"Battlefield 5" im Test: Wie spielt sich der Mehrspieler-Hit?

Battlefield 5 ist in vielerlei Hinsicht noch besser als der Vorgänger und ein Gewinn für Fans der Serie.
Battlefield 5 ist in vielerlei Hinsicht noch besser als der Vorgänger und ein Gewinn für Fans der Serie.(© 2018 EA/ DICE)

Es herrscht Uneinigkeit bei "Battlefield 5". Während der jüngste Ableger aus dem Hause EA/ Dice bei Presse und Medien insgesamt gut wegkommt, haben viele Fans eine konträre Meinung. Gründe dafür gibt es reichlich, aber sind sie gerechtfertigt? Der Test.

Electronic Arts vorzuwerfen, sie würden nicht aus ihren Fehlern lernen, wäre unfair. Denn schon zur Ankündigung von "Battlefield 5" im Mai 2018 verkündete der Publisher, es werde keinen Premium Pass geben. Alle nach Release des Spiels erscheinenden Zusatzinhalte sollen allen Spieler zugänglich gemacht werden und nicht nur denjenigen vorbehalten sein, die bereit sind, über den Vollpreis hinaus noch Geld auszugeben.

Auch die viel geschmähten Lootboxen, die gegen Echtgeld zufällig ausgewürfelte Gegenstände springen lassen, sind in "Battlefield 5" kein Thema mehr.

Ganz auf eine zusätzliche Einnahmequelle will EA dennoch nicht verzichten: So gibt es auch in "BF 5" Mikrotransaktionen, die allerdings einen ausschließlich kosmetischen Unterschied machen – quasi für die Individualisten da draußen, die sich auch auf dem Schlachtfeld gerne abheben möchten.

Für Solisten zu teuer

Apropos Individualisten. Für Alleinspieler bietet auch "Battlefield 5" erneut nur schmalen Umfang für viele Euros. Die bereits mit "Battlefield 1", dem direkten Vorgänger, eingeführten War Stories lassen euch in kurzen Episoden Einzelschicksale des Zweiten Weltkriegs erleben. Insgesamt vier (rechnet man den sehr kurzen Prolog hinzu, sind es 5) dieser Geschichten betrachten die Kriegstreiben zwischen den Jahren 1939 und 45 aus unterschiedlichen, teils sehr persönlichen Perspektiven.

Da jede War Story allerdings nur ein bis höchstens zwei Stunden lang ist und es auch keine Rahmenhandlung gibt, die alle vier miteinander verwebt, ist der Spaß für Einzelspieler schnell wieder vorbei. Großen Wiederspielwert bieten die Missionen kaum, abgesehen davon, die Missionsziele in unterschiedlicher Reihenfolge oder statt schleichend vielleicht mal offensiv anzugehen.

Von der Postkartenromantik bleibt nach einer Schlacht in den Straßen Rotterdams nicht viel übrig.(© 2018 EA/ DICE)

Darüber hinaus hat sich EA dazu entschieden, zum Start von "Battlefield 5" bloß drei der vier Stories freizuschalten. Die vierte und letzte, aus der Sicht eines deutschen Wehrmachtssoldaten erzählt, will EA nachreichen. Spannend daran wird sein, wie EA und DICE sich dem Thema angenommen haben. Denn für die "Battlefield"-Reihe ist es ein Novum, den Spieler außerhalb des Multiplayers in die Rolle des Antagonisten zu stecken und seine Motivation für den Krieg erleben zu lassen.

Leider schafft es DICE nicht, glaubhaft zu vermitteln, dass es sich bei den Charakteren tatsächlich um Normalsterbliche von nebenan handelt, die eher gezwungenermaßen als freiwillig zur Waffe greifen. Denn eigentlich will DICE mit den War Stories emotionale Geschichten erzählen – letztlich sind sie aber bloß triviales und zumeist stumpfes Wegballern von KI-Feinden. Die Diskrepanz zwischen Charakterzeichnung und Spielmechanik steht der Idee schlicht im Weg. Denn shooter-typisch sind die Figuren natürlich in der Lage, sämtliche Vehikel zu steuern, ganze Bataillone gut ausgebildeter Soldaten im Alleingang zu dezimieren und schlacht-entscheidende Wendungen herbeizuführen – naja. So viel zur Glaubwürdigkeit.

