Wenn Journalisten zu Investoren werden

An der Sand Hill Road haben sich die renommiertesten Venture Capital-Firmen Silicon Valleys angesiedelt.
An der Sand Hill Road haben sich die renommiertesten Venture Capital-Firmen Silicon Valleys angesiedelt.(© 2009 CC: Flickr/Michael Reuter)

Tech-Journalist Om Malik gibt die Führung seines Blogs GigaOm ab und steigt dafür ins Venture Capital-Geschäft ein. Sind Journalisten die besseren Investoren?

Im Jahr 2006 startete der renommierte Journalist Om Malik sein eigenes Medium: GigaOm. Durch seine Erfahrung als Tech-Reporter für diverse Magazine und Zeitungen sowie seinen Ruf in der Branche war der Erfolg des Blogs logisch. Diese Woche gab der Gründer und Geschäftsführer jedoch bekannt, das Tagesgeschäft zu verlassen. Der Grund: Er steigt als Partner bei der VC-Firma True Ventures ein. Für sein eigenes Blog stellte er vor seinem Ausstieg übrigens auch noch acht Millionen Dollar VC-Kapital auf.

Vom Blog zum eigenen VC-Fonds

Malik reiht sich mit seinem Karrierewechsel neben TechCrunch-Gründer Michael Arrington. 2011 gründete er mit Crunchfund seinen eigenen VC-Fonds. Das stieß bei TechCrunch-Eigentümer AOL auf Widerstand. Investments in und Berichterstattung über Tech-Startups seien unvereinbar. Nach einem längeren Streit verließ Arrington sein Blog. Mit Crunchfund investierte unter anderem in das private Social Network Path, das Enterprise-Messaging-Service Yammer und AirBnb.

Als Unterstützung schnappte sich Arrington wenige Monate später ebenfalls einen TechCrunch-Reporter - Apple-Fan MG Siegler. Nach eineinhalb Jahren wechselte der jedoch im Mai 2013 zu Google Ventures. Die VC-Unit des Suchmaschinenkonzerns gilt als einer der begehrtesten Kapitalgeber. Im Portfolio finden sich der Chauffeur-Dienst Uber, das Smart Home-Startup Nest Labs sowie der eSignatur-Anbieter Docusign.

"Gute VCs stellen die richtigen Fragen"

Der ehemalige Mashable-Redakteur Ben Parr startete 2012 den DominateFund und wollte damit Hollywood-Stars motivieren, in Startups zu investieren. Dieser Plan ging nicht auf, weshalb Parr die Ausrichtung änderte. Den Startups, an die DominateFund sich beteiligt, will er durch Expertise in Public Relations und Marketing einen Mehrwert bieten. Derzeit hat DominateFund drei Early Stage-Startups im Portfolio.

Ein Veteran unter den VCs mit journalistischem Background ist Michael Moritz. Er war unter anderem Autor für das Time Magazin und spezialisierte sich auf die Apple-Berichterstattung. 1986 stieg er bei Sequoia Capital ein und zählt seither zu den wichtigsten VCs des Silicon Valleys. Die Firma war jüngst wegen ihrer Beteiligung an WhatsApp in den Nachrichten.

Wie man ein VC wird

"Gute VCs stellen die richtigen Fragen" meinte Hunter Park, ehemaliger Google-Manager und seit vergangenem Jahr Partner seiner eigenen Firma Homebrew Ventures, kürzlich bei einem Panel mit dem Titel "How to become a VC". Dadurch lässt sich auch der Sprung vom Journalismus erklären. Tech-Reporter hören jede Woche bei Events und Coffee-Dates unzählige Pitches. Im Gegensatz zum Rest der Community kann diese Berufsgruppe keine Euphorie vortäuschen. Journalisten hinterfragen, haben eine gesunde Skepsis und bestenfalls nicht nur Verständnis ihres eigenen Fachgebiets, sondern umfassendes Wissen über Wirtschaft und Gesellschaft. Sie streichen im Kopf die Worthülsen, die die Tech-Szene gerne um sich wirft, und analysieren den mageren restlichen Inhalt. Gute Journalisten können deshalb innerhalb weniger Minuten abschätzen, ob eine Startupidee Potenzial hat.

Was Investoren von Journalisten unterscheidet, ist nicht nur der finanzielle Aspekt. VCs versuchen Marktpotenzial zu sehen, auch wenn der Produktname unaussprechbar ist und nach fünf Minuten noch nicht klar ist, was die Gründer eigentlich "disrupten" wollen. Journalisten hingegen drehen sich nach spätestens einer Minute Stammeln und Herumwerfen von Buzzwörtern um und holen sich den nächsten Drink.


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