Acer Chromebook 13 im Test: Optik top, Display ein Flop

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Acer Chromebook 13
Acer Chromebook 13(© 2014 CURVED)

Endlich ein Chromebook mit ordentlicher Leistung und Full HD-Display? Acers Chromebook 13 CB5 entzückte uns bei seiner Ankündigung im September mit der Aussicht auf Tegra K1-Performance und ordentliches Arbeiten auch in mehreren parallel geöffneten Apps und Tabs auf einem großen und hochauflösenden Display. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft ist der 13,3 Zoller nun im deutschen Handel angekommen — wir haben ihn getestet und verraten Euch, ob Acers neues Web-Laptop einen Platz unter dem Weihnachtsbaum verdient hat.

Chromebooks sind in Teilen der Tech-Welt — vornehmlich in den USA und dort vor allem im staatlichen Bildungssektor — regelrechte Verkaufsschlager. Hierzulande fristen sie noch ein Schattendasein. Aus gutem Grund: Trotz des interessanten Konzeptes, das ein leichtgewichtiges Betriebssystem mit günstiger Hardware vorrangig für das Arbeiten im Netz erlauben soll, scheiterten die Geräte durchweg an der Realität. Zu unperformant die verbauten Chipsätze, zu billig die Verarbeitung, zu schlecht, klein und niedrig auflösend die Displays und zu beschränkt das Chrome OS. Auf der IFA 2014 hat Acer gemeinsam mit Nvidia das Chromebook 13 präsentiert, das mit 1080p-Display, Tegra K1-Power und einem immer noch akzeptablen Preis von 349 Euro verspricht alles besser zu machen.

Ich selbst war von der Ankündigung ganz verzückt, weil ich schon länger auf der Suche nach einem Laptop-Ersatz bin, der es mir erlaubt, einfach nur im Browser zu arbeiten und Videos zu schauen. Mehr muss gar nicht sein, das aber muss flüssig und möglichst problemlos laufen. Dazu sind eine einigermaßen starke Performance nötig sowie ein gutes Display (und endlich ein vernünftiger Media Player für Chrome OS, der sämtliche Tonspuren von Video-Dateien abspielen kann). Keine allzu großen Wünsche eigentlich — die bislang aber nicht erfüllt wurden: Schlechte Displays und stotternde Performance zeichneten bislang sämtliche Chromebooks, die ich ausprobieren konnte (mit Ausnahme des lächerlich teuren Chromebooks Pixel, das nun aber aus verschiedenen Gründen keine ernsthafte Kaufoption darstellt), aus.

Um herauszufinden, ob das Acer Chromebook 13 nun endlich die Antwort auf meine bescheidenen Bedürfnisse ist, habe ich es in den vergangenen Tagen nicht nur spielerisch und punktuell getestet, sondern mir auch fest vorgenommen, diesen Testbericht komplett auf dem Gerät, statt auf meinen Arbeits-"WinBook" zu verfassen. Sollte ich dieses Vorhaben zwischendurch entnervt aufgeben, lasse ich es den Leser wissen — versprochen. Bis jetzt aber sind mir beim Schreiben dieser Zeilen aber schon mehrere Dinge aufgefallen, die mir beim eher synthetischen Testen entgangen waren.

Design und Verarbeitung: Weißer Ritter

Edles Äußeres trotz Kunststoff: das Acer Chromebook 13

Nur in Weiß ist das Chromebook 13 CB5 erhältlich und gibt somit optisch den weißen Ritter, der endlich mein Rufen erhört hat — allerdings einen, der in einer Kunststoff-Rüstung daherkommt. Nicht weiter dramatisch, denn Acer ist es gelungen, das per se nicht so wertige Material so gekonnt einzusetzen, dass das CB5 durchaus qualitativer und hübscher erscheint als sein Vorgänger und die meisten anderen Chromebooks der Konkurrenz (wieder mit Ausnahme des Pixel): Oben glatt und auf der Unterseite rau wirkt das Acer-Modell wie aus einem Guss, ganz ohne Spaltmaße oder knarzende Bereiche. Darüber hinaus, sieht es zu- wie aufgeklappt auch noch schick und alles andere als billig aus.

Mit 1,5 Kilogramm Gewicht ist es für einen 13 Zoller ziemlich leicht, mit nur 18 Millimeter Dicke auch recht dünn. Dennoch ist aufgeklappt viel Platz vorhanden, neben dem großen Screen auch für eine vollwertige Tastatur mit ausreichendem Abstand zwischen den Tasten, auf der es sich trefflich tippen lässt. Und für ein großes Touchpad, das — nachdem man sich mit den Eigenarten von Chrome OS vertraut gemacht hat (Rechtsklick = Klick + Alt) — ebenfalls hervorragende und präzise Dienste leistet. Allein deshalb sei Vielschreibern mindestens ein 13 Zoll-Modell ans Herz gelegt und wenigstens in dieser Disziplin das Acer CB5 empfohlen.

