Wie viel mehr verdient Apple am teureren iPhone 6?

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Teures iPhone 6: Apple-Fans dürften die Geldspeicher Cupertinos weiter füttern
Teures iPhone 6: Apple-Fans dürften die Geldspeicher Cupertinos weiter füttern(© 2014 Youtube/SCAVids Hdconcept)

Die Gerüchte brodeln über: Wird das hochpreisige iPhone 6 in der achten Generation zum teuersten Apple-Smartphone aller Zeiten? Bis 100 Dollar mehr will Apple offenbar am Ende sehen und entsprechend bei Mobilfunk-Providern durchsetzen. Die Chancen stehen gut für Cupertino, dass der Aufschlag durchgeht. Was bliebe am Ende aber beim iKonzern hängen?

Es ist die eine Gelegenheit, auf die Tim Cook seit zwei Jahren wartet: Den Kunstgriff zu wagen, der die erodierende Gewinnmarge wieder nach oben korrigiert. Die befindet sich nämlich seit eineinhalb Jahren unter Druck. So sehr Apple im September 2012 sein neues Smartphone-Flaggschiff als größte Veränderung anpries, die das iPhone seit dem Launch fünf Jahre zuvor erlebte hatte, so sehr mussten Aktionäre doch den Preis zahlen.

Das iPhone 5 verpasste nicht nur die turmhohen Verkaufserwartungen, es wurde auch mit seiner ausgedünnten Verbauung, die das Gewicht gegenüber dem Vorgängermodell iPhone 4S um fast 30 Gramm sinken ließ, in der Produktion teurer als erwartet. Die Folge: Apples notorisch hohe Gewinnmarge, die in den Vorquartalen 2012 noch bei enormen 47 Prozent gelegen hatte, kollabierte regelrecht auf 38 bis 36 Prozent.

Multimilliarden-Dollar-Frage: Wie viel kostet die iPhone 6-Generalüberholung?

Bei 37 Prozent hat sich Apples Brutto-Gewinnspanne in den vergangenen Quartalen mit dem Launch des iPhone 5s und 5c nunmehr eingependelt, doch der Sprung zu einer  großen iPhone-Generation wird von Anlegern und Analysten stets kritisch beäugt, ist er doch oft genug mit steigenden Kosten und schwer kalkulierbaren Variablen in der Zuliefererkette verbunden. 

Beim Umstieg auf das iPhone 6 gilt das in besonderem Maße. Nach allem, was die Leaks bislang erkennen lassen, wird das nächste iPhone eine Generalüberholung erhalten, die beim Display anfängt. Der umstrittene Saphirglas-Bildschirm dürfte mehr kosten als die von Corning hergestellte Gorilla Glass-Variante der Vorgänger-Generationen.

Saphirglas wohl teurer als Gorilla Glass

Das weitaus dünnere und kratzfestere Display, das von Japan Display, LG Display und Sharp hergestellt werden soll, sei nach Angaben von Corning-Managern „zehnmal teurer, 1,6- mal schwerer und aufgrund eines 100-mal höheren Energieverbrauchs in der Herstellung auch noch schlecht für die Umwelt“. Klingt gruselig, dürfte indes als PR in eigener Sache für Corning einzuordnen sein. 

Ob und wie viel teurer Apple der Produktionsumstieg zum iPhone 6 tatsächlich zu stehen kommt, verliert sich weiter im Spekulativen. Entsprechend liegen die Argumente bei Tim Cook, mit dem neuen, größeren iPhone nun an der Preisschraube zu drehen, so wie Apple es bereits bei der zweiten iPad mini-Generation getan hat, die für 50 Dollar / Euro mehr mit einem Retina Display verbaut wurde.

Hebt Apple den iPhone-Preis um 100 Dollar an, haussieren die Gewinne

In dieser Größenordnung dürfte sich der Aufschlag beim iPhone 6 mindestens bewegen, teilte Jefferies-Analyst Peter Misek gestern mit. Seine Berechnung: „Eine durchschnittliche Preisanhebung um 50 Dollar dürfte den Margendruck ausgleichen“, wird Misek, der in diesem Fall einen leichten Umsatzzuwachs von zwei Prozent und einen Anstieg des Gewinns je Aktie von immerhin 11 Prozent in Aussicht stellt, beim Finanzportal TheStreet.com zitiert

Geht Apple noch einen Schritt weiter und bekommt einen Preisaufschlag von 100 Dollar durchgesetzt, dürfte das in der Konzernbilanz 2015 überaus erfreuliche Spuren hinterlassen: Die Umsätze würden in diesem Fall um sechs Prozent anziehen, der Gewinn je Aktie sogar um enorme 24 Prozent auf über 50 Dollar pro Anteilsschein.

„Wir gehen davon aus, dass eine Preisanhebung des iPhone 6 von 50 Dollar die Gewinnmarge um 375 Basispunkte und bei 100 Dollar um 700 Basispunkte steigern würde“, schreibt Misek in seiner Analyse.

iPhone–Kunden könnten Gewinnzuwächse finanzieren 

Bedeutet: In diesem Fall hätte Apple mit seinem Preisaufschlag wohl mehr dazuverdient als der iKonzern an Bauteilen und Produktionskosten drauflegen müsste. Am Ende dürfte der von Kunden bezahlte Aufschlag damit in den Geldspeichern von Cupertino ankommen  und könnte letzten Endes Aktionären zugutekommen. 

Ob die Rechnung aus den Hochzeiten des iZyklus zwischen 2003 uns 2012 noch einmal aufgeht, ist indes eine andere Frage. Fast ein Jahrzehnt konnten die Aktionäre unter den Apple-Fans bedenkenlos mit den Kurssteigerungen der Apple-Aktie die nächsten Produktkäufe finanzieren - und vice versa. Auf den Tag genau mit der Einführung des iPhone 5 riss die Serie. Bei Kursen von aktuell 518 Dollar dominiert unterdessen weiter die Skepsis…


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