BlackBerry Key2 LE im Test: Wann lohnt sich eine Tastatur im Smartphone?

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Schneller tippen mit Tastatur? BlackBerry Key2 LE.
Schneller tippen mit Tastatur? BlackBerry Key2 LE.(© 2018 CURVED)

Das Blackberry Key2 LE soll die Tastatur bei Smartphones vom Business-Image befreien und für mehr Leute interessant machen. Ein lockeres Design und ein niedrigerer Preis sollen helfen. Ob das klappt, erfahrt ihr im Test.

Optisch lässt sich die Verwandtschaft vom Blackberry Key2 LE und dem Key2 nicht leugnen, aber rundere Kanten des Metallrahmens und rot als Farbvariante geben dem LE doch einen lockeren Look. Leichter wird das Smartphone ebenfalls. Es sind zwar nur zwölf Gramm, aber in der Hand spürt man den Unterschied.

Kleinere Tasten, die größer sind

Die Rückseite des Blackberry Key2 LE besteht aus einer sogenannte Softtouch-Oberfläche, die schön griffig ist. Die Tasten der Tastatur sind zwar etwas kleiner als beim Key2, sollen aber immer noch zehn Prozent größer sein, als beim Blackberry KeyOne. Die Tasten lassen sich auf jeden Fall gezielt drücken und haben einen angenehmen Hub. Hat man sich bereits an eine Touchscreen-Tastatur gewöhnt, erfordert es einige Umstellungszeit, bis man auf der Tastatur des BlackBerry wieder mindestens genauso schnell schreiben kann. Etwas anderes ist es natürlich, wenn man schon lange auf Smartphone-Tastaturen tippt.

Auf die Trackpad-Funktion muss man bei Key2 LE verzichten. Man kann mit dem Finger also nicht auf den Tasten beispielsweise über eine Webseite scrollen. Dafür übernimmt es die "Speed Key"-Funktion vom Key2, der einen schnellen Wechsel zwischen Apps sowie das direkte Aufrufen einer App ermöglicht. Die Tasten kann man frei Programmieren und so etwa Facebook auf F und WhatsApp auf W legen – oder auch anders herum.

Ebenfalls vorhanden ist die Komforttaste unterhalb der Einschalttaste, die zur besseren Unterscheidung geriffelt ist. Die Komforttaste lässt sich mit verschiedenen Funktionen belegen und kann dabei unterschiedliche Szenarien wie eine Autofahrt oder das heimische WLAN erkennen. Standardmäßig ruft sie den Google Assistant auf, mit einem Doppelklick die Bilderkennung Google Lens. Hält man die Taste gedrückt, hört der Google Assistant über eine Walkie-Talkie-Funktion direkt zu.

Bei der Software kommt Android Oreo mit typischen Blackberry-Anwendungen zum Einsatz. DTEK soll die Sicherheit auf dem Smartphone erhöhen. Die "Locker"-App erlaubt das Verstecken von Apps und hält Dateien auf dem Key2 LE privat. Zudem lassen sich einige Apps, hauptsächlich aus dem Social-Media-Bereich klonen. So kann man sich einfacher mit verschiedenen Accounts anmelden.

Flotte Mittelklasse-Hardware und eine Dualkamera

Der Akku des Key2 LE hat mit 3000 mAh zwar eine geringere Kapazität als beim Key2, bringt einen aber bei typischer Nutzung gut über den Tag. Eine Schnellladefunktion ist vorhanden und das Smartphone soll Tipps geben, wann es ein guter Zeitpunkt ist, die Batterie über den USB-C-Anschluss zu laden. Dazu wertet es das Nutzerverhalten aus und wirft auch Blicke in den Kalender.

Mit dem Snapdragon 636, der auch im neuen HTC U12 Life steckt, und vier Gigabyte Arbeitsspeicher hat das Blackberry Key2 LE für den Alltag mehr als genug Leistung: Es liegt nur knapp hinter dem Key2. Auf dem Smartphone läuft die Nutzeroberfläche flüssig und Apps starten überwiegend zügig. Selbst grafisch aufwendige Spiele wie PUBG Mobile lassen sich spielen – aber nur nach vergleichsweise langen Ladezeiten und in niedrigster Grafikeinstellung. Beim internen Speicher hat man die Wahl zwischen 32 und 64 Gigabyte.