Im Mehrspieler so stark wie nie

Seine wahre Stärke spielt "Battlefield 5" – ganz der Tradition verpflichtet – im Mehrspielermodus aus. Auch hier wehte DICE bereits vor Release starker Gegenwind aus der Community entgegen. Denn offenbar störten sich nicht wenige Fans der Serie daran, dass es plötzlich auch weibliche Soldaten geben soll. Obwohl historisch belegt, wurde plötzlich Kritik an der realitätsgetreuen Abbildung des Zweiten Weltkriegs laut. Frauen an der Front? Absolut unrealistisch! Drei Soldaten, die in "Battlefield" auf den Tragflächen eines Flugzeugs stehend mitfliegen – hey, ist doch nur ein Spiel. Nunja.

Um die unnötige Diskussion darüber kurz abzuschließen: ja, es gibt weibliche Soldaten in "Battlefield 5", nein, sie spielen sich nicht anders als die männlichen.

In Schutt und Asche: Auch in Battlefield 5 lassen sich ganze Gebäude zerlegen. Dank Fortification können Soldaten nun aber wenigstens kleine Deckungen selbstständig wieder aufbauen.(© 2018 EA/ DICE)

Egal, mit welchem Geschlecht ihr euch ins Gefecht stürzt, so intensiv wie in "Battlefield 5" hat es sich lange nicht mehr angefühlt. Zum Start von "BF 5" verfügt der Mehrspielermodus über acht Karten, die sich über vier kriegsteilnehmende Länder (Niederlande, Frankreich, Südafrika und Norwegen, Griechenland kommt später dazu) verteilen. Typische Szenarien wie Stalingrad oder die Landung auf der Normandie gibt es nicht, stattdessen kämpft ihr auf weniger bekannten, aber nicht minder spektakulären und abwechslungsreichen Karten.

Keine Sorge, das Gefühl, inmitten eines wütenden Krieges die eigene Haut und die des Squads zu retten, kommt auch hier wieder hervorragend zur Geltung. Im Gegenteil: Die neue Schauplätze, wie Rotterdam, wirken erfrischend unverbraucht und sind bis ins letzte Detail ausstaffiert.

Meine erste Schlacht

Als mich die Detonation direkt neben mir von den Beinen holt, fühle ich mich wie Tom Hanks nach dem Granateneinschlag in "Der Soldat James Ryan". Unweigerlich ziehe ich die Kopfhörer von den Ohren, um zu überprüfen, ob das dumpfe Geräusch wirklich nur aus dem Spiel kommt – Sounddesign war schon immer eine Stärke von "Battlefield". Wie sehr die Akustik zum Spielgefühl beiträgt, stellt DICE einmal mehr mit Bravour unter Beweis.

Ein deutscher Panzer ist auf meinen Squad aufmerksam geworden und hat sofort das Feuer eröffnet. Der Wohnblock, in dem wir uns verschanzt haben, hielt dem Beschuss nur kurz stand, dann bröckelte die Wand weg, als wäre eine Abrissbirne hinein gerauscht. Einen Kameraden, ebenfalls Assault wie ich und eher für die direkte Konfrontation ausgerüstet, hat der Treffer so schwer verletzt, dass er ohne Hilfe nicht überleben würde. Zum Glück kann in "BF 5" mittlerweile jede der vier Klassen Erste Hilfe leisten und gefallene Kameraden zumindest wieder auf die Beine stellen. Für eine vollständige und vor allem schnelle Regeneration braucht es aber weiterhin den Medic. Zum Glück haben wir einen im Squad.

Während wir die schweren Ketten des Panzers auf uns zurollen hören können, verteilt unser Support zunächst noch einmal Munition an alle – beim Einstieg ins Match ist jeder Spieler nun nur noch mit zwei Magazinen ausgestattet. Dann sprinten wir durchs Treppenhaus raus Richtung Gasse. In den Pfützen spiegelt sich das in Schutt und Asche zerbombte Rotterdam – staunend bleibe ich stehen und genieße die brutal schöne Szenerie. Unglaublich, was DICE grafisch immer noch aus den aktuellen Konsolen kitzelt.  In der Ferne erkennen wir, wie ein Zug von einer Brücke hängt, die Pfeiler darunter weggebrochen wie spröder Mörtel. Von der Postkartenromantik zu Beginn der Partie ist nicht mehr viel zu erkennen.

Dazwischen immer wieder das Flackern von Artilleriefeuer, die Schreie und Rufe der Infanteristen, die Schutz suchen oder Angriffe auf sich verschanzende Feinde wagen.

Unser Ziel: die Flagge auf der anderen Seite des Gebäudes zu einnehmen und zu sichern. Zwischen uns und dem Erreichen des Ziels steht dummerweise der Panzer und dreht behäbig den Geschützturm auf der Suche nach uns. Über den Sprachchat verabreden wir ein Ausfallkommando, zwei von vorne, zwei über die Flanke. Im schlimmsten Fall erwischt es so nur die Hälfte unseres Squads.

