Aquaris M10 von BQ im Hands-On: das Ubuntu-Tablet, das auch ein PC ist

Der spanische Hersteller BQ experimentiert gern mit alternativen Betriebssystemen. Nach einem Smartphone mit Ubuntu und einem mit Cyanogen OS hat BQ jetzt das weltweit erste Ubuntu-Tablet Aquaris M10 vorgestellt. 

Doch es ist nicht nur ein Tablet. Durch den konvergenten Ansatz lassen sich Maus, Tastatur und sogar ein Monitor verbinden. So könnt Ihr das Tablet im "Desktop-Modus" wie einen ganz normalen Computer benutzen. Der Touchscreen bleibt dabei erhalten.

Eine ruckelige Angelegenheit

Das Aquaris M10 ist aus Plastik, dadurch mit 470 Gramm aber sehr leicht. Optisch gibt es nicht viel zu meckern. Es ist schwarz und schlicht. An den Seiten gibt es Tasten für laut und leise, einen Power-Knopf, einen Slot für eine Micro-SD-Karte, Kopfhörerausgang und Anschlüsse für USB und HDMI. Im Vergleich zum letzten Tablet, das BQ auf den Markt gebracht hat, sind die Lautsprecher von der Seite auf die untere Front gewandert. Das ist sehr sinnvoll, da die Membranen an der Seite mit den Händen beim Festhalten verdeckt wurden.

Innen steckt der Prozessor MT8163A von MediaTek. Seine vier Kerne takten mit 1,5 GHz. Unterstützt wird die CPU durch zwei Gigabyte Arbeitsspeicher. Der interne Speicher von nur 16 Gigabyte kann per Micro-SD-Karte um bis zu 200 Gigabyte erweitert werden. Auf dem MWC in Barcelona konnten wir eine noch nicht finale Version ausprobieren - und die hat enorm geruckelt. Schon alleine das Scrollen durch den Browser lief überhaupt nicht flüssig. Vor Ort wurde uns versprochen, dass das bis zum Release im zweiten Quartal 2016 verbessert wird. Ob und wie das geklappt hat, zeigen wir Euch im Test mit dem fertigen Gerät. Der Akku bietet eine Kapazität von 7280 mAh und soll laut Hersteller eine lange Autofahrt mit Videos durchhalten. Wie lange genau, werden wir testen.

Das 10,1-Zoll-Display löst mit 1920 x 1080 Pixeln in Full-HD auf. Der Bildschirm ist gestochen scharf, auch die Helligkeit gefällt uns. Auf der Frontseite ist eine Kamera mit fünf Megapixeln verbaut. Die rückseitige Kamera bietet acht Megapixel und nimmt Videos sogar in Full HD auf. Schnappschüsse und Videotelefonie sehen damit gut aus.

Ubuntu mit vielen Wischgesten

Was wir leider bei der Ubuntu-Version für Touchgeräte immer wieder feststellen, ist, dass die Gesten zum Aufrufen von Funktionen recht unintuitiv sind. Sogar die Leute auf dem MWC-Stand haben sich oft verdacht und eine andere Geste ausgeführt, als sie uns zeigen wollten. Im Video könnt Ihr außerdem sehen, dass die Gesten nicht so perfekt funktioniert haben. Vor allem, wenn man von rechts nach links wischt, um zwei Apps zu wechseln oder eben alle offenen Apps auf einen Blick zu sehen, ist es recht schwierig, die gewünschte Funktion zu erwischen. Denn bei Ersterer müsst Ihr auf dem Bildschirm ein bisschen wischen und bei Letzterer vom Rand in die Mitte.

Das BQ Aquaris M10 Ubuntu Edition(© 2016 CURVED)

Die Wischgeste "Side Stage" war allerdings ziemlich cool: Ihr haltet mit drei Fingern das offene Programm, zum Beispiel Twitter, fest und schiebt es nach rechts. Dann befindet es sich auf einer schmalen Leiste, sodass zwei Fenster nebeneinander liegen. Das Linke hat ungefähr zwei Drittel der Bildschirmbreite, Twitter rechts ein Drittel. So habt Ihr beispielsweise Eure Timeline immer im Blick, während Ihr etwas anderes bearbeitet.

Ansonsten ist Ubuntu ein tolles Betriebssystem, das nicht nur Spaß macht, weil es kaum Schadsoftware gibt, die Ihr Euch beim Surfen einfangen könnt. Im kurzen Hands-on hat das Umschalten zwischen Tablet- und Desktop-Version problemlos funktioniert. Per Bluetooth oder USB-Anschluss verbindet Ihr Maus oder Tastatur, per Micro-HDMI einen Monitor. In den Einstellungen gibt es einen Regler, der die Desktop-Version aktiviert. In dieser sind all Eure Programme normale Fenster, die nicht automatisch skaliert, sondern von Euch minimiert, in der Größe verändert oder geschlossen werden. Bei Microsofts Continuum braucht Ihr dafür noch ein Display Dock: Punkt für das Ubuntu-Tablet! Der Nachteil an Ubuntu ist wie immer der Umfang des Software-Angebots. Doch die Auswahl wird stetig größer und für die meisten gängigen Windows-Programme gibt es inzwischen praktische Alternativen.

bq Aquaris M10 Ubuntu Edition(© 2016 CURVED)

Preise und Verfügbarkeit

Das Aquaris M10 Ubuntu Edition wird im zweiten Quartal 2016 auf den Markt kommen. Zum Preis wollte sich BQ noch nicht äußern. Da die Android-Variante des Tablets aber bei 269 Euro liegt, wird die Ubuntu-Version wahrscheinlich auch unter 300 Euro bleiben.

Vorläufiges Fazit: Warten auf das finale Produkt

Normalerweise können wir im vorläufigen Fazit schon mal eine Richtung angeben, ob das Produkt cool oder uncool wird. Dieses Ubuntu-Tablet steht und fällt aber mit seiner Performance. Wenn BQ das Ruckeln beim Scrollen in den Griff bekommt, erhaltet Ihr ein tolles Tablet, das Ihr als PC verwenden könnt - für Linux-Liebhaber eine tolle Möglichkeit.

Wenn aber auch das finale Produkte diese Performance-Schwierigkeiten behält, wird das M10-Tablet genauso floppen wie schon das Ubuntu-Smartphone von BQ.


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