Alcatel One Touch Fire: Feuerfuchs auf lahmen Sohlen

Peinlich !7
Firefox_AlcatelOneTouchFire_2014
Firefox_AlcatelOneTouchFire_2014(© 2014 CURVED)

Das Alcatel One Touch Fire ist das erste in Deutschland erhältliche Smartphone mit Firefox OS. Für rund 100 Euro erwartet Euch ein Handy aus dem Einsteigerbereich mit einem neuen Betriebssystem.

Android lässt sich auch ohne ein Google-Konto nutzen, aber wer sein Smartphone komfortabel benutzen will, kommt um einen Account beim Internetkonzern nicht herum. Anders bei Firefox OS: Das Betriebssystem ist bei der Anforderung persönlicher Daten vorbildlich zurückhaltend und lässt sich auch ohne Anmeldung uneingeschränkt verwenden.

Firefox OS muss noch wachsen

Dass die Auswahl an Apps bei Firefox OS deutlich kleiner als bei iOS und Android ist, verwundert angesichts der wenigen bisher verfügbaren Geräte und geringen Nutzerzahlen nicht. Für zusätzlichen Frust sorgt im Test, dass es sich bei den meisten Anwendungen gar nicht um vollwertige Programme handelt. So leiten zum Beispiel die "Apps" von Twitter, Youtube, Wikipedia und Facebook nur zu den für mobile Geräte optimierten Webseiten der sozialen Netzwerke weiter.

Im Vergleich zu den meisten Android-Smartphones installiert Alcatel auf dem One Touch Fire angenehm wenige Apps vorweg. So finden sich neben den bereits erwähnten nur noch AccuWeather, Congstar und Here Maps von Nokia als Anwendungen von Drittanbietern. Zum Pflichtprogramm gehören der noch sehr übersichtliche Marketplace, ein E-Mail-Programm, eine Foto-Galerie, ein Kalender, eine Uhr, ein Taschenrechner, Musik- und Video-Player, mehrere Spiele und natürlich der Firefox als Browser.

Das Gehäuse des 108g schweren Alcatel One Touch Fire besteht aus Kunststoff und wirkt recht solide. Beim Übergang zur Rückseite entsteht zwar kein Spalt, aber er ist trotzdem deutlich zu erkennen.

Lahmer Feuerfuchs

Wenn Ihr Firefox OS ausprobieren und wirklich nutzen wollt, müsst ihr zu Kompromissen bereit sein. Das Alcatel One Touch Fire ist derzeit das einzige offiziell in Deutschland erhältliche Smartphone mit dem Betriebssystem von Mozilla. Aber auch die in anderen Ländern erhältlichen Geräte von LG, ZTE oder Geeksphone bieten bisher keine ernsthaft bessere Ausstattung.

Die Größe des 3,5-Zoll-Touchscreens des Alcatel One Touch Fire ist da noch das kleinste Problem. Habt Ihr kleine Hände, kommen Euch die Abmessungen sogar entgegen. Allerdings fällt die Auflösung von 480x320 Pixeln sehr klein aus. Zusätzlich erstrahlt das Display nur mit 262.000 Farben, üblich sind aber inzwischen Bildschirme mit 16 Millionen Farben. Zudem fällt der Betrachtungswinkel sehr klein aus, so dass schon bei einer geringen Neigung die Farben verblassen.

Der nur mit einem Gigahertz getaktete Prozessor und der mit 256 MB sehr kleine Arbeitsspeicher machen sich bei der Nutzung bemerkbar. Das One Touch Fire legt immer wieder längere Rechenpausen ein und reagiert träge sowie mit deutlichen Verzögerungen auf Eingaben. Selbst wenn Firefox OS für die Langsamkeit verantwortlich sein sollte, würde eine leistungsfähigere Hardware die Nutzung angenehmer machen.

Verzweifelt gesucht: Speicherplatz

Der interne Speicher des One Touch Fire ist mit 512 MB sehr knapp bemessen. Davon stehen außerdem nur 160 MB für euch zur Verfügung. Wenn Ihr wirklich Fotos, Videos und andere Daten auf dem Smartphone ablegen wollt, empfiehlt sich dringend die Verwendung einer microSD-Karte, die das Handy bis zu einer Kapazität von 32 GB unterstützt.

Der Lithium-Ionen-Akku hält trotz seiner eher kleinen Kapazität von 1.400 mAh vergleichsweise lange durch. Was bei der trägen Hardware auch nicht verwundert, da das Smartphone nicht zur dauerhaften Nutzung einlädt. Aufgeladen wird die Batterie über einen Micro-USB-Anschluss.

Ein Pluspunkt bei der Ausstattung des One Touch Fire ist das eingebaute UKW-Radio, das einen Kopfhörer als Antenne benötigt. Per GPS bestimmt das Smartphone seinen Standort und überträgt über Bluetooth drahtlos Daten. Über WLAN und UMTS gelangt das Alcatel ins Internet.

Die Sonne als Freund

Die Kamera des Fire verfügt über eine Auflösung von 3,2 Megapixeln. Für Schnappschüsse bei guter Beleuchtung - Tageslicht im Freien, aber nur, wenn die Sonne nicht zu stark scheint - ist sie zu gebrauchen, ansonsten solltet Ihr lieber zu einer anderen Kamera greifen. Gleiches gilt für die Videos, die das Smartphone in VGA-Auflösung mit 640 x 480 Pixeln aufnimmt.

Fazit

So verlockend eine Alternative zu Android, iOS und Windows Phone auch sein mag, eine wirkliche Konkurrenz sind Firefox OS und das Alcatel One Touch Fire noch nicht. Der geringe Funktionsumfang und das kleine Angebot an wirklichen Apps werden Nutzer der großen Betriebssysteme nicht zum Umstieg bewegen können. Einzig Smartphone-Neulinge könnten sich mit Firefox OS anfreunden. Auch der niedrige Preis ist kein überzeugendes Argument, da ähnlich teure Android-Geräte oft eine bessere Ausstattung und eine größere Auswahl an Apps bieten.

Weitere Artikel zum Thema
Nokia, Moto­rola und Co.: Wer wirk­lich hinter den bekann­ten Marken steckt
Alexander Kraft4
Nokia ist längst nicht mehr die Firma, als die sie mal begonnen hat.
Große Marken wie Nokia, Motorola oder Blackberry sind im Laufe der Zeit durch viele Hände gegangen – für manche eine zweite Chance.
Alca­tel A7 im Test: Große Spea­ker, kleine Töne
Alexander Kraft
Einstellungsmerkmal des Alcatel A7 sind die Stereolautsprecher.
7.2
Das A7 war Alcatels günstigste Neuvorstellung auf der IFA 2017. Ob sich der Kauf lohnt, klärt der Test.
Alca­tel Idol 5S im Test: Mittel­klasse-Smart­phone mit Highend-Sound
Jan Johannsen3
UPDATEAlcatel Idol 5S mit Front-Lautsprechern.
7.3
Für das Alcatel Idol 5S arbeitet Hersteller TCL mit den Audio-Spezialisten von JBL zusammen. Das hörte man dem Smartphone im Test auch an.