Apple Watch Series 4 im Test: Die Smartwatch mit Herz

UPDATEHer damit !17
Die Apple Watch Series 4.
Die Apple Watch Series 4.(© 2018 CURVED)

Mit der Apple Watch Series 4 hat Apple seine Uhr komplett neu gestaltet. Herausgekommen ist die aktuell beste Smartwatch auf dem Markt. Was sie so besonders macht, das verraten wir euch im Test.

Es gibt Leute, die sagen, nicht die neuen Modelle iPhone Xs und iPhone Xs Max waren das Highlight der Apple Keynote am 12. September 2018, sondern die Apple Watch Series 4. In der Tat verwendete das Unternehmen recht viel Zeit auf die Vorstellung der neuen Smartwatch. Und das mit gutem Grund: "Alles daran wurde neu designt und überarbeitet", sagte Jeff Williams, der Chief Operating Officer von Apple, auf der Bühne über die intelligente Superuhr – das merkt man auch.

Apple Watch Series 4 mit neuem Design

So ist das Display ist nicht nur an den Ecken runder geworden, sondern auch größer. Die Series 4 gibt es in zwei Größen: 40 Millimeter und 44 Millimeter. Bei der Series 3 aus 2017 waren es noch 38 und 42 Millimeter. Der Bildschirm der kleinen Uhr ist laut Apple sogar genauso groß wie das Pendant im größeren Modell aus dem Vorjahr. Wer jetzt mit einem klobigen Gehäuse rechnet, der wird eines Besseren belehrt: Zwar ist die Apple Watch minimal größer und breiter geworden, die Uhr hat aber auch abgenommen, ist 0,7 Millimeter dünner als die Series 3. Einen Klopper trägt man also nicht am Handgelenk. Auch dann nicht, wenn man sich für den größeren Bildschirm entscheidet.

Wie sich die neue Uhr am Arm anfühlt, kommt darauf an, wie viel Geld ihr ausgeben wollt. Ihr bekommt die Apple Watch mit Aluminium- oder Edelstahlgehäuse. Trotz des neuen Formfaktors ist die Verarbeitung, typisch Apple, sehr hochwertig. Das konnten wir zumindest an unserem Testgerät mit Edelstahlgehäuse feststellen. Die Farben der Uhr muss man allerdings mögen. Mir persönlich wäre unsere Test-Uhr in "Gold" zum Beispiel etwas zu auffällig.

Zum Glück gibt es die Uhr jeweils auch in "Space Grau" oder "Silber". Dazu könnt ihr aus diversen Armbändern auswählen. Neben Bändern aus Silikon oder Stoff für den Sport gibt es auch welche aus Leder oder Edelstahl, wenn es mal edler zugehen soll. Hattet ihr schon einmal eine Apple Watch, könnt ihr aber auch eure alten Armbänder weiter benutzen: Die der 38-Millimeter-Variante passen die neue 40er-Uhr, bei den größeren Versionen klappt das entsprechend auch.

Gleich mehrfach überarbeitet hat Apple die digitale Krone: Als optische Kennzeichnung für die LTE-Variante ersetzt das Unternehmen den dicken roten Punkt vom Vorgänger-Modell durch einen dezenten roten Kreis. Das macht das Design viel ruhiger und stimmiger. Deutlich spannender sind aber die neuen Funktionen: Benutzt ihr die Krone, um durch Menüs zu navigieren, gibt sie auch jetzt ein haptisches Feedback:  Wenn ihr durch die Menüs scrollt, spürt ihr bei jeder Bewegung der Krone ein Klicken. Das klingt maximal nach einer marginalen Verbesserung, tatsächlich hilft das Feedback beim Navigieren durch die Einstellungen und Apps auf der Uhr aber ungemein.

Eine Herzensangelegenheit

Ebenfalls neu: In der digitalen Krone befindet sich nun ein elektrischer Herzschlagsensor. Wozu der gut ist? Öffnet ihr die Herzschlag-App und legt den Finger darauf, kann der neue Sensor den Herzschlag schneller erkennen, als der optische Herzschlagsensor, der nach wie vor auf der Rückseite der Uhr sitzt. Doch damit nicht genug. Die Apple Watch Series 4 ist außerdem in der Lage, ein EKG aufzuzeichnen. Dazu reicht es, wenn der Träger seinen Finger für 30 Sekunden auf die Krone legt. Im Anschluss wird die Auswertung in der Health-App auf dem iPhone gespeichert und kann auf Wunsch als PDF mit dem Arzt geteilt werden. Angst um eure Daten braucht ihr laut Apple nicht zu haben, die Gesundheitsinformationen werden, wie alle anderen Dateien, verschlüsselt gespeichert.