Hinsichtlich der Anschlüsse lässt Acer sich beim Chromebook 13 nicht lumpen: Gleich zwei USB 3.0-Ports stehen bereit, einer links seitlich, einer hinten direkt neben dem HDMI-Ausgang. Auf der rechten Flanke findet Ihr dann noch den Anschluss für das ebenfalls weiße Netzteil sowie den Eingang für den 3,5 mm-Klinkenstecker Eurer Kopfhörer. Und als ob das noch nicht genug wäre, findet sich linkerhand neben dem erwähnten USB-Port auch noch ein Einschub für SD-Karten.

Über das Gewand, seine Haptik und die Anschluss-Vielfalt des Acer Chromebook 13 kann ich mich also nicht beklagen — ganz im Gegenteil. Hier hat Acer ein tolles Paket geschnürt, das kaum Wünsche ans Cloud-basierte Arbeiten offen lässt. Mancher Nutzer mag vielleicht noch einen physischen Netzwerkanschluss vermissen. Der lässt sich bei Bedarf über einen USB-Adapter für kleines Geld nachrüsten.

Das Display: enttäuschende Blässe

Wie eingangs erwähnt ist (wohl nicht nur) für mich das Display eines der ausschlaggebenden Kriterien für die Nutzbarkeit eines Laptops und somit auch eines Chromebooks. Beim Preisgefüge der Chrome OS-Geräte erwarte ich zwar kein Retina Display, aber doch eines, mit dem sich vernünftig arbeiten und dem Medienkonsum frönen lässt.

Groß und hochauflösend ist es, das Display des Acer Chromebook 13 ...

Das geht mit dem Screen des CB5 trotz seiner viel versprechenden Specs leider nicht. 13,3 Zoll und 1920 x 1080 Bildpunkte klingen großartig — und hinsichtlich seiner Größe und Schärfe überzeugt das Acer Chromebook auch. Zwar werden die meisten Webseiten und Schriften aufgrund der fehlenden automatischen Skalierung von Chrome OS selbst für meine gar nicht so schlechten Augen zu klein dargestellt; hier schafft aber wenigstens im Browser das manuelle Zoom-Feature individuell einstellbare Abhilfe. Im Gegenzug werden Grafiken und Videos natürlich besonders scharf dargestellt und es passt eine Menge Inhalt auf den großen Screen.

Der Screen des CB5 ist matt, was ich grundsätzlich begrüße, werden so doch Spiegelungen verhindert und unter Umständen auch eine gute Ablesbarkeit in hellem Licht sichergestellt. Das trifft auf das Chromebook 13 durchaus zu, auch weil es bei Bedarf relativ hell leuchtet. Das war es dann aber schon mit dem Lob für das Display.

Denn was richtig enttäuschend, ja für mich sogar ein Dealbreaker ist, sind Blickwinkel, Farben und Kontraste des 13 Zollers: Nur geringfügige Verschiebungen des Betrachtungswinkels weg von der zentralen Draufsicht sorgen dafür, dass Ihr fast nichts mehr erkennt. Schon wenn Ihr das CB5 auf dem Schoß balanciert (wie das bei einem Laptop schon mal vorkommt), lassen sich Textmarkierungen nicht mehr erkennen. Beim Schreiben dieser Zeilen bin ich tatsächlich konstant dabei, den Kopf zu verrenken und den Aufstellwinkel des Monitors zu verändern, um die beste Darstellung zu bekommen.

Und "beste Darstellung" ist in diesem Fall übertrieben: Selbst bei frontalem Betrachten wirkt der Screen viel zu blass, verwaschen, Inhalte wie mit einem Schleier überzogen und pastellig. Schärfe und Größe hin oder her — so macht weder Arbeiten noch Lesen oder das Schauen von Videos und Filmen richtig Spaß.

Performance: völlig auf der Höhe, aber kein Überflieger

Die größten Erwartungen hatte ich an den Tegra K1 von Nvidia, der beispielsweise das Shield Tablet, aber auch das Nexus 9 beschleunigt, und im Chromebook 13 eben auch sein Debüt in einem Chromebook feiert. Hier verrichtet er auch sinnvolle Dienste, allerdings nicht zwingend im Bereich der Performance.

