Zu Besuch bei Saygus V2: Was wurde aus dem Super-Smartphone?

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Austauschbarer Akku beim Saygus V2
Austauschbarer Akku beim Saygus V2(© 2016 CURVED)

Wenn wir über neue Smartphones reden, dann meinen wir meist Nachfolger. Die wiederum etliche Vorgänger nachweisen können. Evolution statt Revolution heißt die Devise. Und dann war da Saygus: Das weitestgehend unbekannte Unternehmen mit Sitz in den USA schickte sich vor rund zwei Jahren an, ein Super-Smartphone zu bauen und die Branche zu revolutionieren. In den Händen hielt bislang kein einziger Kunde das Gerät. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas hatte ich die Möglichkeit, die Macher zu treffen und mit den Menschen hinter dem vermeintlichen "Super-Smartphone" zu reden.

Im vergangenen Juni sollte es soweit sein: Das fertige Produkt sollte endgültig beim Kunden landen. Doch wieder enttäuschte die Company, die zuvor noch auf Indiegogo rund eine Million Dollar eingesammelt hatte. Aus heutiger Sicht für das US-Unternehmen ein großer Fehler. Nachdem die Crowdfunding-Plattform mehrfach auf den Handy-Hersteller zugekommen sei, habe man schließlich eingewilligt, mitzumachen.

Zu diesem Zeitpunkt war Saygus allerdings schon in Verzug mit der Auslieferung. Der nachfolgende Shitstorm war also hausgemacht: Erzürnte Vorbesteller liefen Sturm, als die Firma offenbar auf Indiegogo Geld einsammelte. Dabei stammte zum Schluss der Kampagne ein nicht unerheblicher Teil von Saygus selbst. Schließlich wollte man die Backer nicht mit einer gescheiterten Kampagne enttäuschen - und ein PR-Desaster vermeiden. Das ging gehörig schief. Die Presse bekam Wind davon, dass plötzlich etliche "unbekannte Backer" auftauchten und mutmaßte, dass Saygus einen Misserfolg kaschieren wollte.

Die finale Version ist da

Kurzum: Es sind denkbar schlechte Voraussetzungen für das Saygus V2 - wenn es denn nun endlich auf den Markt kommt. Immerhin so viel wollte man schon verraten: Im ersten Quartal dieses Jahres sollen die Vorbesteller endlich ihre Smartphones bekommen. Großes Indianerehrenwort! Um die Massenproduktion zu garantieren, hat das 40-köpfige Unternehmen erst vor wenigen Monaten den Zulieferer ausgetauscht. Vor allem die Kamera auf der Rückseite soll Probleme gemacht haben. Diese seien nun ausgemerzt, heißt es.

Im Gespräch mit Ingenieuren und Projektverantwortlichen hatte ich das Gefühl, dass die kleine US-Company weiterhin an ihr Produkt glaubt. Von krassen Problemen mit Zulieferern, schlechter Presse und miesen Erfahrungen mit Crowdfunding will man sich nicht abhalten lassen, dass V2 endlich auf den Markt zu bringen. Dessen finale Version konnte ich begutachten und kann nach einer Stunde zumindest behaupten: Sie funktioniert. Die kabellose Übertragung von Smartphone auf den Fernseher über Wireless-HDMI läuft verzögerungsfrei. Der Sound der kleinen Stereo-Speaker mit harman/kardon-Technologie auf der Vorderseite kann mit HTCs Boomsound mithalten. Die Benutzeroberfläche reagiert verzögerungsfrei. Das Display liefert satte Farben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und wenn wir schon über die Technik sprechen, hier nochmal die gesammelten Specs:

  • 5-Zoll-Display mit 1080p
  • Gehäuse aus Kevlar
  • biometrischer Fingerabdruckscanner auf der Seite
  • Snapdragon 801 mit 2,5 Gigahertz
  • 3 GB RAM
  • 64 GB interner Speicher
  • zwei microSD-Kartenslots für jeweils 200 GB für insgesamt 464 GB (!) Speicher
  • zwei SIM-Kartenslots
  • Noise Canceling Cypher Sound Technology
  • Unterstützung für jedes Mobilfunknetz weltweit
  • Harman Kardon Sound Technology with 3D Movie Audio
  • Wireless HDMI zur kabellosen Übertragung von HD-Material
  • Rückkamera mit 21 MP und optischem Bildstabilisator
  • Frontkamera mit 13 MP und optischem Bildstabilisator
  • wasserfestes Gehäuse (unklar, welcher Standard)
  • Akku mit 3100 mAh, der sich kabellos laden lässt
  • Android 6.0 Marshmallow
  • Dualboot und Root-Zugriff

Vor zwei Jahren revolutionär, mittlerweile Standard

Im November 2014, als wir erstmalig über das Smartphone berichten, waren das gigantische Specs. Mittlerweile sind viele der oben erwähnten Features längst Standard. Und das ist aus meiner Sicht Saygus' größtes Problem. Den unbedingten Innovationswillen in allen Ehren: Man hat sich schlicht übernommen. Ein Smartphone, das nach eigenen Angaben aus 911 Teilen besteht, "from scratch" in den USA zu entwickeln und in China fertigen zu lassen, war für das junge Startup eine Mammutaufgabe. An dieser ist man nicht gescheitert, zumindest wurde man aber so lange aufgehalten, dass nahezu die gesamte Branche das einstige "Super-Smartphone" in vielen Disziplinen rechts überholt hat.

Am stärksten fällt das beim Design auf. Während Samsung im vergangenen Jahr mit dem Galaxy S6 ein umfassendes Redesign hingelegt hat und Huawei schon mit dem Mate S und nun mit dem Mate 8 Smartphones mit Premium-Look abliefert, wirkt das Saygus V2 mit seinem Schachbrettmuster beinahe schon aus der Zeit gefallen.

Dennoch: So viel Hartnäckigkeit und Innovationsdrang gehört belohnt. So bleibt es zu hoffen, dass nun die kleine, aber treue Saygus-Community endlich ihre heißgeliebten Smartphones bekommt. Dann werden auch wir das Smartphone ausführlich testen und Euch verraten, wie super das Super-Smartphone wirklich ist.


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