Wird Facebooks anonymer Messenger gar nicht so anonym?

Das Versprechen von Anonymität könnte in Facebooks neuer Messenger-App einseitig sein – zum Schutz der Gesprächskultur
Das Versprechen von Anonymität könnte in Facebooks neuer Messenger-App einseitig sein – zum Schutz der Gesprächskultur(© 2014 CC: Flickr/JacobDavis)

Erst vor Kurzem gab es Berichte über eine geplante Facebook-App, die anonymes Chatten ermöglichen soll. Doch laut TechCrunch ist der geheimnisvolle Messenger eventuell doch gar nicht so anonym, da Facebook seine Nutzer trotz nach außen hin anonymer Accounts kenne. Allerdings sei dies auch notwendig, um den neuen Dienst vor Spammern zu schützen.

Eine anonyme Facebook-App könnte so funktionieren, dass der Nutzer innerhalb der Anwendung tatsächlich komplett anonym bleibt, Facebook selbst jedoch das Profil des betreffenden Nutzers kennt und dessen Account zuvor auf seine Authentizität überprüft. Dies könne durch eine verifizierte Telefonnummer, die Überprüfung der Freundesliste sowie der Dauer der Facebook-Zugehörigkeit geschehen. Fällt ein Nutzer der Messenger-App unangenehm auf und wird gemeldet, kann Facebook ihn sperren oder gar seinen Account löschen.

Risikofaktor Anonymität

Das altbekannte Problem von anonymen Accounts ist häufig, dass sie mitunter auch dem Verbreiten von Spam, Beleidigungen und fragwürdigem Gedankengut dienen. Die Anonymität des Internets lässt bei manchen Nutzern bekanntermaßen sämtliche Hemmungen fallen. Besonders kontroverse Themen wie Religion, Sexualität oder Politik sind anfällig für Angriffe aus dem Netz. Da Facebook generell sehr genau weiß und sichtbar macht, wer was wie kommuniziert, überlegen sich manche Nutzer sehr genau, was sie dort schreiben. Dadurch sind rationale Gespräche auch über polarisierende Themen zwar möglich, allerdings hemmt die Offenlegung der Identität manchen Nutzer auch daran, eventuell unbeliebte Meinungen zu vertreten, da diese dann mit seinem Namen in Verbindung gebracht werden. Facebooks anonymer Messenger soll zum einen den offeneren Austausch über schwierige wichtige Themen ermöglichen. Zum anderen würde eine innere Identifikation der Nutzer die Community besser vor Störenfrieden schützen als völlige Anonymität. Ob sich die Nutzer angesichts einer solchen Hintergrund-Überwachung tatsächlich trauen, sich frei über ihre Gedanken auszutauschen, ist allerdings fraglich. Wie genau die Funktionsweise der anonymen Messenger-App aussehen soll, ist noch unklar. Es wird jedoch erwartet, dass sie bereits in den kommenden Wochen erscheint.

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