Was können Fitnesstracker wirklich? Eine Personal Trainerin gibt Antworten

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Tina von CURVED (rechts) im Interview mit Personal Trainerin Maria Kusche
Tina von CURVED (rechts) im Interview mit Personal Trainerin Maria Kusche(© 2018 CURVED)

Muss ich jeden Bissen tracken? Wie rücke ich meinen Stoffwechsel zurecht? Warum bin ich ständig müde, nehme nicht ab oder baue keine Masse auf? Wir haben eine Personal Trainerin interviewt, die bei ihren Kunden gezielt auf Fitnesstracker setzt. Hier erklärt sie, welche Wahrheiten Wearables ans Tageslicht bringen – und wie ihr diese sinnvoll nutzt.

Maria Kusche ist Personal Trainerin und verwendet in ihrer Arbeit mit den Kunden grundsätzlich Fitnesstracker. Wir wollten von ihr wissen, warum: Wie lassen sich die gewonnenen Werte über getane Schritte, verbrannte Kalorien und Tiefschlafphasen interpretieren und sinnvoll für unterschiedliche Fitness- und Gesundheitsziele nutzen? Klar ist: Nach diesem Interview wollt ihr alle einen Fitnesstracker tragen – oder, falls ihr schon einen habt, keinen Schritt mehr ohne machen.

Interview mit Personal Trainerin Maria Kusche

CURVED: Liebe Maria, du bist ein großer Fan von Fitnesstrackern und nutzt diese auch tagtäglich in deinem Job als Personal Trainerin. Erklär uns doch mal, inwiefern Wearables da helfen.

Maria Kusche: Fitnesstracker geben einen Überblick über die tatsächliche Bewegung und den Energieverbrauch. Der ist entscheidend für Ernährungs- und Trainingspläne: Egal, ob man abnehmen oder "nur" fitter werden möchte. Hierbei geht es nicht allein um sportliche Betätigungen, sondern vor allem darum, den eigenen Körper lesen zu lernen: Die Zahlen, die der Tracker sammelt, muss man interpretieren können. Es gibt tausende Diät-Konzepte und Fitnessprogramme. Viele Leute machen diese mit, ohne eine genaue Ahnung zu haben, welche Bedürfnisse ihr Körper hat. Meine Ernährungspläne sehen nie gleich aus, weil jeder Stoffwechsel anders arbeitet. Am Ende geht es nicht nur um die Kalorienzahl, sondern auch um die Makronährstoffe: Natürlich kann man seinen Energiebedarf nur über Schokolade decken und trotzdem abnehmen. Aber zielführend ist das nicht.

Maria Kusche ist Personal Trainerin und nutzt gerne Fitnesstracker für ihre Ernährungs- und Fitnesspläne.(© 2018 CURVED)

CURVED: Aber noch können Activity Tracker unsere Ernährung nicht automatisch tracken...

Maria Kusche: Das stimmt leider. Die Ernährung konsequent zu tracken, ist aufwendig, aber lohnt sich! Wir sind Gewohnheitstiere und ernähren uns ja nicht jede Woche komplett anders: Die ersten Tage muss man jedes Lebensmittel erst in die App eintragen, aber später braucht man sie nur noch kopieren beziehungsweise auswählen. MyFitnessPal ist aus meiner Sicht in Sachen Food-App Marktführer und erleichtert das manuelle Tracken der Nahrungsmittel und Getränke ungemein. Ansonsten lohnen sich auch die Ernährungs-Apps LifesumFDDB und fatsecret.
Mal für einen Monat genau zu dokumentieren, was man tagtäglich alles so isst und trinkt, hilft total dabei, die eigenen Gewohnheiten kritisch zu hinterfragen und den eigenen Stoffwechsel besser zu verstehen. Das geht aber nur, wenn man das wenigstens ein paar Wochen konsequent durchzieht: Einige Kunden tracken die Milch im Kaffee grundsätzlich nicht oder vernachlässigen kleine Snacks oder Gemüse in ihrer Auflistung, weil sie denken, das hat ja ohnehin kaum Kalorien. Aber am Ende des Tages können diese paar Ausnahmen dann 200 bis 400 Kalorien ausmachen und die fehlen mir dann in meiner Berechnung. Wenn ich mit einem Kunden auf ein moderates Abnehmziel von einem Kaloriendefizit um 400 Kalorien hinarbeite, dann bleibt der Erfolg genau wegen dieser Details aus – und der Kunde ist frustriert.

CURVED: Und was kann man da machen? Viele Leute haben ja nicht die Zeit oder Lust, jeden Bissen zu tracken, oder?

Maria Kusche: Das stimmt, das macht auch nur Sinn, wenn man es richtig macht, ansonsten kann man das Tracken sparen. In dem Fall schreibe ich meinen Kunden einen festen Ernährungsplan. So müssen sie ihre Ernährung nicht dokumentieren, sind aber eben auch nicht so flexibel in ihrer Lebensmittelwahl."

CURVED: Und wie erlebst du das Feedback zum Thema Activity Tracker?

