Wer ist das Gesicht hinter Bitcoin wirklich?

Das Mastermind hinter Bitcoin hatte sich 2010 offiziell zurückgezogen.
Das Mastermind hinter Bitcoin hatte sich 2010 offiziell zurückgezogen.(© 2014 Flickr/Scottks1)

Der Scoop war fast zu gut, um wahr zu sein. Für seine erste Printausgabe seit 14 Monaten hatte das US-Magazin Newsweek eine Coverstory, dessen Timing nicht besser sein könnte: Ein Reporter will den Entwickler der virtuellen Währung entdeckt haben. Der Mann dementiert jedoch - und die Story zog in den vergangenen Tagen große Kreise. 

Satoshi Nakamoto war in der Bitcoin-Community als Entwickler des Algorithmus  hinter der virtuellen Währung bekannt - allerdings nur anonym. In einem Forum postete dieser User  2009 das ursprüngliche Paper, welches Bitcoin erklärt. Ein Jahr später, als die Währung zwar in der Szene bekannt war, aber noch lange nicht von Mainstream-Medien entdeckt, zog sich Nakamoto zurück. Zu seiner Identität gibt es mehrere Theorien. Es könnte sich um einen japanischen Mann, der in den USA lebt, handeln.  Viele vermuteten hinter dem Namen keine Einzelperson, sondern ein Entwickler-Kollektiv.

"Ich habe mit der Sache nichts mehr zu tun"

Der Mann, den Newsweek gefunden hat, trägt allerdings auch im echten Leben den Namen Satoshi Nakamoto. Der 64-Jährige lebt in Kalifornien und kommt ursprünglich aus Japan. Und er arbeitete in der Vergangenheit als Entwickler. Als die Magazinreporterin ihn aufspürte, meinte Nakamoto, er habe mit der Sache nichts mehr zu tun. Newsweek setzte die Stücke des Puzzles zusammen und glaubte, den wahren Bitcoin-Erfinder gefunden zu haben.

Als der Mann am Donnerstag von Medien belagert wurde, war er dementsprechend überrascht. Gegenüber der Nachrichtenagentur AP hielt er fest, dass er sich bei seiner Aussage auf seine bisherigen Entwickler-Jobs, unter anderem für die US-Regierung bezog. Bis vor drei Wochen habe er  noch nichts von Bitcoin gewusst. Von der Technologie hörte Nakamoto erstmals, als sein Sohn ihm erzählte, dass die Newsweek ihn besuchen wollte.

Erst kürzlich von "Bitcom" gehört

Nakamotos Englisch ist nicht perfekt, und er bezeichnete die Währung im Interview wiederholt als "Bitcom". Für Kritiker ist das einer der Indikatoren, dass die Newsweek mit ihrer Annahme falsch lag. Der User, der vor fünf Jahren in der Bitcoin-Community unterwegs war, habe ein besseres Englisch geschrieben.

Die Newsweek hält jedoch an der Coverstory fest. Chefredakteur Jim Impoco zeigt sich trotzdem bereit, Fehler einzugestehen, wenn jemand den Bericht glaubwürdig widerlegt. Nicht nur der angebliche Bitcoin-Erfinder kommt diese Woche nicht zur Ruhe. Die Reporterin befindet sich laut Impoco derzeit unter Sicherheitsschutz, nachdem sie Morddrohungen erhalten habe.

Lebenszeichen von Newsweek

Die Community der virtuellen Währung zeigt sich über die Aufdeckergeschichte wenig begeistert. "Man findet nicht einfach Satashi Nakamoto", schreiben die Autoren des Fachblogs Coindesk. Selbstverständlich gab das Thema auf Twitter Stoff für unendlich viele Scherze her. Das Online-Magazin Slate startete zudem das Quiz: "Bist Du der Erfinder von Bitcoin?".

Für die Newsweek dürfte sich der Bericht ausgezahlt haben. Vor wenigen Tagen noch war das Medium quasi tot. Aus wirtschaftlichen Gründen stellten die Herausgeber die Printausgabe des Magazins vor mehr als einem Jahr ein. Das junge Verlagshaus IBT Media kaufte die Publikation im vergangenem Sommer und veranlasste nun die Wiederaufstehung. Die Bitcoin-Coverstory ist jetzt ein kräftiges Lebenszeichen, das zwischen Erfolg oder Misserfolg entscheidet, wenn die Behauptungen verifiziert oder widerlegt werden.


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