Weltverbesserer: Zuckerberg feiert 10 Jahre Facebook

Das Portal, auf dem wir alle viel zu viele wertvolle Stunden verschwenden, feiert diese Woche sein zehnjähriges Jubiläum. Dabei kommt uns Facebook gar nicht so alt vor – in erster Linie deshalb, weil es in Zentraleuropa erst vor fünf Jahren den Mainstream erreichte. Gründer und CEO Mark Zuckerberg wandte sich am Dienstag in einem perfekt getexteten Status Update  an seine Follower.

Die „Welt vernetzen“ ist etwas zu weit gegriffen. Überlassen wir das doch lieber der UNO.[ad id="mobile_half"]

Hier eine Analyse seiner sentimentalen Reflexion der ersten zehn Jahre:

„Eine Frage, die ich mir immer stelle: Warum waren wir diejenigen, die dieses Netzwerk gebaut haben? Wie waren nur Studenten. Wir hatten viel weniger Ressourcen als große Unternehmen. Wenn die sich auf dieses Problem konzentriert hätten, sie hätten's hinbekommen.“

Süßer „humble brag“, Mark. Studenten sind nicht die kaufkräftigste Zielgruppe der Bevölkerung und nur dann interessant, wenn man ihnen Kredite andrehen kann. Ein solches Projekt wäre für jeden Konzern eine Nebenbaustelle gewesen, in die sie auch nicht mehr Ressourcen als einige Entwickler investiert hätten. Facebook ist eine Website, keine Autobahnumfahrung.

„Die einzige Antwort, die mir dazu einfällt: Uns hat das mehr beschäftigt.“

Ah ja. Studenten verkuppeln steht wahrscheinlich nicht auf der Top-Prioritäten-Liste von großen Konzernen. Danke Mark, dass du dich dem Problem angenommen hast. Dieser Satz  - „We just cared more“ - wurde übrigens mehrfach in meinem News-Feed geteilt. Kompliment an die Texter.

„Wir haben uns einfach mehr als alle anderen darum gekümmert, die Welt zu verbinden. Und das tun wir heute noch.“

Autsch, liebe PR-Berater, jetzt wird es etwas klebrig. Und ich muss Zuckerberg auch widersprechen, denn 2004 war sein Ziel, alle Studenten der US-Unis zu „connecten“. Die „Welt“ ist da etwas zu weit gegriffen. Überlassen wir das doch lieber der UNO.

„Jetzt haben wir die Ressourcen, um Menschen auf der ganzen Welt zu helfen, größere und wichtigere Probleme zu lösen. Heute hat nur ein Drittel der Weltbevölkerung Internetzugang. Im nächsten Jahrzehnt haben wir die Chance und Verantwortung, die anderen zwei Drittel zu vernetzen.“

Auch hier muss ich die Texter kritisieren: für die Überbeanspruchung des Wortes „Welt“. Wenn ich Zuckerberg hier richtig verstehe, monetarisiert er unsere Daten und unsere Surfzeit, um Entwicklungsländern zu helfen? Immer wenn ich den Facebook-Campus besuche, habe ich den Eindruck, mit dem Geld werden die Snackboxen aufgefüllt, der Innenhof gereinigt und Journalisten mit Cake Pops versorgt. In Wahrheit ist der Absatz aber Promotion für Zuckerbergs „Internet“-Initiative zur Schließung der digitalen Kluft. Alles gut und schön, aber mit dem Wissen, dass die Nutzerzahlen der Plattform stagnieren und derzeit bei 1,2 Milliarden hängen, riecht das stärker nach Eigennutz als nach Gemeinwohl.

„Heute geht es bei Social Networks vorwiegend darum, soziale Momente zu teilen. In der nächsten Dekade werden sie dabei helfen, Fragen zu beantworten und komplexe Aufgaben zu lösen.“

Hey, Mark. In letzter Zeit mal Facebook verlassen? Seit Jahren haben sich soziale Medien darauf gestürzt, Wissenslücken zu füllen. Ich frage mich, welcher Coffeeshop in meinem Umfeld der beste ist? Yelp weiß es. Ich will wissen, welches Newsletter-Tool für meinen Anwendungsfall am geeignetsten ist? Das Frage-Antwort-Portal Quora weiß es. Ich suche nach einem legalen Streaming-Service im Ausland? Meine Twitter-Timeline weiß es. Ja, es gibt noch viel Luft nach oben was die semantische Suche zu komplexen Aufgabenstellungen betrifft. Aber zu sagen, dass derzeit überall nur soziale Momente geteilt werden, trifft einfach nicht auf den gesamten Social Media-Markt zu.

„Es ist erstaunlich anzusehen, wie ihr alle unsere Tools genutzt habt, um eine echte Community aufzubauen.“

Oh, danke für die Blumen! Es stimmt, ohne die Eigendynamik der User wäre Facebook wohl nicht über das College-Netzwerk hinausgekommen. Heute sind sämtliche Familiengenerationen über die Website verbunden. Auch wenn Zuckerberg es nun behauptet, berechnen konnte er das 2004 nicht.

„Danke, dass Ihr mich Teil dieser Reise sein lässt.“

Der obligatorische Abschluss, wie es im PR-Lehrbuch steht. Alles wird gut. Immerhin haben mehr als 860.000 User diese Statusmeldung geliked. Zuckerberg und sein Team machen also trotz aller Kritik einiges richtig. Und wir verschwenden weiter unsere Zeit.


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