Die neue digitale Krone mit integriertem Herzschlagsensor.(© 2018 CURVED)

Die beiden neuen Funktionen haben aber einen Nachteil: Sie stehen nicht ab sofort zur Verfügung. Sowohl die das schnelle Erkennen des Herzschlags als auch die entsprechende EKG-App kommen erst später in 2018 auf die Apple Watch Series 4 – und auch dann vorerst nur in den USA. In Europa muss die Funktion noch zeitaufwändig zertifiziert werden. Sobald das der Fall ist, wird es beide Funktionen aber auch hierzulande geben.

Was schon jetzt funktioniert, ist die Erkennung eines zu niedrigen Herzschlages über den Sensor auf der Rückseite. Der checkt euere Herzaktivitäten wie gewohnt im Hintergrund und spielt auf Wunsch eine Warnung aus, sollte euer Herzschlag zehn Minuten lang unter einen vorher festgelegten Wert fallen. Einstellen könnt ihr die Funktion in der Watch-App auf dem iPhone. Hier könnt ihr seit dem Update auf das Betriebssystem watchOS 4 auch einrichten, dass euch die Apple Watch alarmiert, sollte euer Herz zu schnell schlagen. Diese Funktion hat bereits einigen Smartwatch-Besitzern das Leben gerettet. Eine Apple Watch Series 4 braucht ihr für die beiden Funktionen übrigens nicht zwingend. Sie sind auch auf älteren Modellen ab der Apple Watch Series 1 verfügbar.

Die Sturzerkennung ruft automatisch Hilfe

Die Apple Watch Series 4 hat aber nicht nur euer Herz im Blick, sie kann auch erkennen, ob jemand gestürzt ist. Verbesserte Sensoren, genauer ein verbessertes Gyroskop und ein aufgebohrter Beschleunigungssensor im Inneren, machen es möglich. Algorithmen werten die Daten beider Sensoren aus, können so die Flugbahn und die Härte des Aufpralls bei einem Sturz messen und daraus schließen, ob ihr hart gefallen seid.

Solltet ihr wirklich einmal gefallen sein, bekommt ihr eine Meldung aufs Display. Solltet ihr den Sturz überstanden haben, könnt ihr angeben, dass ihr zwar gefallen seid, es euch aber gut geht. Alternativ könnt ihr über einen Notruf-Button Hilfe rufen. Bekommt die Uhr eine Minute lang gar keine Rückmeldung von euch, ruft sie automatisch Hilfe. Allerdings ist die Funktion ab Werk nur für Nutzer ab 65 Jahren eingerichtet. Alle anderen müssen die Sturzerkennung manuell aktivieren.

Aber wie genau funktioniert die Funktion eigentlich? Im Test habe ich mich mehrfach in allen möglichen Posen auf ein Sofa und eine Matte fallen lassen. Die Apple Watch schlug allerdings keinen Alarm. Steckt also nichts dahinter? Mitnichten. Die Sensoren arbeiten einfach nur so genau, dass sie sich nicht von nachgestellten Stürzen mit Abfederung austricksen lassen. Das zeigt unter anderem das Wall Street Journal in einem Testvideo mit einer professionellen Stuntfrau, bei der die Funktion zuverlässig ansprang.

Weitere Ausstattung und watchOS 5

Auch abseits der Optik und der Gesundheitsfunktionen hat Apple die Apple Watch Series 4 im Vergleich zum Vorgänger verbessert. Unter anderem steckt ein schnellerer Prozessor in der Uhr. Apple spricht von doppelter Geschwindigkeit – und das merkt man auch. Apps starten zum Beispiel viel fixer als auf der Apple Watch Series 3. Der neue W3-Chip sorgt außerdem dafür, dass ihr Inhalte per Bluetooth 5.0 schneller auf die Uhr übertragen könnt, ohne dass die Akkulaufzeit darunter leidet.

Diese Funktion ist nicht ganz unwichtig, denn mit dem Betriebssystem watchOS 5 könnt ihr nicht nur Songs aus Apple Music mit der Apple Watch (ab Series 1) synchronisieren, sondern auch Podcasts oder Inhalte von Drittanbietern. Es ist zum Beispiel möglich, Hörbücher von Audible auf die Uhr zu schieben und mit Bluetooth-Kopfhörern unterwegs anzuhören, ohne das iPhone dabei zu haben. Besonders sinnvoll ist das natürlich bei der LTE-Variante, über die ihr auch wieder telefonieren könnt.

