Wundertüte iPad: Auch Apple war über Nutzung unsicher

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Ein Kulttablet mit einem Fragezeichen:  Was ist nun die Killeranwendung des iPads?
Ein Kulttablet mit einem Fragezeichen: Was ist nun die Killeranwendung des iPads?(© 2014 CURVED)

Interessante Twitter-Anekdote der Wagnisfinanzierer Marc Andreessen und Benedict Evans: Als Apple das iPad launchte, rätselte die Führungsriege des iKonzerns genau wie die Fachwelt, wie das Tablet angenommen und für was es eigentlich verwendet werden würde. Das Szenario könnte sich bei der iWatch wiederholen…

Die Erwartungen waren turmhoch: "Das letzte Mal, als es so viel Aufregung um eine Tafel gab, standen darauf Gebote geschrieben", brachte das Wall Street Journal die Stimmung vor dem iPad-Launch im Januar 2010 auf den Punkt. Das iPad wurde zum sofortigen Hit, auch wenn der Wow-Effekt wie beim iPhone-Launch drei Jahre zuvor fehlte.

Für viele war und ist das iPad bis heute ein großes iPhone. Killer-Anwendungen, auch wenn Steve Jobs vor allem das intensive Internet-Erlebnis anpries – unklar. Tatsächlich ging es Apples oberster Führungsriege so wie vielen Branchenexperten und Nutzern, als das iPad vor vier Jahren ausgeliefert wurde: Sie wussten schlicht nicht, welche Anwendungen sich durchsetzen würden.

"Sie wussten, dass das iPad cool war, aber nicht warum"

Diese Version verbreiten der viel zitierte Mobile-Analyst Benedict Evans und Netscape-Gründer Marc Andreessen, der Evans nun zum Wagnisfinanzierer Andreessen Horowitz holte. „Man kann es ganz deutlich auf der Keynote sehen: Sie wussten, dass das iPad cool war, aber nicht warum“, twittert Evans.     

Marc Andreessen, nach frühen Investments in Twitter und Skype längst eine Silicon Valley-Ikone, zitiert unterdessen in einer Anekdote einen ranghohen Apple-Manager, der keine Ahnung gehabt hätte, was er denn mit dem iPad anstellen sollte – „bestenfalls Hulu schauen“.

iPad konnte der Verlagsbranche nicht helfen wie der iPod der Musikindustrie 

Evans argumentiert, dass Apples Produkte eine gewisse „Anwendungs-Entdeckungszeit“ benötigen würden. Tatsächlich unterstützt Apples ursprüngliche Positionierung Evans These: In den ersten Monaten nach dem Launch wurde das iPad vor allem als das große Wunderheilmittel für die darbende Verlagsbranche angepriesen, das für die angeschlagenen Medienhäuser etwas leisten könne wie der iPod für die Musikindustrie im Jahrzehnt zuvor. 

Rupert Murdoch launchte mit großem Aufwand seine iPad only-Zeitung The Daily und bekam von Apple dafür mit Internetchef Eddy Cue Anfang 2011 sogar eine Keynote spendiert. Drei Jahre später ist The Daily längst eingestellt, während Apple sein iPad als bahnbrechendes Gerät für Wissenschaft, Kunst und Kultur bewirbt und in Anspielung auf den „Club der toten Dichter“ fragen lässt: Was wird Dein Vers sein?

Wiederholt sich die Geschichte bei der iWatch?

Der Mangel an der einen Killer-Anwendung scheint unterdessen an den Verkaufszahlen abzulesen zu sein: Im vergangenen Jahr schrumpften die iPad-Absätze plötzlich in einem Quartal, stagnierten danach, um im Weihnachtsquartal unter Aufbietung gleich zwei neuer Modelle wieder leicht anzuziehen. Wie sich das iPad in Zukunft entwickelt, erscheint inzwischen eine ebenso große Wundertüte zu sein wie die Kernanwendungen selbst.

Die Geschichte könnte sich unterdessen bei der iWatch wiederholen. Wie beim iPad-Launch dürfte Apples Wearable allein durch Ästhetik bestechen – der ‚Habenwollen’Effekt scheint vorprogrammiert. Doch was dann: Wird die iWatch zum tragbaren iPhone in klein, so wie es das iPad in groß wurde – oder erschließt es als Fitness-und-Gesundheitsband einen ganz neuen Markt für Apple?

Fest steht wohl nur: Es dürfte den einen oder anderen Zuschauer bei der Keynote geben, der sich am Ende erneut die Frage stellt, was man denn nun mit dem neuen Kultgadget eigentlich anfängt?


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