Asus Zenfone 2 im Test: Wenn ein gutes Smartphone zu spät kommt

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Das Asus Zenfone 2 kommt als Spätzünder nach Deutschland.
Das Asus Zenfone 2 kommt als Spätzünder nach Deutschland.(© 2015 CURVED)

Mit über einem halben Jahr Verspätung hat es das Zenfone 2 jetzt auch Deutschland geschafft. Das einstige Top-Datenblatt sorgt nun leider nicht mehr für Begeisterungsstürme. Trotzdem ist das Zenfone 2 preislich immer noch attraktiv und gut ausgestattet - wenn denn auch die Werbeversprechen eingehalten würden...

So bewirbt Asus das Zenfone 2 etwa damit, dass sein 5,5 Zoll großes Full-HD-Display in einem 5-Zoll-Gehäuse stecken würde. Das klingt gut, aber leider hat das Zenfone einen breiten Rahmen um den Touchscreen und ist deutlich größer als das LG G3, bei dem schon vor mehr als einem Jahr ein 5,5-Zoll-Touchscreen in ein handliches Gehäuse passte. Sogar das OnePlus 2 ist noch kleiner als das Smartphone von Asus.

Großes Gehäuse mit Metall-Optik

Trotz seiner Größe liegt das Zenfone 2 angenehm und gut in der Hand, zur Bedienung brauchte ich jedoch meistens zwei Hände. Eher nur eine Notlösung ist es, den Bildschirminhalt zur Einhandbedienung zu verkleinern. Die abnehmbare Rückseite besteht zwar aus Kunststoff, sieht optisch aber auf den ersten Blick wie gebürstetes Aluminium aus. Die Struktur lässt sich auch mit den Fingern erfühlen. Das hat Asus gut hinbekommen. Von LG hat der Hersteller aus Taiwan die Lautstärkewippe auf der Rückseite übernommen, jedoch den Ein- und Ausschaltknopf auf die obere Kante verlegt. Das ist nicht nur ungewohnt, sondern aufgrund der Größe des Smartphones auch oft unpraktisch. Ich muss immer umgreifen, wenn ich die Taste drücken will.

Unter der Haube befindet Intels Atom-Prozessor Z3580. Der mit 2,3 Gigahertz getaktete Prozessor war bei der Vorstellung des Zenfone 2 im Januar 2015 die große Unbekannte. Bis heute gibt es nur wenige mobile Geräte mit Chips von Intel. Zusammen mit den bei der Vorstellung noch einzigartigen vier Gigabyte Arbeitsspeicher und dem G6430-Grafikchip von PowerVR schafft der Atom-Chip im Antutu-Benchmark zwischen 47.000 und 48.000 Punkte. Geekbench 3 offenbart im Single-Core-Test mit 919 eine kleine Schwäche, dafür sieht das Ergebnis im Multi-Core-Durchlauf mit 2923 Punkten deutlich besser aus.

Das sind die Benchmark-Werte, die das Zenfone 2 im Leistungsmodus erreicht. Im Normalmodus, der für eine spürbar längere Akkulaufzeit sorgt, fallen sie erwartungsgemäß geringer aus - rund 42.000 Punkte bzw. 752 und 2371 Punkte. Im Alltag reicht die Hardware, die sich zwischen Mittelklasse und Hochleistung bewegt und ungefähr mit dem Snapdragon 808 des LG G4 auf einer Höhe liegt, locker aus, um Android und die Nutzeroberfläche flüssig laufen zu lassen. Auch die Apps strapazierten meine Geduld nicht mit langen Ladezeiten. Selbst grafisch aufwendige Spiele bringen das Zenfone 2 nur selten an den Rand seiner Leistungsfähigkeit.

Umfangreiche Kamera-App für 13 Megapixel

Die Kamera des Zenfone 2 nimmt Fotos mit 13 Megapixeln auf und die umfangreiche Kamera-App lädt zum Fotografieren und rumprobieren ein. Neben der hilfreichen und schnellen Automatik sowie einem guten manuellem Modus gibt es noch 17 weitere Aufnahmeprogramme, wie HDR, Nachtaufnahme, Tiefenschärfe, Panorama oder eine GIF-Animation, die man auch rückwärts und in Dauerschleife laufen lassen kann und deswegen auf extra Apps wie Boomerang verzichten kann.