Die neuen Zifferblätter zeigen mehr Komplikationen.(© 2018 CURVED)

Abseits davon hat Apple in watchOS 5 einige exklusive Watchfaces, also Ziffernblätter, für die Series 4 integriert, die von dem größeren Display Gebrauch machen. Im neuen Infograph-Ziffernblatt habt ihr zum Beispiel Zugriff auf acht Komplikationen. Das sind Shortcuts zu Apps auf der Uhr, die euch gleichzeitig anzeigen wie etwa das Wetter vor Ort gerade ist, welcher Termin als nächstes ansteht oder ob ihr euer Fitnessziel bereits erreicht habt. Tippt ihr auf eine Komplikation kommt ihr in die jeweilige App. Neu ist auch, dass zum Beispiel die Komplikation der Wetter-App nicht mehr nur die aktuelle, sondern auch die Höchst- und Tiefsttemperatur anzeigt. Welche Neuheiten watchOS 5 noch mitbringt, haben wir hier für euch zusammengetragen.

Die Apple Watch Series 4 im Alltag

Im Alltag überzeugte die Uhr durch eine einfache Bedienung und Vielfältigkeit. Sie dient nicht nur als kleiner Entertainer am Handgelenk, sondern zeigt euch auch Nachrichten vom Smartphone an, die ihr dann, je nach App, direkt beantworten könnt. Was dabei auffällt: Die Vibration bei eingehenden Meldungen sind nicht mehr ganz so extrem. Man läuft aber trotzdem nicht Gefahr, Wichtiges zu verpassen. Zudem unterstützt die Apple Watch das Tracking für mehrere Sportarten. Dank GPS könnt ihr etwa eure Jogging-Route genau aufzeichnen.

Aber geht das nicht auf den Akku? Die Antwort: nein. In meinem Alltag hatte ich nach einem normalen Arbeitstag mit anschließender einstündiger Jogging-Einheit bei eingeschaltetem GPS noch genug Energie übrig, um den nächsten Tag noch mindestens bis zur Hälfte mit der Uhr zu bestreiten. Ohne Sporteinheit kommt man auf eine gute Laufzeit von zwei Tagen. Wohlgemerkt: beim kleineren Modell.

Preise und Verfügbarkeit

Die Apple Watch Series 4 ist ab sofort im Handel erhältlich. Ihr bekommt die Smartwatch "Space Grau", "Silber" und "Gold". Die Variante mit kleinerem Display startet bei 429 Euro, die LTE-Variante ist 100 Euro teurer. Für das Modell mit 44-Millimeter-Bildschirm zahlt ihr 459 Euro, auch hier ist die Variante mit Mobilfunk 100 Euro teurer. Die Edelstahlvarianten starten ab 699 Euro (40mm) bzw. ab 749 Euro (44mm).

Fazit: Die beste Smartwatch bislang

Die Apple Watch Series 4 ist mehr, als nur eine Smartwatch, die ihr zum Sport anziehen könnt oder die euch Notifications anzeigt. Durch die Sturzerkennung und die neuen Herzfunktionen wird die Uhr mehr und mehr zur Gesundheits-Watch. Das sieht man auch bei Apple so: "Die Apple Watch ist ein intelligenter Wächter für eure Gesundheit geworden", sagte Jeff Williams bei der Vorstellung. Durch diese Vielfältigkeit wird die Apple Watch zur besten Smartwatch am Markt. Allerdings mit dem einschränkenden Hinweis, dass manche Funktionen hierzulande erstmal nicht verfügbar sind. Mit dem größeren Bildschirm und der verbesserten Betriebsgeschwindigkeit liefert Apple aber weitere Kaufgründe für alle iPhone-Besitzer, die sich eine Smartwatch zulegen wollen.

Weitere Artikel zum Thema
Apple Watch: Musik-App Deezer sieht nun anders aus
Francis Lido
Deezer 2.0 auf der Apple Watch
Deezer hat seine App für die Apple Watch komplett überarbeitet.
Drei neue Nike-Armbän­der für die Apple Watch ange­kün­digt
Francis Lido
Das Nike-Sportarmband soll bald in einer neuen Farbe erhältlich sein
Nikes Armbänder für die Apple Watch gibt es offenbar bald in weiteren Farben: Zwei neue Sport-Armbänder und ein Sport Loop sollen erscheinen.
Spotify am Hand­ge­lenk: Die App für die Apple Watch ist da
Marco Engelien3
UPDATEBald bedient ihr auch Spotify über die Apple Watch.
Spotify auf der Apple Watch? Das konnten zunächst nur Beta-Tester ausprobieren. Jetzt die App für alle Nutzer erschienen. Die Infos dazu gibt es hier.

Diese Website verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Durch die weitere Nutzung der Website stimmen Sie dem zu. Um mehr über die von uns verwendeten Cookies zu erfahren und wie man sie deaktiviert, können Sie unsere Cookie-Richtlinie aufrufen.