Wie Kim Kardashian Candy Crush killt

Unfassbar !12
Kim gewinnt: Immer mehr Gamer wollen dem Hollywood-Promi nacheifern
Kim gewinnt: Immer mehr Gamer wollen dem Hollywood-Promi nacheifern(© 2014 Glu Mobile, Candy Crush, CURVED Montage)

Die Vorlieben der Spielsüchtigen können ziemlich wechselhaft sein –nichts ist bekanntlich langweiliger als das Hit-Spiel des letzten Jahres. Die Mega-App dieses Sommers setzt dem bislang erfolgreichsten Online-Spiele-Anbieter King Digital nun zu. Candy Crush Saga hat mit abwandernden Nutzern zu kämpfen, die lieber Kim Kardashian auf dem Weg zum Hollywood-Promi nacheifern als Süßigkeiten zu ordnen.  

Plötzlich waren 23 Prozent weg. So hart stürzen die Aktien von Candy Crush-Anbieter King Digital heute nach Vorlage der neuen Quartalszahlen ab, nachdem King  im Frühjahr schon mit einigen Startschwierigkeiten an der Börse debütierte. Zu 22,50 Dollar wurde das Papier seinerzeit ausgegeben, um schon am ersten Handelstag unter den Ausgabekurs durchzusacken.

Der echte Einbruch erfolgte indes erst heute mit voller Härte. Mit 14 Dollar liegt King nun schon fast 40 Prozent unter dem Ausgabekurs von vor vier Monaten. Dabei sieht die Geschäftsbilanz des jüngsten Quartals auf den ersten Blick positiv aus: Umsätze und Gewinne ziehen im Vergleich zum Vorjahr um 30 bzw. 31 Prozent an, immerhin 159 Millionen Dollar bei Umsätzen von 594  Millionen Dollar blieben hängen - Summen, die hoch gewettete Überflieger wie Twitter oder GoPro, die ein Vielfaches von King wert sind, längst nicht verdienen.

King: Umsatzrückgang wegen Candy Crush

Doch der Trend zeigt beim Candy Crush-Anbieter bedenklich nach unten. Im Dreimonatszeitraum April bis Juni setzte King fast 50 Millionen Dollar weniger um als im Quartal zuvor. Das lag in erster Linie am großen Spiele-Hit Candy Crush, dessen Stern zu sinken scheint.  “Der Rückgang bei Umsatz und Bookings gegenüber dem ersten Quartal 2014 ist in erster Linie auf Verluste bei Candy Crush zurückzuführen.”

Wieder einmal bewahrheitet sich die alte Binsenweisheit: Nichts ist älter als der Erfolg von gestern. Vor allem, wenn als neue Konkurrentin vor ein paar Wochen eine der angesagtesten Stars der Popkultur den Ring betreten hat. Seit Ende Juni ist Kim Kardashian: Hollywood im Apple App Store und Google Play Store erhältlich und sorgte kräftig für Furore.

In-App: Schnell Hunderte Dollars verjubelt 

Das Erfolgsprinzip ist selbsterklärend. In der App können Spieler ihren Aufstieg in Hollywood simulieren und erhalten dabei Tipps der virtuellen Kim Kardashian. Damit das Ziel schneller erreicht wird, müssen allerdings die nötigen Anschaffungen – neudeutsch: In-App-Käufe – getätigt werden. Eine Halskette etwa kostet 400 virtuelle Dollar. Insgesamt kann ein Nutzer bis zu 99,99 US-Dollar für 175.000 virtuelle Münzen ausgeben.

Dass das bei jugendlichen Nutzern, die dem Super-Promi virtuell nacheifern wollen, schnell ins Geld geht, ist hinreichend dokumentiert. Knapp 500 Dollar verjubelte Jezebel-Redakteurin Tracie Morrisey an ihrem ersten Testwochenende kurz nach Launch („Ich weiß. Ich weiß! Ich bin die Dümmste. Ich bin so ein Schaaf!“)

„Man muss halt sicherstellen, dass die Kindersicherung aktiviert ist“

Über den Suchtfaktor beklagte sich auch die Bestseller-Autorin Ayelet Waldman, deren Sohn (auch Jungs spielen das Kardashian-Spiel) 120 Dollar für In-App verpulvert hatte. Die Neu-Gattin von Kanye West sei „ein widerlicher Drecksack“.  Kim Kardashian fühlte sich davon indes nicht angesprochen.

„Man muss halt sicherstellen, dass die Kindersicherung aktiviert ist“, teilte der 33-jährige Doku-Soap-Star am Montag in der Today-Show mit. „Ich glaube, man muss einfach so verantwortungsvoll  damit umgeben und seine Kreditkarten nicht mit dem Kinder-Account verbunden haben“, merkte die Instagram-Berühmtheit an, die für nächstes Jahr ein prall gefülltes Buch mit Selfies geplant hat.

Kim Kardashian versaut Candy Crush die Bilanz 

Die Rechnung zahlen andere und vermehren damit auf erstaunliche Weise das ohnehin schon erkleckliche Vermögen der Selbstdarstellerin. Enorme 90 Millionen Dollar könnte Kardashian mit ihrer App in diesem Jahr erlösen, weil 45 Prozent der Erlöse an sie gehen. Im Umkehrschluss bedeutet das: Spielehersteller Glu Mobile könnte einen echten Mega-Hit landen – und bis 200 Millionen Dollar umsetzen, prognostizieren Analysten.

Entsprechend haussierten die Papiere von Glu seit dem Launch im Juni. Bezahlt wird Glus mutmaßlicher Erfolg mit dem Liebesentzug der Candy Crusher. Wie die Deutsche Bank in einer heutigen Studie vorrechnet, zögen die Nutzer weiter - zu Kim Kardashian! „Der Wettbewerb bei Freizeitspielen ist enorm, „Kim Kardashian: Hollywood“ und „2048“ sprechen die demografisch selbe Nutzergruppe an“, schreibt die Deutsche Bank - und stuft die King-Aktie ab.

Da haben wir die Bestätigung, mit der wir insgeheim schon immer gerechnet haben: Doku-Soap-Star Kim Kardashian, die einst durch einen Privat-Porno berühmt geworden war, ist süßer als Zucker – und begehrenswerter als Süßigkeiten sowieso….


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