Wikileaks-Informant: US-Regierung verhindert Treffen mit UN-Beauftragtem

Die Veröffentlichung geheimer US-Depechen auf der Enthüllungsplattform Wikileaks schlug im vergangenen Jahr hohe Wellen - mit Auswirkungen bis heute. Die US-Regierung sieht sich zunehmend in der Kritik, Menschenrechtsorganisationen werfen ihr sogar Folter vor: Die Haftbedingungen des mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning seien untragbar, heißt es. Nun hat sich auch der UN-Sonderbeauftragte für Folter, Juan Mendez, zu Wort gemeldet.

Mendez veröffentlichte anfang der Woche eine entsprechende Mitteilung. Darin kritisiert er die US-Regierung scharf und bemängelt, man habe ihm kein vertrauliches Treffen mit Manning gewähren wollen - trotz mehrfacher Anfragen.

Washington beschwichtigt

Promt meldete sich das US-Verteidigungsministerium zu Wort und erklärte, Mendez könne sich selbstverständlich mit Manning treffen. Einschränkend wurde jedoch darauf hingewiesen, eine unbeaufsichtigte Zusammenkunft sei gegebenenfalls nicht möglich - dies sei den Anwälten vorbehalten.

Doch genau da liegt der Knackpunkt. Ein vertrauliches Vier-Augen-Gespräch könnte helfen, die Vorwürfe von unabhäniger Seite zu prüfen. Kritiker werfen der US-Regierung vor, sie wolle genau das verhindern.

Isolationshaft ohne Kleidung und Brille

Mannings Anwalte hatten schon Anfang des Jahres von unwürdigen Haftbedingungen gesprochen. So sei sein Mandant aufgrund angeblicher Selbstmordgefährdung unter erhöhte Beobachtung gestellt worden, obwohl dies der Gefängnispsychiologe ausdrücklich abgelehnt hatte. Der 23-jährige Gefreite musste in einer engen Zelle ausharren - ausgezogen bis auf die Unterhose, ohne Decken, Kissen und persönliche Gegenstände. Teilweise habe man ihm sogar seine Brille genommen.

Auch Amnasty International hatte Washington damals "unmenschliche Behandlung" vorgeworfen. Mit der neuerlichen Kritik des UN-Beauftragten dürfte der internationale Druck auf die US-Regierung wachsen, im Fall Manning zu handeln.

Kollaborateur und Verräter

Manning wird Kollaboration mit dem Feind und Landesverrat vorgeworfen. Tatsächlich hatte er während seiner Dienstzeit bei den US Marines Zugang zu vertraulichen Dokumenten. Er gilt als wahrscheinlichste Quelle für die Irak-Dokumente und diplomatischen Depeschen, die über Umwege an Wikileaks gelangt sein sollen.

Im März trat ein Sprecher des US-Außenministeriums zurückgetreten, nachdem er Mannings Internierung im kleinen Kreis als "kontraproduktiv und dumm" bezeichnet hatte.