Kindle Oasis im Test: leicht und schick, aber kein Dauerläufer

Mit dem Kindle Oasis stellt Amazon seinen jüngsten und leichtesten E-Book-Reader vor, der mit neuem Design den Lesekomfort stark verbessern möchte. Wir haben getestet, ob er seinem hohen Preis gerecht wird. 

Zum Video: Durch einen kleine Formatierungsfehler stammen die gesprochenen Daten zum Kindle Paperwhite vom Kindle Voyage, weswegen wir sie im Video als Text korrigiert nachgeliefert haben. Bitte entschuldigt das Versehen - es war sehr, sehr heiß im Studio!

E-Book Reader wie der Amazon Kindle lassen sich heute eigentlich durch eine App auf dem Smartphone oder Tablet fast vollständig ersetzen. Viele sehen es schon gar nicht mehr ein, sich nur fürs Bücherlesen ein eigenes Gerät zu kaufen. Ich kenne und nutze Kindle E-Reader seit den ersten Modellen und habe sie bis heute nicht beiseite gelegt, obwohl ich genug iPads und Smartphones besitze, die ihren Job übernehmen können. Warum? Ich mag das Lesen auf dem Display, zum Beispiel des Paperwhite, auf dem die Schrift fast wie gedruckt aussieht. Dass ein Kindle keine E-Mail und keine Facebook-Benachrichtigungen schickt, sehe ich als Vorteil - hier ist weniger Ablenkung einfach mehr.

Umso gespannter war ich auf den neuen Oasis, der nach den letzten Modellen wie dem Voyage, bei denen eher kleine Verbesserungen angesagt waren, wieder einen radikaleren Schritt darstellt. „Der dünnste und leichteste Kindle aller Zeiten,“ versprach Amazon vollmundig.

Drastische Verschlankungskur

Das neue Design fühlt sich schon beim ersten Auspacken aus der Schachtel gut an: Wow, der Oasis ist fast so leicht wie eine Papierkarte. Genau genommen war aber das, was ich in der Hand hielt, nur der halbe Oasis: Es gehört noch eine Hülle mit Akku dazu, die sich mit 12 versteckten Magneten anklippen lässt. Ohne Hülle ist der Oasis extrem dünn, gerade einmal 3,4 Millimeter dick an seiner dünnsten Stelle. Denn rechts am Rand gibt es eine Wölbung. Die ist auch gewollt, denn so lässt er sich besser halten. Darin steckt unter anderem der Akku, der mit gerade einmal 250 mAh winzig ausfällt. Doch dazu später mehr. Eingedockt in die Ladehülle wird ein gleichmäßig geformtes Gerät daraus. Allerding ist es dann nicht mehr 3,4 Millimeter schlank, sondern 8,5 Millimeter. Und damit dicker als der Kindle Voyage mit 7,6 Millimetern. Auffällig ist auch das neue Format: Statt einem Buch-änhlichen Hochkantformat wirkt er mit dem Rand fast quadratisch. Ein Sensor erkennt, ob er von einem Links- oder Rechtshänder gehalten wird - und dreht die Displaydarstellung entsprechend.

Comeback der Tasten

Touchscreens sind ja oft praktisch, nicht unbedingt aber bei der häufigsten Aktion bei einem E-Reader, dem Umblättern. Zurück im Oasis sind die Blättertasten, die beim Kindle Touch und Paperwhite verschwunden waren. Beim Voyage gab es auch Tasten, jedoch eher Touch-Flächen am Rahmen. Die echten Tasten beim Oasis sind ein willkommenes Comeback eines Features der ersten Modelle: Sie sind im Gegensatz zu damals leichtgängig und leise.

Doppelakku-Konzept gegen Fingerkrämpfe

Neu ist auch das Doppelbatteriekonzept . Um Lesen angenehmer zu machen, teilt Amazon den Kindle in eine Lese- und Ladeeinheit. Das Design mit der Wölbung soll den Schwerpunkt zur Hand verlagern - wie ein Buchrücken. Das klappt, denn der Kindle liegt erstens super in der Hand und wirkt dabei zweitens federleicht. Stundenlanges Lesen klappt ermüdungsfrei - auch im Liegestuhl oder Bett. Gegen den Oasis wirkt der Paperwhite klobig und bleischwer. Und sogar das dünne Einsteigermodell Kindle wirkt schwerer.

Akku-Flop oder nicht?

Die neue Leichtigkeit hat ihren Preis: Ohne Ladehülle schafft der Kindle gerade mal ein paar Stunden Lesezeit (mit eingeschalteter Beleuchtung rund fünf Stunden). Das könnte man durchaus als KO-Kriterium sehen und das Konzept des Oasis als kompletten Reinfall abhaken. Schließlich war die lange Laufzeit eines der Killerargumente für einen Kindle.

Mit Hülle sieht es anders aus: Sie liefert mit weiteren 1290 mAh weitaus mehr Energie als der im Gerät verbaute Akku. Ich würde nicht auf die Idee kommen, den Kindle ohne Ladehülle mit auf die Reise oder noch nicht einmal zum Sofa zu nehmen, sondern ich habe immer beide Geräte dabei, was mich nicht im Geringsten stört. Drei bis fünf Stunden Lesezeit sind eine Menge, die ich im Alltag kaum schaffe und selbst im Urlaub dürfte diese Laufzeit für die meisten Tage reichen. Eingedockt in die Ladehülle soll der Oasis länger als alle anderen Modelle durchhalten, also monatelang. Beim Laden reicht es übrigens ein Kabel einzustecken, um Hülle und Kindle gleichzeitig zu laden.

Knackiges Display, happiger Preis

In Sachen Display überzeugt der Oasis: Mit 300 ppi (Pixel pro Zoll) auf sechs Zoll wirkt die Schrift wie gedruckt und kontrastreicher als beim Kindle Paperwhite - obwohl das gleiche E-Ink Display verbaut ist. Das liegt daran, dass statt sechs mittlerweile zehn LEDs für die Beleuchtung verbaut sind. Das Display ist also heller, aber nicht schärfer als das der Vorgängermodelle.

Kindle Oasismacht auch preislich seiner Rolle als Flagschiff der Kindle-Familie alle Ehre. Freundlich formuliert. Mit einem Startpreis ab 290 Euro ist er über doppelt so teuer wie der Kindle Paperwhite (rund 120 Euro) und über 100 Euro teurer als der Vorgänger Kindle Voyage. Das 3G-Modell kostet sogar stolze 350 Euro. Das ist ein abartig hoher Preis für einen E-Reader - auch wenn dieser bei Design und edler Haptik absolut überzeugt. Allerdings macht diese UVP den Kauf relativ unwahrscheinlich, wenn man bereits das Vorjahresmodell besitzt. Und für Kindle-Einsteiger ist dieser Preis ebenfalls sehr hoch.

Fazit

Man muss den neuen Kindle mal in die Hand nehmen, um zu verstehen warum man ihn haben möchte. Sein geringes Gewicht und die gute Ergonomie sind für Leseratten ein großes Plus. Der momentan noch hohe Preis macht die Entscheidung für das Topmodell unter den Kindles zwar nicht ganz leicht. Dafür bekommt man aber den besten E-Reader auf dem Markt.


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