Whisper: Gar nicht so anonym für einen anonymen Dienst?

Für sensible Informationen ist das Netzwerk Whisper offenbar nicht geeignet
Für sensible Informationen ist das Netzwerk Whisper offenbar nicht geeignet(© 2014 Whisper, CURVED Montage)

Erweist sich das Geschäftsmodell als fadenscheinig? Die eigentlich unter der Flagge eines anonymen sozialen Netzwerks segelnde App Whisper erfasst offenbar sehr genau, was die Nutzer von welchem Ort aus in dem sozialen Netzwerk posten.

Diese sensiblen Daten würden von dem Unternehmen gespeichert und auf Anfrage sogar den Behörden mitgeteilt. Um dies zu legalisieren, habe Whisper nun sogar nachträglich seine Nutzungsbedingungen angepasst. Die Geodaten würden sogar dann erfasst, wenn Nutzer die Bestimmung ihres Standortes auf dem mobilen Gerät deaktiviert hätten, berichtet der Guardian. Diese Praxis widerspricht den Versprechen von Whisper, seinen Nutzern eine anonyme Plattform zum Austausch von Nachrichten und Bildern zu bieten.

"Offen und ehrlich"

In der Beschreibung zur Anwendung fordert das Unternehmen hinter Whisper seine Nutzer auf, das Netzwerk zum Austausch von "offenen und ehrlichen" Inhalten zu nutzen. Die von Millionen genutzte App ist in den USA vor allem bei Mitarbeitern des Militärs beliebt, die auf diese Weise Informationen austauschen können, die sie nicht über andere soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter teilen würden.

Gerade diese Klientel sei aber besonders im Fokus der Sicherheitsbehörden, die wiederum von Whisper mit Informationen zu Standorten und Inhalten der Nutzer versorgt würden. Das Unternehmen habe auf Anfrage mitgeteilt, keine Nutzerdaten zu erfassen – und änderte offenbar nur wenige Tage später seine Nutzungsbedingungen. Demnach ist es den Whisper-Betreibern nun gestattet, die Standorte der Nutzer zu erfassen, selbst wenn diese es ausdrücklich untersagt haben.

Whisper-CEO Michael Heyward nannte sein Netzwerk erst vor Kurzem den "sichersten Platz im Internet" – die Praxis des Unternehmens spricht eine andere Sprache, sollten sich die Anschuldigungen des Guardian als wahr erweisen. In Situationen, die eine anonyme Kommunikation erforderlich machen, ist das äußerst wertvolle Unternehmen also wohl doch keine echte Alternative.


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