Wirres Kopfnicken: Zu Besuch im Google Glass Basecamp

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Showroom und Schulungsraum: In San Franciscos Financial District befindet sich das Hauptquartier von Google Glass.
Showroom und Schulungsraum: In San Franciscos Financial District befindet sich das Hauptquartier von Google Glass.(© 2014 Elisabeth Oberndorfer)

"Basecamp" nennt Google seine Schauräume für die Tech-Brille Google Glass. Dort geben Mitarbeiter den "Explorern" eine Einschulung für die richtige Nutzung des Geräts. CURVED war bei einem Einführungskurs in San Francisco dabei. 

Glass und Eiskreme

"Ich heiße Lisa, besitze kein Google Glass und ich mag Eiskreme nicht." "Das ist okay", meint Jason auf meine Antwort auf die Frage, wie lange ich meine Google-Brille schon habe und welche Eissorte ich liebe  – es ist nicht ganz eindeutig, ob er damit das Fehlen meiner Glass oder die Eiskreme meint. Wie im Lehrbuch der Gruppendynamik stellen sich die Teilnehmer des Google Glass-Einführungskurs so vor.

Es ist ein warmer Samstagnachmittag im "Google Glass Basecamp" in San Francisco. An diesem Standort hat der Konzern einen eigenen Bereich für den Verkauf seiner Tech-Brille eingerichtet. Das Basecamp ist ein moderner Showroom im Industrial-Look, der die San Francisco Bay Bridge überblickt. Die neue Filiale ist wesentlich attraktiver eingerichtet als der Rest des Bürogebäudes im Financial District. Im Gegensatz zum Hauptcampus im südlichen Mountain View erinnert Googles Sitz in der Stadt an ein geschmackloses Großraumbüro aus den 80er Jahren.

Die Mitarbeiter scheuen auch nicht davor zurück, Mängel zu erwähnen

Im Basecamp allerdings investiert das Milliardenunternehmen nicht nur in das Interior-Design, sondern auch in die Ausbildung. Wer eine Google Glass kauft, erhält kurz darauf eine Einladung, an einem Einführungskurs teilzunehmen. Ich bin hier nur, weil ich - wie fast alle Europäer, die in San Francisco leben - jemanden eine der Brillen besorgt habe. An diesem Samstagnachmittag drücken etwa 15 sogenannte "Explorer" die Schulbank und werden von drei Vortragenden unterrichtet.

Glass-Concierge - der Stadt-Promi

Das Publikum ist divers: Vom Glass-Fan, der das Gadget seit der ersten Stunde besitzt und das Teil besser kennt als die Lektoren, über dem Unternehmer, der die Brille seit geraumer Zeit besitzt aber nie benutzt, bis zum Entwicklungsleiter, der damit seine "Untergebenen" via Google Drive überwacht, sind hier unterschiedlichste Charaktere zu finden.

Unter ihnen ist auch einer der bekanntesten Glass-Träger der Stadt: Tom Wolfe, Chef-Concierge des Nobehotels Fairmont, hat bereits Aufmerksamkeit der Presse erhalten. Er nutzt die Brille, um Gästen Auskunft zu geben und zu übersetzen. Er ist eigentlich schon Pro im Umgang mit dem Wearable Device, holt sich trotzdem Rat von den Herstellern selbst.

Glass-Etiquette für die Toilette

Zu Beginn der Einführung lernen wir, wie die Brille richtig auf der Nase sitzt. Dann erfahren wir, dass wir die Glass mit Kopfnicken steuern können. Die Mitarbeiter scheuen auch nicht davor zurück, Mängel zu erwähnen: "Evernote funktioniert noch nicht richtig", heißt es. Zudem bekommen wir Tipps, wohin wie wir mit der Brille auf der Toilette umgehen: "Ich trage sie um den Nacken rum, sodass niemand glaubt, ich fotografiere", erklärt Jason.

Als ihre "Lieblings-App" bezeichnen die Vortragenden die Übersetzungs-App "Word Lens" - Keine Überraschung, denn Google hat die Entwickler kürzlich übernommen. Die nächsten fünfzehn Minuten verbringen die Explorer damit, französische Verkehrsschilder zu übersetzen. Das klappt nicht so, wie es sollte: Mal stimmt die Neigung des Kopfes nicht, mal ist das Schild zu weit weg, um es abzulesen. Sowohl die Mitarbeiter als auch die Glass-Besitzer nehmen es gelassen: Sie alle wissen, dass sich das Gerät noch in der Entwicklungsphase befindet.

Nach 45 Minuten ist der Einführungskurs offiziell zu Ende, und ich nehmen mir einen der Lektoren beiseite, um ein Testgerät anzuprobieren. Vielleicht ist es "Self-Fulfilling-Prophecy", aber ich fühle mich darin bestätigt, nicht 1500 US-Dollar für ein unfertiges Gadget auszugeben. Glass-Experte Mike beruhigt mich: "Das ist normal, nach einiger Zeit gewöhnst du dich daran."

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