Was hinter Teslas 5 Mrd. schwerer "Gigafactory" steckt

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Tesla
Tesla(© 2014 Tesla)

Der Elektroauto-Hersteller will ab 2017 500.000 Fahrzeugbatterien produzieren. Damit stellt sich Mastermind Elon Musk auf den Massenmarkt ein. Bisher ist das Modell S nur auf den Straßen von Silicon Valley alltäglich.

Radikale Innovation in der Automobilindustrie

Wer einmal in einem Tesla sitzt, merkt vor allem eines: Der Wagen ist leiser als jedes andere Fahrzeug, das man zuvor betreten hat. Das kann man über den Hersteller selbst jedoch nicht sagen. Elon Musks Elektroauto-Schmiede macht gewaltig Lärm mit seinem Unternehmen in der Automobil-Branche - durch radikale Innovation und Milliarden-Investments.

Musks aktuellster Masterplan ist der Bau einer eigenen Batteriefabrik. Bisher hatte Tesla seine Lithium-Ionen-Batterien von internationalen Anbietern zur Produktion in Silicon Valley importiert. Vier bis fünf Milliarden lässt sich Tesla die neue Fabrik kosten. Davon will Gründer Musk 1,8 Milliarden US-Dollar am Kapitalmarkt durch Wandelanleihen einsammeln. Zwei Milliarden Dollar wird das Unternehmen selbst investieren.

Einsteiger-Modell in Entwicklung

"Gigafactory" nennt Musk unbescheiden dieses Projekt. Der Betrieb soll 2017 aufgenommen werden, als Standorte sind Texas, Arizona, New Mexico und Nevada in der engeren Auswahl. Das Brisante daran: Tesla darf seine Autos bislang nicht in Texas vertreiben. Wer ein Model S will, muss dieses direkt im Headquarter bestellen. Der Fabriksstandort wird dem Unternehmen zufolge mehr als 400 Hektar beanspruchen. Rund 500.000 Fahrzeugbatterien soll die Produktion pro Jahr anfertigen. Das sind Experten zufolge mehr als die gesamte Industrie weltweit derzeit produziert.

Das zeigt, in welch großen Dimensionen Tesla-Chef Musk denkt. Im vergangenem Jahr verkaufte er 22.450 Stück des Modell S. Dieses Jahr rechnet das Unternehmen mit 35.000 verkauften Einheiten. Mit einem Verkaufspreis ab 69.000 US-Dollar befindet sich das Modell S noch in einem Preissegment, das den Einstieg in den Massenmarkt erschwert. Deshalb arbeiten Musks Entwickler bereits an einem neuen Modell, das für etwa 40.000 US-Dollar erhältlich sein soll. Das "Modell E" wird bei der Detroit Auto Show dieses Jahr vorgestellt und soll laut Plan ab 2015 verkauft werden. Wer nicht so lange warten will, für den hat Tesla gemeinsam mit den großen US-Banken Finanzierungsmodelle ausgehandelt.

Eine weitere Baustelle beschäftigt Musk außerdem: Während die US-Westküste bereits gut mit Aufladestationen ausgestattet ist, hinkt der Rest der USA hinterher. Erst vor einigen Wochen schafft es ein Tesla-Fahrer, von Küste zu Küste zu fahren, allerdings mit Umwegen. Das Modell S kommt derzeit mit einer Stromladung 200 Meilen weit, 73 offizielle Ladestationen betreibt Tesla in den Vereinigten Staaten bisher.

Verlust verringert

Bis das Elektroauto aus Silicon Valley massentauglich ist, sind also noch viele Investitionen notwendig. Diese haben ihren Preis, und so verbucht Tesla noch immer Verluste. Im Jahr 2013 erwirtschaftete das Unternehmen zwei Milliarden US-Dollar und verringerte den Verlust auf 74 Millionen US-Dollar. 2012 waren es noch 396 Millionen US-Dollar.

Aus konservativ-europäischer Sicht mögen die Zahlen und die Visionen Musks wahnsinnig wirken. Die Börse zeigt jedoch Vertrauen. Nach Bekanntwerden der Pläne für die Batterieproduktion erreichte die an der NASDAQ gehandelte Aktie ein Rekordhoch von 265 US-Dollar. An der Börse ist Tesla mittlerweile mehr als 30 Milliarden US-Dollar wert - halb so viel wie die Auto-Giganten General Motors und Ford.

Aus konservativ-europäischer Sicht wirken Musks Visionen wahnsinnig.

Was den Wert in den vergangenen Wochen ebenfalls in die Höhe trieb, waren Gerüchte um eine Übernahme von Apple. CEO Musk bestätigte, sich mit den M&A-Managern des Konzerns getroffen haben, zieht aber keinen Verkauf in Erwägung.

Das Modell S ist neben dem Toyota Prius und den Corporate-Bussen ein beliebtes Fortbewegungsmittel für die Fahrstunde zwischen San Francisco und dem Silicon Valley - bisher allerdings nur bei Investoren und erfolgreichen Unternehmern mit entsprechend gefüllten Bankkonten. Tesla wird zwar die nächsten Jahre weiterhin Verluste schreiben, jedoch nicht mehr von den Straßen verschwinden. Entweder Musk baut ein profitables Geschäft auf, oder ein Automobilkonzern schnappt sich das Innovationsunternehmen, um den Zukunftsmarkt Elektroauto zu dominieren.


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