Die Panzer steuern sich nun individueller und behäbiger. Trotzdem ist eine direkte Konfrontation keine gute Idee.(© 2018 EA/ DICE)

Es erfordert schon koordiniertes Vorgehen, um es als Fußsoldat in "Battlefield "5 mit einem Panzer aufzunehmen. Als Assault bin ich zumindest mit einer Panzerfaust ausgestattet. Ein paar zusätzliche Granaten dürften dem Panzer im Idealfall ein schnelles Ende bereiten. Aus der Deckung heraus nehme in den Geschützturm ins Visier, halt kurz inne und drücke ab. Ein lautes Zischen, gefolgt von einem ohrenbetäubenden Knall, ein greller Lichtball, Dreck, der mir entgegen fliegt. Das Kettenfahrzeug ist schrott, geschafft. Um die Flagge zu erobern, reicht es, ein paar Sekunden in deren Nähe zu verharren. Ungeschützt ist das allerdings keine gute Idee.

Das coolste neue Feature: Fortification. Dies erlaubt den Soldaten Barrikaden an strategisch wichtigen Punkten zu platzieren. In "Battlefield 5" geht es nämlich nicht mehr nur darum, die Umgebung in Staub zu verwandeln, sondern dort zu befestigen, wo Punkte zu halten sind. In diesem Fall an unserer Flagge. Schützengräben lassen sich hier zwar nicht ausheben, aber immer Sandsäcke aufstapeln. Somit sind wir wenigstens temporär gegen MG-Beschuss und anrückende Feinde geschützt. Unsere Support-Klasse ist zudem in der Lage, ein stationäres Geschütz zu montieren und so die Flanke zu sichern.

Mit der Fortication-Fähigkeit bringt DICE eine große Neuerung in die "Battlefield"-Reihe, die sich sofort organisch ins Spielgeschehen einfügt. "Fortnite"-Spielern dürfte das Prinzip bekannt vorkommen. Zum Glück beschränkt DICE das Bauen und Aufstellen von Deckungen, sodass sich nicht die ganze Karte mit Schützengräben durchziehen lässt oder meterhoch Sandsäcke gestapelt werden können.

Plötzlich ein lauter Knall. Aus irgendeiner Richtung wird auf uns geschossen. Ich hab den Schützen nicht einmal gesehen, den Schuss erst gehört, als er sein Ziel bereits getroffen hat – mich.

Fazit: Verbesserungen an den richtigen Stellen

Mit "Battlefield 5" setzt DICE genau an den richtigen Stellschrauben an. Schon "Battlefield 1" war die richtige Frischzellenkur für die Kriegsshooter-Serie. Nun folgten die Verbesserungen im Detail. Kritiker würden sagen, "BF 5" sei bloß ein grafisches Update mit wenigen neuen Inhalten. Tatsächlich aber spielt sich "BF 5" aufgrund der neuen Spielmodi und Mechaniken anders als der Vorgänger. Das macht sich unter anderem bei den Fahrzeugen bemerkbar, die sich nun weitaus behäbiger und dadurch realistischer steuern. Als Vorbild diente den Entwicklern offenbar das ebenfalls sehr erfolgreiche "World of Tanks".

Dass EA sich dazu entschieden hat, Exklusivinhalte durch kostenlose Service-Inhalte zu ersetzen, verdient ebenfalls eine lobende Erwähnung. Wenngleich die fehlende Singleplayer-Mission als auch der erst im Frühjahr erscheinende Battle-Royale-Modus die Freude darüber etwas trüben.

Denn gerade die ohnehin schon kurzen War Stories sind bestenfalls als Entschuldigung für das Fehlen einer vollwertigen Einzelspieler-Erfahrung zu verstehen und keinesfalls allein den Vollpreis wert.

Nur wer wirklich Interesse an Mehrspielermodi mit anderen menschlichen Mitspielern hat, hat auf lange Sicht Spaß mit"Battlefield 5". Richtig packend werden die Schlachten vor allem, wenn man im Squad mit Freunden spielt und sich so via Sprachchat absprechen und Kommandos zurufen kann. Denn taktisches Vorgehen und Teamplay stehen bei "BF 5" mehr denn je im Vordergrund.

"Battlefield 5" ist ab sofort für die Sony PlayStation 4, die Xbox One und den PC zu haben und ab 16 Jahren freigegeben. Sämtliche Zusatzinhalte wie die zusätzliche Singleplayer-Mission, neue Karten für den Mehrspieler und den Battle-Royale-Modus will EA kostenlos anbieten.

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