Der 4,5 Zoll große Touchscreen des Key2 LE ist der gleiche wie beim Key2. Bei einem Seitenverhältnis von 3:2 liegt die Auflösung bei 1620 x 1080 Pixeln. Das ist ein ungewohntes Format, vor allem, da viele Apps auf ein länglicheres Seitenverhältnis ausgelegt sind. Bei der Nutzung des Touchscreens erweist sich die Tastatur immer wieder als Störfaktor – zumindest, wenn man es nicht gewohnt ist über die Tasten reichen zu müssen, um mit den Fingern den Bildschirm zu erreichen. Vor allem beim Fotografieren, Spielen oder anderen Aktivitäten im Querformat machen sich die Tasten negativ bemerkbar.

Der Fingerabdrucksensor des Blackberry Key2 LE versteckt sich in der Leertaste. Ein ungewöhnlicher Ort, aber er ist dort gut zu erreichen und erkennt die Finger zuverlässig.

Dualkamera mit Bokeh und ohne Zoom

Die Dualkamera auf der Rückseite des Key2 LE lässt euch Fotos mit Bokeh-Effekt aufnehmen, bei denen der Hintergrund extra unscharf wird. Einen Zoom wie bei anderen Dualkameras gibt es nicht. Die Fotos mit einer Auflösung von 13 Megapixeln erreichen eine ordentliche, aber keine herausragende Qualität. Bei guter Beleuchtung wirken die Farben natürlich und die Detailgenauigkeit ist hoch. Unsere Testbilder sind aufgrund des wolkenverhangenen Hamburger Himmels ungewöhnlich dunkel.

Der Bokeh-Effekt funktioniert bei Personen besser als bei Gegenständen, ist an den Kanten aber nicht besonders genau. Das bekommen andere Smartphones schöner hin. Der HDR-Effekt macht sich deutlich bemerkbar und in der Nacht, nimmt die Bildqualität zwar deutlich ab, aber besonders im Nachtmodus wird die verbliebene Helligkeit wenigstens gut ausgenutzt. Die Zusammensetzung von Panorama-Aufnahmen lässt nicht nur an den Schnittkanten zu wünschen übrig, sondern auch beim Ausgleich unterschiedlicher Belichtungen, die sich beim drehen schnell ergeben.

Die Frontkamera liefert Selfies mit acht Megapixeln. Das Ergebnis ist von der Detailgenauigkeit her noch ok, die Farben wirken allerdings blass. Ihr solltet außerdem darauf achten starke Kontraste zu vermeiden. Einen HDR-Modus oder Bokeh-Effekt gibt es für die Frontkamera nicht.

Selfie(© 2018 CURVED)

Fazit: Die beste Wahl, wenn es ein Tastatur-Smartphone sein soll

Die unverbindliche Preisempfehlung für das Blackberry Key2 LE liegt bei 399 Euro für die Version mit 32 Gigabyte und 429 Euro für die Variante mit 64 Gigabyte internem Speicher. In meinen Augen ist das Blackberry Key2 LE die erste Wahl, wenn ihr ein Smartphone mit Tastatur sucht. Das Key2 bietet zwar noch einige Kniffe mehr, aber die sind meiner Meinung nach den Aufpreis von 250 Euro nicht wert.

Allerdings müsst ihr den Umstieg auf eine haptische Tastatur wirklich wollen, oder schon eingefleischte jahrelange BlackBerry-Nutzer sein. Man muss sich nämlich daran gewöhnen wieder mit Tasten zu tippen und nicht über den Bildschirm zu wischen. Inzwischen sind die virtuellen Touchscreen-Tastaturen so gut geworden, dass ich die echte Tastatur nicht vermisse – und lieber das größere Display nehme, von denen die Tasten einen großen Teil wegnehmen.

Ansonsten ist das BlackBerry Key2 LE ein ordentliches Mittelklasse-Smartphone mit Android 8.1, ausreichend leistungsfähiger Hardware und einer bei Tageslicht guten Kamera. Ohne Tastatur bekommt man solch ein Smartphone aber auch schon für unter 300 Euro.

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