So weit, so gut. Aber noch wichtige als die Kamera-App ist die Bildqualität und hier gruppiert sich das Zenfone 2 am Ende der Spitzengruppe ein. Die Aufnahmen sind schon überdurchschnittlich gut, aber eben nicht so gut, wie beim Galaxy S6, LG G4, Nexus 5X oder Nexus 6P. Die Farben wirken natürlich und auf dem Smartphone-Display ist die Detailgenauigkeit hoch genug. Schaut sich jedoch die Aufnahmen in Originalgröße an, reicht schon ein bewölkter Himmel, um die Aufnahmen pixelig wirken zu lassen. Ähnliches gilt für Aufnahmen bei Zimmerbeleuchtung und bei Nacht auf der Straße. In beiden Fällen nutzt die Kamera das zur Verfügung stehende Licht gut aus und auf dem Bildschirm des Zenfone 2 sehen die Aufnahmen auch schön aus - aber vergrößern sollte man sie nicht.

Der HDR-Effekt hellt die Fotos insgesamt auf und Panorama-Aufnahmen sind ordentlich zusammen gesetzt, haben aber insgesamt keine hohe Auflösung und verlieren an den Rändern massiv an Detailgenauigkeit. Die 5-Megapixel-Kamera auf der Vorderseite liefert Selfies, die man schnell mal seinen Freunden schickt, aber Abzüge will man von den Fotos nicht anfertigen.

Alte Android-Version und zu viel Bloatware

Das Asus sich mit dem Verkauf des Zenfone 2 in Deutschland zu viel Zeit gelassen hat, wird auch beim Betriebssystem deutlich. Auf dem Smartphone läuft noch Android 5.0 Lollipop. Das wäre im März noch OK gewesen, aber inzwischen sollte wenigstens Android 5.1 auf einem neuen Gerät vorinstalliert sein. Das Asus Lollipop noch nicht aktualisiert hat, macht zudem keine große Hoffnung auf ein baldiges Update auf Android 6.0 Marshmallow.

Dazu kommt noch, dass Asus jede Menge sogenannte Bloatware auf dem Zenfone 2 installiert. Über 1,7 Gigabyte des internen Speichers sind direkt nach dem Einschalten bereits durch Apps belegt und mich überkommt beim Blick auf den Homescreen und die App-Übersicht das Bedürfnis aufzuräumen. Allerdings lassen sich die vorinstallierten Programme nicht vom Smartphone entfernen, sondern maximal deaktivieren. Da mag ich kleinlich sein, aber ich will Apps, die ich nicht brauche, nicht ständig zu sehen bekommen und ärgere mich zudem über den verschenkten Speicherplatz.

Der interne Speicher des Zenfone 2 ist zwar 32 Gigabyte groß. Das Betriebssystem belegt davon bereits knapp 6,5 Gigabyte. Zusammen mit den vorinstallierten Apps bleiben so noch etwas weniger als 24 Gigabyte für Eure Daten frei. Reicht das nicht aus, könnt Ihr die Speicherkapazität mit einer microSD-Karte erhöhen. Dafür müsst Ihr nur die Rückseite abnehmen. Ist diese Weg ist auch die Sicht auf die zwei Steckplätze für SIM-Karten frei und man erkennt, dass sich der 3000-Milliamperestunden-Akku fest verbaut ist.

Fazit: Spätzünder, dessen Potential ungenutzt bleibt

Trotz aller Kritik gehört Asus spätestens seit dem Nexus 7 zu den am meisten unterschätzten Herstellern von Smartphones und Tablets. Auch das Zenfone 2 war bei seiner Ankündigung ein überraschendes Top-Gerät, dessen unverbindliche Preisempfehlung von 379 Euro noch immer attraktiv ist. Mit dem späten Verkaufsstart in Deutschland hat Asus allerdings viele Chance verpasst. Dazu kommen noch unpassende Werbeversprechen und eine nicht aktuell gehaltene Software, die das Zenfone 2 trotz einer brauchbaren Kamera und flotter Hardware nicht besonders verlockend erscheinen lassen.

Falls Ihr über ein deutlich günstigeres Zenfone 2 stolpert: Schaut genau hin! Asus bietet das Smartphone auch in einer abgespeckten Version mit nur 16 Gigabyte internem Speicher, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und dem mit 1,8 Gigahertz getakteten Intel Atom Z3560 an.


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