Wer aufgrund der fantastischen Benchmarkwerte, die Nvidias Chip in den beiden genannten Android-Tablets gestemmt hat, davon ausgeht, dass auch das CB5 eine rasend schnelle Gaming-Maschine wäre, sieht sich enttäuscht. Gefühlt und auch in Benchmarks ist das Chromebook 13 nicht schneller als die neueren Modelle mit Intel-Chips. Aber schnell genug: Viele Tabs, in denen ruhig auch was los sein darf — beispielsweise die interaktive Reise durch Mittelerde — können bedenkenlos parallel geöffnet werden. Gleichzeitig kann Musik über Googles Play Music ohne Einschränkungen gestreamt werden und selbst der Versuch, dazu noch den Streifen Gravity über die Play Movies-App laufen zu lassen, glückte  problemlos und ruckelfrei. Einzig beim Schließen und Öffnen von Apps oder geschäftigen Tabs kann es zu ganz kurzen Aussetzern der laufenden Musik oder des Videos kommen.

Kein Lüfter stört beim Acer Chromebook 13 das Arbeiten.

Wo der Tegra K1 seine Fähigkeiten aber richtig ausspielt, ist in Sachen Akkulaufzeit: Gut viereinhalb Stunden ist das Acer CB5 nun ohne Stopp am Ladekabel im Einsatz, die restliche Akkukapazität beträgt aktuell 60 Prozent, und es werden mir vom System weitere 5 Stunden Nutzungsdauer prognostiziert. Das entspricht auch meinen Erfahrungen der vergangenen Tage, in denen eine Akkuladung für 10 bis 11 Stunden Dauernutzung reichte. Das sind mehr als ordentliche Werte für ein Chromebook.

Und: Da der K1 ein waschechter Mobile Chipsatz ist, kommt er komplett ohne lauten mechanischen Lüfter aus — was seinerseits zum geringen Verbrauch beiträgt, die Nerven schont und trotzdem nicht dazu führt, dass das Chromebook 13 unter Last übermäßig warm wird.

Ob mehr Leistung schön gewesen wäre? Schön sicherlich, aber nicht notwendig: Da Chrome OS bislang ohnehin kaum Anwendungen bietet, die von deutlich mehr Performance profitieren würden, reicht es aus, dass parallele Tabs und Apps flüssig nutzbar sind. Wenn später tatsächlich mehr und mehr Android-Apps und damit vielleicht auch -Spiele über ARC auf das Betriebssystem kommen, dann allerdings dürfte das Chromebook 13 genau wie die aktuellen Intel- und Exynos-Konkurrenzgeräte in Schwierigkeiten geraten.

Fazit: Erwartungen nicht erfüllt, für den Preis dennoch gut

Nein, Acers Chromebook 13 ist noch nicht der endgültige Durchbruch der Chromebooks.

Möglicherweise waren unser aller und speziell meine Erwartungen an das Chromebook 13 mit Nvidias Tegra K1 schlicht zu hoch — das Nvidia SoC ist nicht der erhoffte Heilsbringer für die Chromebook-Sparte, obwohl er ganz viel besser macht: Tolle Akkulaufzeiten und ein Design, das ohne lauten Lüfter auskommt, sind schließlich eine Menge wert. Und man bedenke dabei, dass das CB5 sich preislich auf weiterhin niedrigem Niveau bewegt, den 349 Euro für das 1080p-Modell sind nicht wesentlich teurer als der bisherige Standard; das 720p-Modell gibt es gar für 299 Euro.

Schwer zu verzeihen ist Acer dennoch das Display, das den ansonsten guten Gesamteindruck des Chromebook 13 merklich und buchstäblich trübt; schwer zu sagen, wie es sich auf den Preis des Gesamtpaketes niedergeschlagen hätte, wenn hier zu einem etwas hochwertigeren Screen gegriffen worden wäre ... nur ist im aktuellen Zustand auch niemanden mit halbwegs ernsthaften Ambitionen auf Arbeiten oder Genuss mit diesem Chromebook geholfen.

Mein Fazit lautet daher: Wer wie ich auch auf einem Chromebook produktiv sein möchte, ist zwar weiterhin ob des Betriebssystems leicht eingeschränkt, diese Mankos sind aber hinnehm- und teilweise umgehbar. Mit dem Acer Chromebook 13 und dessen unterdurchschnittlichem Display allerdings, seid Ihr unabänderlich gehemmt.

Wer sich ein Chromebook eher als portables Gelegenheits-Gerät zum Surfen und Probieren sucht, der findet im CB5 einen stillen Begleiter, mit großen Screen, viel Platz für die Hände beim Tippen und vor allem einer tollen Akkulaufzeit.

P.S.: Ich habe trotz allem tatsächlich durchgehalten und bis zur finalen Fertigstellung dieses Testberichtes mit dem Acer Chromebook 13 gearbeitet. Es geht also schon, trotz der genannten Einschränkungen. Allerdings habe ich jetzt wirklich, und nicht im übertragenen Sinne, ein bisschen Kopfschmerzen ...


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