Warum rettet das Silicon Valley nicht die Welt?

Ist San Francisco das neue New York?
Ist San Francisco das neue New York?(© 2012 CC: Flickr/Marcin Wichary)

Sind die Tech-Kids so elitär, dass sie die wahren Probleme in der Welt nicht mehr sehen? Sogar Chelsea Clinton richtet uns aus, endlich mal die Welt zu retten. Wir brauchen mehr als nur Dating-Apps und Social Networks.

Wo ist die Revolution?

Als ich vor einem Jahr nach Silicon Valley zog, dachte ich, hier findet eine Revolution statt - Technologien, die Industrien aufrütteln und unser Leben verbessern. Wenig später kam die Ernüchterung. Die nächste große Foto-App, das bessere Facebook für Marketer, eine noch nie da gewesene Travel-App: Was Gründer hier pitchen, hat in den wenigsten Fällen mit Revolution zu tun.

Das Silicon Valley hat ein Problem – mit der Jugend. So beschreibt die New York Times das Phänomen. Die Tech-Kids bauen Anwendungen und Services für Tech-Kids. Mitarbeiter wollen lieber für große Namen und hippe Arbeitgeber arbeiten. Und die sind nicht immer die, die die Welt retten.

Medien lästern über San Francisco

Ohne Frage: Mehrere Unternehmen haben in den vergangenen Jahren ganze Branchen neu definiert. So macht die Unterkunftsvermittlung Airbnb Hotels Konkurrenz. Services wie Zipcar oder Uber bestimmen, wie wir uns fortbewegen.  Im großen Gesamtbild ist das, was hier passiert, wenig weltbewegend.

"__ is broken, let's fix it and disrupt the industry", lautet die Standardphrase von "Serial Entrepeneurs", wenn sie ein neues Projekt beginnen.  Klar, hier entstehen tolle Produkte, von denen ich mir wünsche, dass der Rest der Welt sie irgendwann auch nutzen wird. Aber die Welt verändern, da hat das Silicon Valley noch einige Arbeit vor sich.

Es ist verständlich, dass beinahe jede Woche ein Medium über die Elite in San Francisco schimpft. "Ist San Francisco das neue New York?", fragt das New York Magazine und berichtet von exzessiven Parties in Startup-Villen, die an den Boom der Wall Street in den 80er Jahren erinnern. Mich erinnert die Stadt derzeit ein bisschen an Seattle in den 90er Jahren, wo jeder Teil einer Rockband war und Flanellhemden trug, und der Rest der Welt versuchte, dieses Phänomen zu verstehen und die Kultur nachzuahmen.

Technologien, die helfen

Sogar Chelsea Clinton, Tochter des früheren US-Präsidenten, richtete uns diese Woche aus, dass wir jetzt endlich mal die Welt retten sollen. Das Silicon Valley habe das Potenzial, die Ressourcen und das Talent, mit neuen Technologien Entwicklungsländern zu helfen.

Aber natürlich gibt es in der innovativsten Wirtschaftsregion Startups und etablierte Unternehmen, die nicht nur Dating-Apps und Elite-Marktplätze bauen. Ekso Bionics etwa baut Gehroboter, die Menschen mit Lähmungen oder Verletzungen bei der Rehabilitation unterstützen. Und der Roboter Romibo hilft Kindern mit Autismus beim Lernen.

Rettet das Silicon Valley die Welt? Noch nicht, aber es gibt genug Beispiele abseits der Startups, über die die Tech-Presse gerne berichtet, die etwas verändern wollen. Aber da geht noch mehr...


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