Maria Kusche: Die meisten meiner Kunden haben schon irgendeine Art Activity Tracker, angefangen bei Schrittzähler-Apps bis hin zur Apple Watch. Wer noch keinen hat, ist in der Regel sehr offen dafür. Ich gebe anfangs gern einen Fitnesstracker zur Leihgabe mit, eben um den Kalorienbedarf möglichst ganz genau zu ermitteln: An manchen Tagen macht man Sport, an anderen nicht, am Wochenende isst und trinkt man mehr.  Es geht darum, einen Überblick zu gewinnen und alle paar Monate zu kontrollieren, ob man noch auf Kurs ist. Die meisten Leute sind nach einer Woche mit Actitvity Tracker auch voll dabei und wollen sich direkt ein eigenes Wearable kaufen.

CURVED: Welche Fitnesstracker kannst du denn empfehlen?

Maria Kusche: Früher habe ich viel mit Polar gearbeitet, inzwischen empfehle ich die neuen Geräte von Fitbit, das Fitbit Charge HR, oder für die, die mehr ausgeben mögen, auch das Fitbit Blaze: Das erkennt Sportarten automatisch. Außerdem haben die neueren Fitbit-Geräte wie auch die Apple Watch, die sich vor allem für Laien eignet, einen Pulsmesser. Die Daten zur Herzfrequenz oder Körpertemperatur nutzen Anwendern aber nur etwas, wenn sie sich auskennen oder einen Personal Trainer haben, der sie interpretieren kann. Pro Schritt verbrennt man übrigens 0,04 Kalorien, dementsprechend machen 10.000 Schritte schon 400 Kalorien aus. Gut zu wissen, oder?

"Eine junge Kellnerin von normaler Statur, die an stressigen Tagen auf rund 45.000 Schritte kommt und 4.800 Kalorien verbrennt – das ist vergleichbar mit einem Leistungssportler!"(© 2018 CURVED)

CURVED: Inwiefern hilft das Wissen über getane Schritte und die Schlafstunden im Alltag?

Maria Kusche: Junge Frauen verbrennen oft recht viel – ohne es zu wissen – und essen aber dafür sehr wenig, oft nur 1.000 bis 1.500 Kalorien am Tag. Ich trainiere zum Beispiel eine junge Kellnerin von normaler Statur, die an stressigen Tagen auf rund 45.000 Schritte kommt und 4.800 Kalorien verbrennt – das ist vergleichbar mit einem Leistungssportler! Und sie hat sich gewundert, warum sie immer müde und kraftlos war. Kein Wunder, ohne ausreichende Energiezufuhr. Ohne Tracker wären wir darauf aber nicht gekommen. Mit einem angepassten Ernährungsplan kann man einen verrutschten Stoffwechsel in ein paar Wochen wieder gerade rücken und auch an Lebensqualität gewinnen, weil man körperlich wie mental einfach fitter ist und auch wieder besser schläft. Es geht gar nicht immer nur ums Abnehmen.

CURVED: Welche Werte schaust du dir außerdem an?

Maria Kusche: Wenn man seinen Körper verändern will, liegt der Fokus zu 80, wenn nicht sogar 90, Prozent auf der Ernährung. Aber um den Energiebedarf zu ermitteln, gilt mein erster Blick der körperlichen Aktivität. Den Grundumsatz kann man mit Formeln und Apps leicht ermitteln, aber der Arbeitsumsatz ist entscheidend. Dann schaue ich mir die Ernährung an: Hier kann ich dann auch sehen, welche Art Training ihn bei seinen Zielen unterstützt und ob der Stoffwechsel angekurbelt werden muss. Danach folgt der Blick auf die Schlafqualität: Ohne ausreichend tiefen Schlaf kann der Körper nicht regenerieren. Kann man schlechte Routinen ändern? Am Ende geht darum, den Körper richtig zu lesen: Ich weiß jetzt, warum ich so viel Hunger habe, immer friere oder so müde bin. Oder aber sich Ziele zu setzen: Heute bin ich erst 4.000 Schritte gegangen, dann mache ich jetzt einfach noch einen Spaziergang. Bei diesem Lernprozess können Acitvity Tracker uns tatsächlich sehr gut unterstützen!

Noch mehr zu unserer Interview-Partnerin Maria Kusche

Die 28-Jährige kommt aus Schwerin und lebt seit 2008 in Hamburg, wo sie als Personal Trainerin arbeitet. Maria ist Quereinsteigerin und hat einen Master-Abschluss in Sonderpädagogik. "Ich war in der Schule früher richtig unsportlich", sagt sie über sich selbst. Ihre späte Liebe für Sport bezieht sich vor allem auf Calisthenics und Kraftsport. Darüber hinaus ist sie Wearable-Fan und kennt sich bestens mit Fitnesstrackern und Apps aus. Wer mehr erfahren will oder ein Training mit ihr absolvieren möchte, schaut auf ihrer Webseite vorbei oder folgt ihr auf Instagram.

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