich war des S3 zu diesem Zeitpunkt gar nicht satt, ich wollte nicht zwingend ein neues Smartphone; ich hatte nur das Gefühl, mit der Zeit gehen zu müssen.

Heute vermisse ich das S3 oft genug — vor allem seine Laufzeit und die Möglichkeit, per microSD-Karte unkompliziert Inhalte auf das Smartphone zu übertragen. Trost finde ich darin, dass ich das Gerät jüngst einer Bekannten vermacht habe, die einen Einstieg in die Smartphone-Welt suchte und sich vom ersten Tag der Benutzung an bis heute so über das i9300 freut, wie ich es von 2012 bis 2013 tat.

Dass weder das Galaxy S4 noch das Galaxy S5 die Wirkung des S3 erreichen konnten, liegt indes natürlich auch an der Entwicklung in der Branche: Der Schritt von den bis dato vorherrschenden Display-Auflösungen zu 720p HD war im positiven Sinne einschneidender und merklicher als die spätere Evolution zu FullHD oder gar WQHD. Der Exynos 4412 war auf Dauer leistungsstark genug, um viele Nutzer bis heute zufriedenzustellen, während die Performance-Sprünge aktueller Snapdragon 800er- und K1-Prozessoren für viele mehr und mehr theoretischer Natur sind.

Und: Als das S3 erschien, ging es noch nicht ganz so sehr wie heute um den Look von Android-Phones. Das S3 markierte das Durchstarten des Android-Smartphones als ernst zunehmende Alternative zum iPhone bzw. als echte Smartphone-Option für die Masse — das S4 und das S5 bauten indes lediglich auf dessen Lorbeeren auf.

Und wenn ich mir die ganzen mini-Modelle der letzten Monate ansehe und teste, dann frage ich mich, warum jemand zu diesen überteuerten Mogelpackungen greifen sollte, wo es doch das großartige Galaxy S3 immer noch als Neuware zum deutlich kleineren Preis gibt. Ich jedenfalls überlege oft genug, mir aus reiner Nostalgie nochmal eines zuzulegen. Und eines steht fest: Mein Nexus 5 verbleibt auch nach seiner Ausmusterung als Erinnerungsobjekt bei mir.


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