Werbung auf der Smartwatch: Ein Horror-Szenario?

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Die Smartwatch als Schmuckstück? Motorola versucht, sein Moto 360 so zu positionieren
Die Smartwatch als Schmuckstück? Motorola versucht, sein Moto 360 so zu positionieren(© 2014 Motorola)

Das Gute an Smartwatches ist, dass sie Smartphone-Features aufs Handgelenk bringen. Das Ungute ist, dass das nicht immer gut ist – Stichwort: Werbung. Tecsol Software hat sich das Ziel gesetzt, die erste Werbeplattform für Android Wear zu schaffen. Was die Software-Schmiede da plant, ist... nun ja, Geschmackssache.

Stellen wir uns vor, Eure Motorola Moto 360 navigiert Euch gerade von A nach B – so weit, so gut. Die smarte Uhr kennt nicht nur den Weg, sondern auch die Uhrzeit und Eure Gewohnheit, am Vormittag gerne mal einen Kaffee zu trinken. Also weist sie Euch auf dem Bildschirm via Texteinblendung darauf hin, dass unweit Eurer Route ein Barista in seinem Laden mit einer Tasse des schwarzen Wachmachers auf Euch wartet.

„Why ads on Moto 360 will be awesome!“

Genau dieses Szenario beschreibt Manjunath Padigar, Sales- und Marketing-Chef des indischen Software-Unternehmens Tecsol, in einem mit „Why ads on Moto 360 will be awesome!“ recht optimistisch betitelten Eintrag auf dem firmeneigenen Blog. Für die Werbeindustrie ist derlei kontextsensitive, auf den Nutzer quasi maßgeschneiderte Wearable-Werbung natürlich sehr attraktiv – zumal das Betriebssystem Android Wear zumindest bislang keine Browser-Apps vorsieht und die üblichen Web-Ads damit erst einmal vom Handgelenk fern bleiben.

Bei der recht eingeschränkten Display-Fläche haben die sonst so verbreiteten Werbebanner innerhalb von Apps wenig Chancen, von den Nutzern akzeptiert zu werden. Folglich muss sich Werbung auf Smartwatches als Service tarnen. Das kann im Einzelfall praktisch und clever sein, oder aber nervig und aufdringlich.

Werbefinanzierte vs. werbefreie Wearables?

Dass Werbung in irgendeiner Form auch auf Smartwatches stattfinden wird, ist zu erwarten. Die tragbaren Datensammler sind als Werbefläche und gleichzeitige Informationsquelle viel zu attraktiv, um nicht als solche genutzt zu werden. Einen Werbezwang muss das aber nicht bedeuten: Analystin Jennifer Kent sagte gegenüber VentureBeat etwa voraus, dass einige Hersteller ihre Smartwatches gezielt als werbefreie Produkte vermarkten werden, um sich von anderen abzusetzen. Zudem halte sie es für wahrscheinlicher, dass nicht das Weareable selbst, sondern das damit verbundene Smartphone die mobile Litfaßsäule wird.

Um tatsächlich eine so attraktive Werbeplattform zu werden, wie das theoretische Brainstorming von Tecsol verspricht, müssen sich Smartwatches erst einmal auf dem Markt etablieren. Dabei könnte die zum Erfolg quasi verdammte iWatch von Apple helfen; Werbung allerdings nicht, im Gegenteil, wie Analyst Jim Nail feststellt: „Werbung ist nicht, wonach die Kunden [beim Kauf eines Wearables] suchen“. Finden werden wir sie trotzdem früher oder später – in welcher Form auch immer.


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